Auf Cthulhus Spur

Gepflegtes Rollenspiel rund um den kriechenden Wahnsinn

太平洋の奇事 (Taiheijō no kiji) -Die Mysterien des Pazifik

Ich schlafe recht gut, auch wenn europäische Hotelbetten für meinen Geschmack noch immer viel zu weich sind. Beim Frühstück treffe ich meine Freunde. Tatendrang und Aufregung liegt in der Luft. 

Ein Museumsbesuch steht heute auf dem Kulturplan. Die Sonderausstellung im Neuen Museum lockt. Die Museumsinsel ist nicht weit entfernt und gut zu Fuß erreichbar. Senchō freut sich wie ein kleines Kind, als wir an dem Tabakgeschäft in der Georgenstraße vorbei kommen. Hurtig geht er hinein und kommt nach einer Weile mit zwei Päckchen Nil-Zigaretten und zwei Fläschchen mit irgendwas drin zurück. Eines der Fläschchen gibt er mir. „Schenk ich dir“, knurrt er grinsend. Ich schaue auf das Etikett. „Black Sea Beard Oil“ steht dort, darunter die Zeichnung eines Segelschiffes und darunter der Schriftzug „Hali“. Ich lasse Maikurofuto, der schon neugierig versucht, mir über die Schulter zu spähen, einen Blick auf das Fläschchen werfen. „Das brauche ich auch“, ruft er und stürmt in den Laden. Ich bin verwundert. Maikurofutos Gesicht ist immer perfekt rasiert – wozu braucht er wohl Bartöl? Will er sich einen neuen Look zulegen?

Wenig später erreichen wir die Museumsinsel und den Eingang des neuen Museums. Die Sonderausstellung ist überschaubar. Nur sechzehn Exponate werden zur Schau gestellt. Mir fällt zunächst das Symbol eines fünfzackigen Sterns auf – ein Älteres Zeichen vermutlich. Desweiteren zeigt die Ausstellung vor allem Statuetten und Ritzungen von seltsamen Hybridwesen – Menschen mit fischartigen Zügen und Schwimmhäuten zwischen Fingern und Zehen, humanoide, tentakloide Geschöpfe. Die Fundstücke stammen durchweg aus dem südpazifischen Raum. Neuginea, Ponape, die Cook-Inseln, die Osterinseln und Neuseeland werden unter anderem als Fundorte genannt. In den Beschreibungen zu den Ausstellungsstücken steht, dass die Einheimischen der jeweiligen Fundorte keinen Namen für diese Kreaturen und Götzen haben. Die Statuetten scheinen älter zu sein, als die Völker, die heute auf den Inseln leben.

Maikurofutos besondere Aufmerksamkeit wird durch ein gelbes Flötenteil erregt – es ist vermutlich DAS Flötenteil. Ich registriere, dass mein Freund die Konstruktion und Beschaffenheit des Gebäudes analysiert und kann mir gut vorstellen, dass er bereits Einbruchspläne schmiedet. Die Exponate sind nicht besonders gesichert, das Wachpersonal jedoch ist aufmerksam. Im Augenblick können wir hier nicht viel ausrichten.

Wir schauen uns nun auch die anderen Abteilungen an. Die Büste der Königin Nefertiti in der ägyptischen Abteilung ist sehr beeindruckend. In der römischen Abteilung fällt mir das Wandbild eines weißbärtigen Mannes, der von hundeartigen Geschöpfen umgeben ist, auf. Eine Inschrift ziert das Gemälde: 

„DEVOMNODENTi
FLAvIVSSENILSPOSSVit
PROPTERNVPtias
quaSVIDITSVBVMBra“

In der sumerischen Abteilung gibt es eine große Steintafel zu sehen. Der Exponatbeschreibung ist zu entnehmen, dass die Tafel eine Göttergeschichte erzählt. Und Götter beherrschen auch die griechische Abteilung. Eine riesige Zeus-Statue dominiert den Ausstellungsraum.

Es ist schon Nachmittag, als wir wieder aus dem Museum kommen und langsam aber sicher macht sich ein gewisses Hungergefühl in mir breit. Meinen Freunden geht es ähnlich und so machen wir uns auf den Weg zum U-Bahnhof Eberswalder Straße. Hier soll es nach Aussagen des Hotels eine besondere Berliner Spezialität geben: Die Curry-Wurst vom Imbiss Konopke. Dort stärken wir uns und machen Pläne für den Nachmittag. Wir werden uns einig, dass wir die Ruinen des abgebrannten Schlosses in Tegel besuchen wollen. In der Zeitung stand etwas davon, dass die Haushälterin, die als einzige Person das Unglück überlebt hat, von der Durchführung eines Rituals gesprochen hätte.