Auf Cthulhus Spur

Gepflegtes Rollenspiel rund um den kriechenden Wahnsinn

Just Apples

Septembre 12 1920 Saturday 4:23am Berlin Tegel

Es wird morgen…

Und uns rennt die Zeit davon…

In einer Seitengasse der Berliner Str. liegt Mycroft bewusstlos auf dem Pflaster, Sanjuro kann sich sitzend und stöhnend gerade noch aufrecht halten…

Uns gehen die Optionen aus…

Es klappert auf der Berliner Str. …

Ein einsamer Bauer mit einem Gespann mit voller Ladung Äpfel trabt langsam vorbei. Ohne große Worte wissen Mary-Ann & Me was zu tun ist…

Ich stoppe den Wagen mit einem deutlichen „Guten Morgen!“, was so ziemlich das einzige ist, was ich in Deutsch ordentlich hinbekomme. Der Bauer hält an, geschwindt geschickt chloroformiert Mary-Ann den Apfelbauer von hinten auf seinem Bock. Ich verscharre ihn bewusstlos unter seiner eigenen Ladung…Und platziere Mycroft & Sanjuro über ihm, bis unter den Äpfeln nichts mehr von ihnen zu sehen ist…

Meine Schiebermütze gibt mir ein wenig lokale Authentizität… Zum Glück ist auf den Strassen nicht viel los und wir fragen uns nach Staaken durch. Es dauert ewig bis wir am Aerodrome ankommen…

Doch wie weiter? Wir werden den Apfelkarren wohl kaum aufs Flugfeld schaffen können…Es muss mir jetzt etwas einfallen…Sei´s drum…Mary-Ann muss alleine starten…Wir müssen uns aufteilen…

Mary-Ann schluckt einmal kurz, nickt stumm, dreht sich wortlos um und geht auf den Eingang des Aerodroms zu…

Sie weiß um ihre Aufgabe: Ein ihr unbekanntes Flugzeug, doppelt so schwer wie ihre geliebte Sopwith, souverän zu starten, obwohl sie diese Maschine nicht kennt…Auf geringer Höhe nach einem geeigneten Landeplatz Ausschau halten…Eine Runde zu drehen auf niedrigster Flughöhe, um aus der Kurve heraus auf einem brandenburgischem Acker zu landen…und dabei mich und mein Äppelgespann nicht aus den Augen zu verlieren…

Wenn sie das nicht schafft, sind wir geliefert…

…Ich denke nicht mehr, schon gar nicht daran, dass es ihr nicht gelingt…

So schnell wie möglich muss ich jetzt Kilometer nach Westen gewinnen, um zum Flugzeug aufzuschließen…

Ich treibe den erschöpften Gaul gnadenlos an…
Mein Grossvater spricht aus mir, als ich den Klepper zu einer letzten Anstrengung animiere. Das prollige Gewitter harter Worte dringt in die Ohren des empfindlichen Tieres und beschleunigt seine Schritte in einen Galopp, wie es ihm mit der angehängten Fracht nur möglich ist…

Sanjuro stöhnt unter seinem Apfelbällebad….

Hinter mir höre ich ein mir bekanntes, schweres Brummen. Ich muss nicht in den Himmel schauen: Die Vickers Vimy ist gestartet…

…und überholt mich. Steil zieht die Maschine nach oben…

Hässliche Worte meinerseits, dem Klepper gewidmet, erreichen einen panischen Galopp, Äpfel fallen klappernd vom Wagen…

Die Maschine vor mir am Horizont…
Ich stehe auf dem Bock…

Nach wenigen Minuten fällt die Nase der Maschine ab. Sie sinkt in eine Kurve hinein…

Mary-Ann hat einen Landeplatz gefunden und zeigt mir, wie verabredet, durch die Kurve ihren Landeplatz an……und verschwindet aus meiner Sicht hinter einer Lichtung, auf die ich hinzuhalte…

Hinter dem Waldweg: Da steht sie! Die Propeller laufen…

“Faccdabitch” schreie ich mein maulschäumendes Pferd an und komme kurz vor der Maschine zum Stehen….

An den Füßen ziehe ich als erstes Mycroft unter den Äpfeln hervor, Sanjuro braucht nur meine Hand. Mary-Ann hilft und hievt die beiden an Bord. Zur Sicherheit chloroformiere ich den Apfelbauer ein weiteres Mal und vergieße den Inhalt meines Flachmanns auf seinem Gesicht und in seinen offenen Mund. Er schluckt, blinzelt kurz, ein kurzer Schlag mit einem seiner festen Äpfel auf seine Stirn schickt ihn wieder zurück in sein persönliches Traumlande…

Was auch immer der Apfelbauer zu erzählen hat, man wird dem Suffkopp nicht glauben. Zum Glück fragt niemand das halbtote Pferd…

Ich renne zum startbereiten Flugzeug und schließe die Bordtür von innen: “Ab dafür!!”
Mary-Ann zieht den Gashebel durch…

Ich mache Bekanntschaft mit der Rückwand der Passagierkabine und geniesse das gute Gefühl in der Luft zu sein…