Auf Cthulhus Spur

Gepflegtes Rollenspiel rund um den kriechenden Wahnsinn

Horribilis

Und letzte Nacht wieder dieser Traum der mich schon seit Nächten verfolgt. Von der fremden Kreatur, gefangen in einem Bernstein.

Nach dem Frühstück holt uns Mrs Toganawa pünktlich ab und wir gehen zum Bahnhof. Mr Winterbottom trifft einen alten Bekannten aus seinen Jugendtagen den er uns auch sogleich vorstellt, Mr Okumura.

Der Zug ist gerammelt voll, so das wir nur stehen können. Viele der Einheimischen schauen uns neugierig an oder ignorieren uns gänzlich. Allein schon durch unsere Körpergröße fallen wir auf.

Nach einem Zwischenstopp in Tokyo erreichen wir Yoban auf die Minute genau. Wir überbrücken die halbe Stunde Wartezeit in einem Teehaus. Dann geht es weiter mit dem Bus.

Natürlich pünktlich um zwei Uhr erreicht der Bus das Dorf Naushua. Dies ist noch sehr ursprünglich und traditionell. Schätze die Einwohner auf 300 – 400. Kurz hinter dem Dorf beginnt ein riesiger Wald.

Mrs Toganama vermittelt uns Zimmer in dem einzigen ‚europäischen‘ Reisegasthaus, japanisch Ryokan (旅館) wie sie uns erklärt. Sie selbst wird woanders übernachten, gibt uns ihre Kontaktadresse.

Niedrige Decken, kleine Räume. Ich teile mir ein Zimmer mit Kapitän Wigbold.

Beim Betreiber des Hauses, eine Europäer namens Axelby, erfahren wir weiters über Ronny: Vor drei Wochen eingecheckt, logierte zwei Tage. Dann ging sie in den Wald in Begleitung eines ortsansässigen Fremdenführers namens Ferret. Und sie kam nicht mehr zurück!
‚Wahrscheinlich hat sie sich umgebracht, machen viele hier‘; Wie seltsam kühl Mr Axelby das aufnimmt.

Gegen eine ‚Spende‘ können wir Einsicht in Ronnys Gepäck nehmen das sie zurückgelassen hat, finden aber nichts Auffälliges.

Anschliessend reden wir mit Ferret was denn passiert sei. Er hat Ronny bis an den Rand des Dorfes zurückgebracht, mehr weiss er auch nicht. Ich bin da schon ein bisschen Misstrauisch. Ferret ist Australier, eher so eine Schmugglertype. Trotzdem buchen wir ihn für eine Führung am nächsten Tag. Er soll uns zur der Stelle bringen an der er mit Ronny gewesen ist. Auch campen im Wald wäre möglich, was wir aber ablehnen.

Beim Abendessen lernen wir auch unsere Zimmernachbarn kennen. Zwei Pärchen, junge Japaner. Sie laden uns auf ein traditionelles Rollenspiel ein.

Hyakumonogatari Kaidankai (百物語怪談会)

Dazu entzündend die junge Japanerin Nori 100 Kerzen. Ein(e) Mitspieler(in) beginnt. Er/Sie muss eine schaurige Geschichte erzählen. Der oder diejenige die sich am meisten vor dieser Geschichte fürchtet muss einen Sake auf ex trinken und die Kerze ausblasen. Dann ist der/die Nächste an der Reihe und so weiter…

Gesagt getan. Sake für Sake höre ich viele, zum Teil sehr gruselige und grausame Geschichten. Dabei wird mir auch bewusst wie viel Lord Carnarvon, Mr Winterbottom, Mrs Humboldt und Ragnar wohl schon auf ihren Reisen erlebt haben müssen. Wenn nur die Hälfte davon wahr ist…

Als nur noch eine Kerze brennt bittet Nori darum uns diese letzte Geschichte zu erzählen. Und diese ist wahrhaft albtraumhaft…

Ein Samurai verteidigt seine wunderschöne Frau gegen Nebenbuhler. Im Laufe der Zeit wird er immer eifersüchtiger. Im Wahn zerschneidet er ihren Mund mit seinem Katana. Auf das sie niemand mehr schön finde. Sie stirbt noch in dieser Nacht. Im Glauben das Geschehene rückgängig machen zu können reist er durch das Land. Er verirrt sich in einem Schneesturm, begegnet dem Geist seiner Frau und heiratet sie.

Die Erzählung wird immer plastischer so das die Geisha vor meinen Augen erscheint. Sie greift mit ihren Klauen nach mir. Und ihr grotesker Mund! Plötzlich ist der Spuk vorbei.

Die letzte Kerze erlischt.

Die Japaner sehen uns ungläubig an, glauben uns eher nicht, kichern, nein, sowas haben wir nicht gesehen, hihi.

Verstört ziehe ich mich auf das Zimmer zurück. Obwohl ich vom Tag erschöpft bin inspiriert mich das eben passierte. Ein letzter Blick für heute in ‚De Vermiis Mysteriis‘. Der Bernstein, das Ritual, der ‚Ältere Kreis‘ seine Macht. Jetzt wird mir einiges klar. Geheuer sind mir diese Erkenntnisse aber nicht.