Auf Cthulhus Spur

Gepflegtes Rollenspiel rund um den kriechenden Wahnsinn

英国の生き方 (Eikoku no ikikata) – Britischer Lebensstil

Mein aufkeimender Groll über Maikurofutos ausgesprochene Unverschämtheit, mich anlasslos mit einem derart großzügigen Geschenk zu bedenken, verfliegt schnell. Er wird schon seine Gründe haben und es wird sich sicherlich noch die Gelegenheit ergeben, diese in Erfahrung zu bringen.

Es ist ein herrlicher Tag. Die Sonne scheint und das Wetter ist perfekt für eine kleine Spritztour durch das Hampshire. Vielleicht hat Senchō ja Lust, mich zu begleiten. Da fällt mir auf, dass ich ihn heute noch gar nicht gesehen haben. „Senchō“, rufe ich quer durch das Haus, “ Senchoooooo“, aber es kommt keine Antwort. Ich zucke mit den Schultern. Ich habe keine Ahnung, wo der Seebär sich rumtreibt oder wann er wieder auftauchen wird. Ich hinterlasse zur Sicherheit eine Nachricht auf dem Küchentisch, in welcher ich ihm mitteilen, dass ich nach Highclere Castle fahre.

Die mitternachtsblaue Lackierung des Silver Ghost glänzt in der Sommersonne. Dieser Wagen ist wirklich ein Schmuckstück – rubost, praktisch, geräumig, flexibel und elegant. Er passt zu mir. Bevor ich losfahre, schaue ich noch einmal in das Handschuhfach. Hier finde ich die Fahrzeugpapiere, die mich als Eigentümer des Silver Ghost ausweisen. Es ist also alles offiziell. Durch Zufall entdecke ich ein verborgenes Seitenfach, bestückt mit zwei Webley & Scot Automatik-Pistolen. Ich erinnere mich, dass Maikurofuto einmal gesagt hatte, man solle immer eine Schusswaffe in Reichweite haben, wenn man mit dem Auto unterwegs ist. Er überlässt einfach nichts dem Zufall. Bei genauere Betrachtung der Pistolen stelle ich fest, dass sie nicht mit gewöhnlicher Munition bestückt sind, sondern mit Hohlspitzgeschossen. Kopfschüttlend und gleichzeitig schmunzelnd lege ich die Waffen zurück in ihr Versteck. Maikurofutos Hang zum Übertriebenen ist gewöhnungsbedürftig, aber irgendwie finde ich langsam Gefallen an dieser Art.

Nun endlich starte ich den Motor. Der Klang der Maschine ist wie Musik in meinen Ohren. Etwas zu forsch trete ich auf das Gas, so dass mich die Beschleunigung beim Start tief in den Sitz drückt, aber ich bekomme den Wagen schnell wieder unter Kontrolle und düse ab in Richtung Newbury

Ich habe die Fenster geöffnet – das Verdeck abzubauen war mir jetzt zu aufwendig – und lasse mir den Fahrtwind um die Nase wehen. Als ich auf halber Strecke durch eine kleine Stadt mit Namen Whitchurch komme, sehe ich am Straßenrand drei junge Mädchen, die mir fröhlich zuwinken. Als ich ihren Gruß erwidere, beginnen sie plötzlich aufgeregt miteinander zu tuscheln und zu kichern. Ich überlegen kurz, ob ich die Damen zu einer Spazierfahrt einlade, verwerfe diesen Gedanken aber gleich wieder. Die Mädchen machen auf mich einen eher naiven und oberflächlichen Eindruck – es wäre Zeitverschwendung.

Gegen 15:00 erreiche ich Highclere Castle. Ich frage mich durch und erfahre, dass meine Freunde in der Bibliothek zu finden sind.