Monasterium
Viertel nach fünf erwache ich mit dem zweiten Hahnenschrei.
Gegen sechs Uhr reiten wir los. Bis zur nächsten Gemeinde (vier Häuser) sind es nur wenige Kilometer. Eine weite Landschaft. Es ist leicht neblig, einfache Hütten säumen hier und da den Weg. Der Pfad steigt an, es wird gebirgiger. Der Nebel wird schliesslich so dicht das wir von den Reittieren steigen, uns gegenseitig anseilen, die Tiere führen.
Aus dem Nebel taucht am Wegesrand ein Gebetschrein, geschichtet aus Schiefer, auf. Ich knie nieder und bete. Eine Vision erfasst mich: Artas war hier, er trägt voller Stolz das Paket, das Ziel, es kann nicht mehr weit sein.
Der Nebel schwindet und unser Weg führt durch ein verdörrtes, verbranntes Feld. Ein herrenloser Hund durchstreift das Gelände. Ich denke an Indy, ach wäre er doch hier.
Über einen schmalen Pfad erreichen wir das Kloster. Wir satteln ab und betreten den Innenhof. Vor der Kirche fegt ein Mönch. An Kleidung und Tonsur ist er als Benedektiner zu erkennen. Als er zu uns aufblickt erschrecke ich – sein linkes Auge scheint blind zu sein!
Wir begrüßen ihn zunächst auf Latein: „Salve“. „Initium capere et finem habēre“ antwortet er.
Während uns Mönch Miguel herumführt erfahren wir: Hier im Kloster beginnt und endet alles. Es wurde um 977 errichtet. Eine Kolonade, die Gruft der Könige Aragoniens, im zentralen Chorhaupt steht eine Nachbildung des heiligen Grals. Einen Mönch mit Namen Albertinius kennt er nicht.
Das Obergeschoß bildet die sogenannte ‚exotische Ebene‘. Hier entdecken wir auf einer Art Stammbaum den Namen Albertinius. Um 1000 hat er gelebt und das Kloster einst besucht.
Zurück im Chorhaupt bete ich und mir kommt wieder die Vision: Wir Kinder erreichen erschöpft das Kloster. Rund zwei dutzend Pilgermönche und Tempelritter erwarten uns. Ich frage nach Albertinius und übergebe ihm das Paket. Albertinius ist hoch gewachsen und er sagt zu mir: „Ihr habt dem heiligen Vater einen großen Dienst erwiesen. Nun ruht Euch aus.“ Ich sehe noch wie er das Paket einem blonden Jüngling in Begleitung eines roten Ritten übergibt – Wolfgang von Eschenbach?
Die Vision verlässt mich. Da der Tag vorangeschritten ist beschliessen wir hier zu nächtigen und erst jetzt merke ich wie müde ich bin. Wir diskutieren noch kurz über das morgige Vorgehen. Wir haben gegenüber den Deutschen vielleicht ein, zwei Tage Vorsprung.
In meinem Traum trage ich den Kelch als roter Ritter in den Odenwald.









