Á Marigny
Septembre 18 1920 Saturday 11:00am
Den gesamten Vormittag über bin ich beschäftigt…
Der Cellar of Highclere Castle wird nach Aussage des Vorarbeiters pünktlich fertig gestellt werden.
Ich telefoniere mit dem Constable in Winchester und informiere ihn – natürlich unter dem Siegel der Verschwiegenheit – über den Besuch von Georg V. Ich bitte ihn eine Delegation zusammenzustellen, die unseren König in Winchester über die Fortschritte der Rekonstruktion der Winchester Hall informiert. Er soll auch besonders verdiente Mitbürger auswählen, die den persönlichen Dank unseres Staatsoberhauptes entgegen nehmen sollen. Der Constable ist aufgeregt sprachlos und versichert mir alles zu meiner Zufriedenheit vorzubereiten und bedankt sich mehrmals für meine extraordinären Bemühungen und Verbindungen zum Königshaus…
Nach dem Telefonat mit dem Postminister habe ich die Zusage, dass mein Sonderdruck zum Besuch seiner Hoheit auf Highclere Castle pünktlich fertig sein wird. Meine persönliche Einladung zu diesem outstanding event war da sicherlich hilfreich. Doch so schlage zwei Fliegen mit einer Klappe. Mein König ist leidenschaftlicher Briefmarkensammler. Sollte uns unverhofft der Gesprächsstoff ausgehen, wird Neville Chamberlain ihn für die neuesten Entwicklungen im britischen Postwesen begeistern können…
2:30pm Mein Butler Charles informiert mich diskret – wie aufgetragen – über einen Telefonanruf, der mich in meiner Bibliothek erwartet. Es ist Carla: Sie ist mit Ragnar und Mare jetzt in Paris eingetroffen. Sie werden den nächsten Zug nach Marigny nehmen, zu ihrem Landhaus und abends dort ankommen. „Die Pfeife bringen wir mit…“ lässt Carla nebenbei im Nebensatz fallen.
„Well, my dear, I see you tonight“ ist meine trockene Antwort, bevor wir unser Gespräch beenden…
Wie bestellt, läuft mir der Colonel über den Weg. Er sieht mein breites Grinsen und weiß nach einem Nicken meinerseits, was die Stunde geschlagen hat: „Next Stop: Marigny!“ Jetzt nickt Mycroft breit grinsend und eilt in Richtung Hangar…
Ich informiere Sanjuro und Mary-Ann. Sie wird meine Martinsyde fliegen.
30 Minuten später starten zwei Maschinen von meinem Aerodrome durch…
8pm Mycroft und Mary-Ann landen sicher. Ich verzichtete auf den Flug, um nicht erneut am nahe gelegenen Hügelgrab zu scheitern. Uns erwartet ein vorzügliches Dinner, zubereitet von Babette, Carlas draller Haushälterin: Muschelsuppe, Lammkoteletts mit Bohnen und zum Dessert Tiramisu…
Carla zeigt uns dann die Fußspuren des Einbrechers hinter dem Haus: Menschengroß, aber nur mit drei Zehen und Saugnäpfen führen sie zum Fluss. Dort findet Mycroft Abdrücke eines weiteren Mittäters im feuchten Sand, der wohl in Nähe des Wassers auf seinen Komplizen gewartet hat…
Cthulhu hat nun auch meine Freunde im Visier…
Es wird Zeit, diesem Spuk ein Ende zu setzen…
In drei Wochen wird es soweit sein…
Im Haus hat Carla noch nichts von der Anwesenheit der Fischwesen bemerken können, aber es kommt ihr komisch vor, wenn sie sich in ihrem Landhaus umschaut. Mir fällt auf, dass der Sekretär im Wohnzimmer ein wenig verrückt wurde…
Carla bestätigt meinen Eindruck. Sie hatte damals, es ist bereits schon anderthalb Jahre her, mit Henry den Sekretär untersucht und darin lateinische Dokumente gefunden, die uns zu Prins „De Vermis Mysteriis“ geführt haben. So haben wir Henry, der damals noch auf der Suche nach dem Heiligen Gral war, in Marigny kennen gelernt. Das erste, was er von mir zu sehen bekam, war meine radaufhängungsbrechende Landung…
Anscheinend ist an den Papieren noch mehr dran, als wir bisher angenommen haben, wenn Diener des Cthulhu danach suchen…
Carla übergibt dem Colonel das Mundstück der Flöte, das sie aus Berlin mitgebracht haben. „Click“, Mycroft hat die passenden Teile zu einer Einheit zusammengefügt. Er hat nun alles, um den Byak’hee reiten zu können. Grinsend bietet er uns an, die Flöte zu testen. Doch keiner will auf ihr spielen…
Ragnar zeigt uns die Textauszüge, die er aus der Bibliothek aus Berlin mitgebracht hat…
Wir studieren kurz die Unterlagen und entspannen uns dann bei Gin und Pastis. Carla, Ragnar und Mare berichten von ihrer Charade, wie sie an das Flötenstück aus dem Berliner Museum gelangten: Ein ungeschickt wirbelnder Fotoapparat brachte die Vitrine mit dem Mundstück darin zum Bersten. Bei dem folgenden Ablenkungsmanöver hat Ragnar das Mundstück in dem Chaos gegen sein selbstgeschnitztes, dem Original täuschend ähnlich aussehendes Specksteinsurrogat ausgetauscht! Eine wahrhaft meisterliche Inszenierung…
Auch wir erzählen von unserem Intermezzo auf Odawara-jo. So plaudern und scherzen wir bis in die Nacht hinein…













