ADVENTUS AD MONASTERIUM
Ach, dieses herzhafte bayerische Frühstück.
Meine Taschenuhr zeigt 10:00 Uhr, als wir das Sanatorium erreichen. Es liegt auf einem Plateau oberhalb des Felsens. Auf dem Parkplatz stehen sechs Fahrzeuge: 2 LKW’s, und vier PKW’s mit den Kennzeichen aus Italien, Frankreich und Deutschland.
Auf das Plateau führt auch die Seilbahn.
Rosenbüsche und Gaslaternen säumen einen trügerischen Garten. Liegestühle stehen vor einer schützenden Glaswand und laden zur Entspannung mit Sicht in Richtung Alpenpanorama ein.
Das ehemalige Kloster weist im Erdgeschoss schmale Buntglasfenster auf. Auf das EG wurde später ein zweites Geschoss gesetzt und der zentrale Turm erhöht.
Die Pforte steht offen, an der Rezeption werden wir freundlich empfangen. Der Concierge, Martin Eberling, schwärmt zunächst von Mr Esse. Ich kündige uns auf Deutsch an bis mich der Lord auf Englisch unterbricht und das Wort übernimmt. Während die Herrschaften noch diskutieren, schaue ich mir mal das Schlüsselbrett genauer an – 80 Zimmer, Post in den Fächern hier und da. Links vom Tresen befindet sich das Treppenhaus und rechts eine verschlossene Tür. Und das Beste in diesem Trubel: Der Concierge hat mich gar nicht gefragt wie ich heiße, so bleibe ich verborgen. Oh Henry!
Pagen nehmen unser Gepäck und begleiten uns vorbei am Schwarzen Brett auf unsere Zimmer in den Westflügel im 1. Stock. Dabei kommen wir auch an den Räumen für die „Patienten“ vorbei. Vergittert, verschlossen, kläglich. Wie in einem Gefängnis. Seltsamerweise sind keine Patienten in ihren Zellen.
Automobile sind ja i.d.R. nicht so meins, außer das ich sie für viele Millionen kaufen muss. Aber als ich in der Garten gehe beobachte ich eine sehr interessante Erfindung auf diesem Gebie. En leises, tropfenförmiges silbernes Geschoss parkt auf dem Vorplatz. Ein junger elegant gekleideter Herr steigt aus, ein neuer Gast?
Meine Taschenuhr zeigt 11:00 Uhr. Im Park stromern einige Patienten die sich unruhig verhalten, am Kopf kratzen oder Selbstgespräche führen. Ich nehme mir einen Liegestuhl und lese das Buch aus der Bibliothek weiter:„ (…) Es ist ein ehemaliges Kloster, ab 1847 wurde dem Volk verboten, es zu nutzen (…) Die Familie Esse erwirbt es anschliessend (…)“. Dabei beobachte ich aus den Augenwinkeln, wie sich der Mann (mit dem Tropfen) Mrs di Fiona nähert und sie in ein Gespräch verwickelt. Lord Carnarvon, der direkt neben ihr steht, scheint er zu ignorieren. Sie reden kurz, dann geht er weg.
Die Essensglocke läutet. Auf dem Weg in den Speisesaal komme ich an der Rezeption vorbei, wo sich lauthals Mrs Ruford verabschiedet, deren Mann am Vortag schreiend im Garten aufgefunden wurde.
Meine erste Leberknödelsuppe – Hmmm! Kochen können sie. Im Saal sind ca 60 Gäste, Mr Mortimer oder seine Begleiterin sind nicht unter ihnen. Aber der Mann mit dem ungewöhnlichen Automobil ist anwesend, tritt an unseren Tisch und stellt sich als Herr Franz Xaver von Miller (Junior) aus Münster vor. Er setzt sich und wir kommen ins Gespräch. Er sei Ingenieur, Lebemann und zuweilen an okkulten Dingen interessiert. Simple Zaubertricks durchschaue er aber und das meine er auch nicht. Sein Vater hat ihn hergeschickt, damit er mal „zu Sinnen kommt“ und „seine Platz im Leben findet“. Lord Carnavon blickt mich zwischendurch etwas zornig an, da ich schon wieder zu viel über uns verrate. Henry – lass es! Als Nachtisch gibt es Griespudding mit heimischen Beeren. Zwei Pfleger treten an unseren Tisch und Fragen nach geplanten Aktivitäten für den restlichen Tag.
Meine Taschenuhr zeigt 13:00 Uhr. Ich studiere ein Buch aus der Sanatoriumsbibliothek: (…) Die Wolfsgrube ist ein Steinbruch (…) der Teufelsausblick ein markanter Felsen, hier nisten ungewöhnlich viele Raben, daher der Name Rabenfels (…)“
Meine Taschenuhr zeigt 15:00 Uhr, die Wanderung zum Bergsee beginnt. Wir können leider nicht teilnehmen, da Mrs von Humboldt noch bettlägig ist und wir uns ja nicht voneinander entfernen können und reden uns daher raus. Aber Herr Miller geht mit und wird uns hoffentlich berichten,
Die erste Lektüre ist aus, in der hiesigen Bibliothek entdecke ich keine weiteren Hinweise auf diesen Ort.
Zurück im Garten mit Indy beobachte ich einen Gast, er flüchtet mit seinem Automobil und wird durch zwei weitere Automobile verfolgt.
Die Glocke läutet 18:00 Uhr, Abendessen, ein Büffet mit Blutwurst, Speck, Sauerkraut.
Meine Taschenuhr zeigt 19:00 Uhr. Der Vortrag von Dr. Pendelar „Die Rolle der Hypnose in der Angsttherapie“. Herr Miller biete sich als Medium an. Er als Hahn, eine Arie singend, nur um anschliessend wie in Starre über zwei Stuhllehnen zu schweben. Und Miller erinnert sich an nichts und fragt nach was passiert sei.
Nach dem Umtrunk mit Weinschorle folgt die Nachtruhe bis auf einen leisen Gesang im Nebenzimmer.
TUNICA NOCTURNA I
Kalter Windstoß. Ich im Nachtgewand im Wald. Ebenso alle anderen Gezeichneten. Knarren von Ästen. Lauter animalischer Hilfeschrei aus Richtung des Berges. Ich kneife mich selber – Au! Auch kann ich ein Stück in Mrs di Fiona hineingreifen. Astralkörper? Der Nachthimmel, er scheint normal. Das Laufen fühlt sich seltsam und gleichzeitig normal an. Wir folgen dem Schrei und erreichen eine Wiese, hier befinden sich unter Steinen verschiedenfarbige Stofffetzen. Hinter der Wiese befindet sich eine Schlucht in der humane Gestalten verschwinden. Wir folgen und Mrs die Fion singt sehr schlecht. Die Schlucht weitet sich zu einem Talkessel, in dessen Mitte sich ein Hügel mit einem Feuer befindet. Gestalten in schweren Kutten bewegen sich im Wald um uns und scheinen uns zu ignorieren. Als wir uns nähern hören wir den monotonen Gesang und sehen den Schwarzer Stein.
Der Gesang steigert sich, eine gebeugte Gestalt in Begleitung einem Jungen, geschätztes Alter 4 Jahre betritt die Bühne. „Wo ist Papa?“, fragt der Junge. „Ich führ Dich zu ihm“, antwortet die gebeugte Gestalt. Der Junge legt sich auf den Stein. Carla hat einen Ausfall, da sie eine der Gestalten berührt und sich diese zu ihr umkehrt – Nur Augen!
Um das schlimmste zu verhindern versucht Mrs di Fiona zu singen, aber ihre Stimme versagt. Als Mare einen Stein werfen möchte ist er in ihrer Hand wie fest verwurzelt.
Die gebeugte Gestalt zieht den Dolch und schneidet sich selbst. Ihr Blut rinnt in einer Rinne um den Altar, dann dann erdolcht sie den Jungen vor unseren Augen! Oh Henry! Sie labt sich an seinem Fleisch um sich zu stärken. Das Ritual, es ist beendet. Ich habe stechende Schmerzen hinter den Augen.
Eine weitere Entität erscheint hinter dem Stein, deutlich größer als der Mensch, mit einem sonderbarem Kopf. Sie nähert sich und zeigt auf Mrs de Fleur. Und greift sie unerwartet. Der Schädel der Entität zieht sich in die Länge und scheint mit Mrs de Fleur zu verschmelzen!
Aaaahhh! Mein Nachthemd, es ist komplett. Das Zimmer in Rabenfels. Dann klopft es an meine Tür. Herr Miller! Laut seiner Aussage passieren draussen ungewöhnliche Dinge und die Haustür ist verschlossen, ich solle mal mitkommen.
Herr Miller führt mich auf den Turm und zeigt mir die Jagdtruppe – diese scheint eine Person zu suchen. Da ist auch noch eine Art Lagerfeuer im Wald, weit hinten. Meine Taschenuhr zeigt 3:40 Uhr als Jäger, Pfleger, bewaffnet mit Knüppel, Waffe und Bluthund ausschwärmen. Ich hole die Anderen. Mrs di Fiona beobachtet mit dem Okular die Szenerie und besonders die Lichtung mit dem Feuer: Eine tanzende Frau an einem Lagerfeuer unter einem uralten Baum. Und Dank ihrem feinen Gehör ist der Gesang der Frau wohl bis hin zum Sanatorium hören. Dann erscheinen 4 Pfleger und geleiten uns uns auf unsere Zimmer. Ich muss jetzt in die Federn nd denke beim einschlafen an das Okular (Mein Schatz!).










