The Book of The King in Yellow
Septembre 11 1920 1am Berlin – Tegel
Ein Käuzchen ruft…Wir verlassen die „Alte Waldschänke“ so leise wie möglich und sind nach wenigen Minuten Fußmarsch am Schloss. Es ist natürlich auch nachts bewacht und wir schicken Mary-Ann vor, eine weitere Ablenkungsaktion am Grabmal ihrer Vorfahren zu inszenieren…
Die tränenreiche, nächtliche Klageweibnummer gelingt ihr gut. Die Polizisten sind abgelenkt genug, wir können uns anschleichen. Mycroft und Sanjuro kommen schnell voran, ich bin mit meinen 55 Jahren nicht mehr ganz so geschmeidig…
Immer wieder sichert einer der Polizisten mit einem Schulterblick das Schloss. Ich muss durch das kurzgeschnittene Gras robben – wenigstens in den Basics der Gartenkunst hält sich auch der deutsche Adel an britische Standards – um zu den beiden aufzuschließen, die bereits im Gebäude auf mich warten.
Während die Polizisten nun genug mit einer plärrenden Mary-Ann zu tun haben, erkunden wir das Schloss. Mycroft führt uns in den ersten Stock. Er erinnert sich an die Räumlichkeiten in Halifax, er kennt den Bau…
Von wegen…Wir eilen lange Gänge, Treppen hinauf und hinab…Das Schloss scheint viel weitläufiger, als von aussen zu sehen ist. „Das war in Halifax auch so…“ bemerkt Mycroft beiläufig…
Wir rennen durch ein Labyrinth von Gängen und Türen und Treppen und Türen und Gängen und Treppen, nahezu orientierungslos…
Endlich kommen wir in einer Bibliothek an. Ich sehe deutlich ein gelbes Leuchten aus einem Regal, stürme darauf zu und ziehe ein kleines Buch hervor…
Da ist es…Fasziniert stiere ich auf das Cover….Verwirrt erstarre ich, bis mir Mycroft das Buch aus den Händen nimmt…Ich komme wieder zu mir…
„Das Buch geben wir nicht mehr her!“ nickt er mir versichernd zu und steckt es ein.
Sanjuros leerer Blick verrät mir, dass auch er mitgenommen ist und in seinen eigenen Gedanken gefangen, dem realen Geschehen nicht mehr wirklich folgen kann…
Eiligst begeben wir uns auf den Rückweg. Ich glaube kaum, dass wir den Ausgang wieder finden, doch nach einer Ewigkeit durch Gänge und Türe und Treppen und Türe und Gänge und Treppen kehren wir in das Erdgeschoss des Schlosses zurück. Jetzt müssen wir wieder unentdeckt herauskommen…
Sanjuro und Mycroft schleichen voran, ich umso vorsichtiger hinterher…
Meine Knochen knacken laut…und wir sind entdeckt!!
„Halt! Wer da?“ Wir blicken in die Taschenlampen der Polizisten…
Ich ergreife das Wort. Zum Glück versteht einer der Uniformierten ein wenig Englisch und ich kann ihm mit einfachen Worten erklären, dass wir auf der Suche nach einer Bekannten von uns sind, deretwegen wir den Ort hier aufgesucht haben. Wir suchen nach Mary-Ann von Humboldt, die wir trauernd nach dem Brandunglück auf dem Anwesen vermuten…
Die Berliner Beamten erinnern sich an sie, glauben mir, bestehen jedoch auf eine Leibesvisitation, um sicher zu gehen, dass wir nichts aus dem abgebrannten Schloss haben mitgehen lassen…
Mycroft schaut mich kurz an: „Das Buch geben wir nicht mehr her!“ schwingt in seinem Blick. Und kurzentschlossen zückt er seine Pistole und feuert…
Ich werde Zeuge einer kurzen, heftigen Schießerei…an deren Ende ich als einziger noch stehe, mit gezücktem Messer, mit dem ich mir auch noch wie ein Doofus in die Hand geschnitten habe…
Von den beiden niedergestreckten Polizisten kommt kein Laut mehr. Mycroft wälzt sich getroffen vor Schmerzen im Gras, Sanjuro sinkt stöhnend auf die Knie…
What a mess! Hätt ich den beiden doch einen sicheren Vorsprung gegeben, bevor ich aus dem Schloss schlich…
Ich versuche die Blutungen des Colonels zu stoppen, doch er schreit nur kurz auf und fällt dann in Ohnmacht…
Mary-Ann kommt uns aus ihrem Versteck aus den Büschen der nördlichen Anhöhe neben dem Schloss und versorgt stumm Mycroft. Sie kann ihn stabilisieren, doch er bleibt bewusstlos.
How to go on? In die „Alte Waldschänke“ können wir nicht mehr zurück. Zum Glück haben wir uns dort nicht mit unseren richtigen Namen angemeldet. Mary-Ann und Me entscheiden uns, die sofortige Flucht nach England anzutreten. Doch dazu brauchen wir einen fahrbaren Untersatz, mit dem wir zum Aerodrome nach Staaken gelangen können…
Ich trage Mycroft. Mary-Ann stützt Sanjuro….An der Kirche in Tegel stehen zwei Autos. Wir versuchen, eines nach dem anderen zu knacken, was uns aber nicht gelingt…
DAMNED…Das alles darf doch nicht wahr sein…Kein Auto, keine Kutsche, nichts…Berlin ist die wahre Tiger City…!.!.!…
3am Rat- und hilflos verstecken wir uns in einer Seitenstrasse. Verzweifelnd und kopfschüttelnd schauen Mary-Ann und ich uns an…
Sie bietet mir eine Nase voll Koks an, die ich gerne nach ihr nehme…











