The Odenwald
August 1920 Friday 2:30pm
Der Zug nach Regensburg hält in Miltenberg; wir sind im deutschen Mittelgebirge angekommen. Im Gasthaus „Wilder Martin“ gelingt es Henry, Sanjuro & Ragnar vom Wirt zwei Pferde und eine offene Kutsche zu mieten. In der Zwischenzeit gehe ich mit Carla & Mare auf eine Sightseeingtour durch die kleine Stadt. Ich finde Gefallen an unserer kleinen Camouflage, in der wir als geschichtsinteressierte Reisegruppe auftreten…
Von Miltenberg bis nach Kirchzell sind es nur 30km. Mare übernimmt die Kutsche und wir lassen uns durch hügeliges Gelände ziehen. Wir müssen in einen Feldweg abbiegen, der uns in einen dichten Wald führt. Ein See am Wegesrand lenkt meine Gefährten ab…
Sanjuro, Ragnar und Henry gehen baden, Mare spricht mit den Pferden und Carla will einem wilden Hund ins Dickicht hinterher rennen, wovon ich sie gerade noch abhalten kann…
Ich unterdücke meine Ungeduld mit einem Glas Champagner aus dem reichlich gefüllten Picknickkorb des „Wilden Martin“.
Als wir weiter kutschen, folgt uns der Hund. Ragnar versucht ihn anzulocken und hört auf einmal unbekannte Stimmen hinter den Bäumen. Carla übermannt die Neugier und nähert sich schleichend der Geräuschquelle…
Kurze Zeit darauf hört man es laut platschen und noch viel lauter auf italienisch fluchen. Carla ist längs in eine Schlammpfütze gestürzt und auf mich kommt ein nach Luft schnappendes, triefendes Mudmonster zu…
Ich kann nicht glauben, dass ich mich immer noch auf der Gralssuche befinden…
Ich säubere Carla liebevoll mit meinem Taschentuch die Wangen, während ich in weitaufgerissene, weiße Augen schaue und weitere, ausdrucksstarke Komponenten ihrer Stimmlage erfahre…
Ragnar klärt die Herkunft der Stimmen auf: Im Tal hinter den Bäumen hat ein Zigeunerlager seine Zelte und Wagen aufgeschlagen. Wilderer im Odenwald…
5pm Wir folgen dem Waldweg, als ein weiterer Hund ohne Halsband am Wegesrand unsere Aufmerksamkeit erregt. Ein kleiner Drahthaarterrier beobachtet uns von einem Felsvorsprung aus. Von gar nicht weit entfernt hören wir erneut Stimmen: Deutsche Befehle hallen durchs Unterholz…
Wir teilen uns auf: Henry & Ragnar fahren mit der Kutsche weiter den Weg hinauf, zur Quelle der Stimmen. Mare, Carla, Sanjuro & Me gehen zurück in das Zigeunerlager….
Sie bereiten gerade ihren Aufbruch vor und nehmen uns freundlich auf, als sie erkennen, dass wir keine Deutschen sind. Sie berichten uns von ungewöhnlichen Geräuschen in der Nacht, von Stampfen und Schnauben und wackelnden Bäumen…
Carla fragt, ob sie auch ein „glitschendes Schlurfen“ gehört haben und erblasst, als Slaati und Krika leise nicken…
Jedes Misstrauen fällt von ihnen ab, angesichts der bleichen Carla in ihrem matschverzierten Kleid und bringen sie in einen ihrer Wohnwagen. Sie sprechen italienisch, berichten von Hexen und „dunklem Theater“ und zeigen ihr und Mare ein Stück herausgebrochener menschlicher Schädeldecke…
„Bringt Hund, bringt Hund jeden Tag…“; „Brauchst du dir nicht Schädel zerbrechen, tun andere…“ übersetzt Carla simultan…
Henry und Ragnar treffen ein. Sie haben mit den Deutschen gesprochen: Das deutsche Militär hat große Teile des Wildenbergs zum Sperrgebiet erklärt, offiziell wegen Wilderern, doch der Hauptmann verquatscht sich: Es verschwinden immer wieder Menschen hier. Aus einem Mannschaftstransporter seien acht Soldaten ausgeschwärmt.
Die Zigeuner bedanken sich für diese Information und packen nur noch schneller. Sie haben nun keine Zeit mehr zu verlieren…
Auch wir brechen jetzt auf, wollen wir doch vor der Abenddämmerung Kirchzell erreichen…












