Airway to Montsegur
August 16 1920 Monday 5am
Kurz nach unserem sehr frühen Breakfast ist ein lautes Brummen über Highclere Castle zu hören. Mr. Ferguson setzt zur Landung an. Mein Runway reicht gerade aus für diese große Flugmaschine…
Ich lasse Mr. Ferguson einen Tee servieren und die Ausrüstung in der Vickers Viemy verstauen. Der Pilot hat seinen Earl Grey kaum ausgetrunken, da kann es auch schon losgehen. Er entert das Cockpit. Der kurze Runway zwingt ihn dazu, Gas zu geben, während er auf der Bremse steht…
Wie vom Katapult abgeschossen erheben wir uns in die Luft und gehen schnurstracks auf 3500m Flughöhe. Der Mann gefällt mir: Je höher, desto besser….
1pm Kreisend über den Pyrenäen verlieren wir an Höhe. Je tiefer wir sinken, desto böiger wird es. Mr. Ferguson sucht nach einer geeigneten Landestelle. Er entscheidet sich höhenlinienparallel auf einem leicht abschüssigen Berghang zu landen. Kein leichtes Unterfangen, aber zu dem Lehrer meines Lehrers habe ich vollstes Vertrauen…
Nach einer rumpeligen, aber sicheren Landung sehen wir die Festung am Horizont hinter ein paar Bergrücken. Jetzt heißt es mit unserer Ausrüstung zu Fuß weiter zu gehen…
2:30pm Montsegur ist ein kleines Dorf mit kaum mehr als 100 Einwohnern an der Südflanke des 1200m hohen Pog de Montsegur, auf dessen Spitze die Burg liegt wie eine Kirsche auf einem Stück riesiger Torte…
Es hat begonnen zu regnen und der Wind hat zugenommen. Es wird ein wenig ungemütlich auf den 850 Höhenmetern, auf denen wir uns befinden.
Henry organisiert eine Unterkunft und wir beginnen sofort mit dem Aufstieg. 350 Meter Höhenunterschied müssen wir auf steilen Wegen überwinden…
Die Luft wird anscheinend zu dünn für mich. Ich sehe mittelalterliche Gestalten, die uns auf dem Weg zur Burg überholen, Panik kann ich in ihren Gesichtern lesen…
Als wir die Burg erreichen, sehe ich keine Ruine mehr: Die Mauern stehen unbeschädigt steil und ragen hoch in die Luft. Tempelritter beobachten uns und winken uns von den hohen Mauern aus energisch zu. Es sieht so aus, als ob sie uns zur Eile drängen…
Ich betrete die Anlage durch das Haupttor. Panik ergreift mich. Die Burgfeste wird angegriffen. Vor meinen Augen entsteht eine mittelalterliche Szenerie, in der auf dem Innenhof das einfache Volk betet. Ich rieche Feuer. Tempelritter weisen uns an, ihnen zu folgen. Sie führen uns an die entgegengesetzte Stelle der Anlage, zum großen Turms und leiten uns durch einen Geheimgang in die Tiefe…
Es ist dunkel dort unten, wir entzünden unsere Carbidlampen…Wir gehen mindestens 100 Stufen abwärts, als ich mich nicht mehr zeitlich verorten kann. Wir erreichen eine von Feuer erleuchtete Höhle. Kinder haben hier Schutz gefunden…Sind wir Zeitzeugen des Angriffs auf die Burg im Jahre 1243? Sind wir im Traumland? Brennt die Burg über uns bereits?
Ein Hohepriester im hinteren Teil der schummrigen Caverne übergibt ein Paket an einen schwarzhaarigen Jungen. Als der Junge das Paket entgegennimmt, leuchtet sein Arm auf einmal hell auf. „Bring es dorthin!“ Der Priester weist auf die ihm gegenüberliegende Wand. „Finde Albertinus!“
Der Junge verschwindet, so wie die gesamte unheimliche Szenerie, und die Höhle wird nur noch von unseren Lampen spärlich erleuchtet. Ich schaue mich um. Sind die anderen noch da? Ja, sind sie…
Taumelnd, wie betäubt mit aufgerissenen Augen stolpert Henry umher, bevor er sich plötzlich erstaunt umdreht…Wir alle sind wieder klar im Geist…Und suchen die Stelle, auf die der geistliche Würdenträger aus unserer Vision gezeigt hat. Wir finden eine Ritzzeichnung an der Wand…
Die wir, unsere professionelle Haltung als Artefacthunters wiedergewonnen, sofort abpausen…
Noch unter dem Schein der Carbidlampe erkennt Henry in der Abbildung einer Burg in einem Felsen das Kloster San Juan de la Peña, das nicht allzuweit entfernt in Aragonien, auf der Südseite der Pyrenäen gelegen sein soll. Im Inneren liegt die Gruft der Könige Aragoniens…











