どこに行きますが (Doko ni ikimasuka) – Wohin gehst du?
Als ich erwache, brauche ich einen Moment, um mich zu orientieren. “Was… wo bin ich”, stottere ich, doch dann erkenne ich unser Automobil. “Kannst du dich nicht erinnern?”, fragt Mycroft besorgt. Offenbar hat er mich von der Burg hierher gebracht. Ich richte mich auf. Mein Bein schmerzt. Draußen ist es inzwischen bereits dunkel. Es hat aufgehört, zu schneien.
“Doch, doch”, erwidere ich, “wir sind auf die Burg gegangen. Ich wollte nachsehen, ob der Schrein noch da ist. Dort lag ein Schwert aus grünem Glas. Als ich es berührte, fiel Dunkelheit über mich. Ich hörte noch eine Stimme. ‚Es ist nicht wirklich fort. Ein Teil von ihm ist in meiner Seele aufgegangen’. Es waren meine eigenen Worte. Ich habe sie zu dir gesagt, als wir aus der Sengoku-Zeit zurück ins England der Gegenwart kamen, als du mich trösten wolltest, weil ich mein Schwert verloren hatte. Erinnerst du dich?” Mycroft nickt. “Danach erinnerst du dich an nichts?” Ich bestätige seine Vermutung. Drei Stunden habe ich wohl geschlafen. Es ist jetzt 18:00. Wir beschließen, unser Ryokan aufzusuchen und erstmal eine Nacht darüber zu schlafen. Nach dem Abendessen gehen wir früh zu Bett.
Im Schlaf höre ich ein fernes Flötenspiel, eine unheilvolle Tonfolge, die mir seltsam bekannt vorkommt. Langsam wird die Melodie klarer und lauter und führt mich aus dem Reich des Schlafes in die Wachwelt. Mycroft hält die gelbe Flöte hell glühend und leuchtend in seinen Händen, doch er hat aufgehört zu spielen. “Ich muss nach Carcosa”, sagt er und verschwindet nach draußen. Mit einem Schlag bin ich hellwach. Ich werfe mir meinen Mantel über und folge ihm auf ein schneebedecktes Feld. Er ist mir bereits weit voraus. Ich kann ihn nur erkennen, weil die Flöte in seinen Händen noch immer hell und gelb leuchtet. In einiger Entfernung registriere ich einen riesenhaften Schatten, ein Wesen, mit zahllosen Gliedmaßen. Der gelbe Schein bewegt sich zügig und zielstrebig darauf zu. Beide erheben sich in die Luft und entschwinden gemeinsam in den Nachthimmel. Der Byakhee – warum hat er ihn gerufen?
Ich verweile noch eine kurze Zeit auf dem Feld und schaue, auf der Suche nach einem Zeichen meines Freundes, in den sternenklaren Nachthimmel. Ich sehe nichts. Es ist sehr kalt und ich beginne zu fieren. Zügig kehre ich zum Ryokan zurück. Aus dem Fenster unseres Zimmers beobachte ich weiter den Himmel, doch kein Zeichen von Mycroft ist zu entdecken. Irgendwann übermannt mich die Müdigkeit und ich falle halb sitzend in einen nervösen Schlaf.
Der Klang von sich öffnenden Schiebetüren und Schritten auf Holzdielen weckt mich. Mycroft ist zurück.
“Was wollte er von dir?”, frage ich schlaftrunken.
“Er hat mir einen Auftrag gegeben”, antwortet er, “ich soll das Sandbuch finden und mich darin verewigen, um das Erbe von Robert Lander anzutreten.” Er wirkt bedrückt und berichtet mir, dass die Flöte ihn gezwungen hätte, sie zu spielen. Seine Finger brannten wie Feuer, erzählt er, und er war nicht in der Lage, das Spiel zu beenden. “Es funktioniert offenbar in beide Richtungen”, erklärt er, “der Byakhee kann auch mich rufen, wenn er es wünscht.” “Also hat der gelbe König doch mehr Macht über dich, als du gehofft hattest.”, stelle ich nüchtern fest. Er bestätigt diese Annahme mit einem Nicken. Er erzählt mir weiter, dass der, der nicht genannt werden darf, ihm ein Angebot gemacht hätte. Seine Verbündete Cassilda könne ihm für die Zeit seiner Suche ein menschliches Antlitz verleihen, doch nach der Beendigung dieser Suche wäre das gelbe Zeichen unwiderruflich in sein Gesicht gebrannt. Mycroft hatte dieses Angebot zurückgewiesen. Fasziniert und gleichermaßen abgestoßen höre ich seinem Bericht zu.
Die Nacht ist bereits weit fortgeschritten. Es ist etwas zwischen drei und vier Uhr. “Heute Abend wird das Neujahrsfest gefeiert. Wir könnten nach Tōkyō fahren und für ein oder zwei Tage Abstand zu all dem hier finden.” Mycroft gefällt diese Idee.









