Das Spiel der 100 Kerzen
April 30 8pm
Im Erdgeschoss des Gasthauses treffen wir auf zwei Paare aus Kyoto, die extra nach NauShua gekommen sind, um sich im stilvollen Ambiente des Ortes Gruselgeschichten zu erzählen. Der Speiseraum is illuminated by one hundred candle lights. Sie laden uns zu ihrem Spiel ein. Es müssen 100 Gruselgeschichten erzählt werden, nach jeder Geschichte wird eine Kerze ausgeblasen und der, der sich am intensivsten gegruselt hat, muss einen Sake trinken…
In der einheimischen Sprache lautet dieses Spiel: Hyakumonogatari Kaidankai
Wir nehmen die Einladung gerne an, an Gruselgeschichten mangelt es uns nun wahrlich nicht, wie die vier Japaner sakeschluckend erfahren müssen. Reisweintrunken erzählt Kuniku die letzte der 100 Geschichten, bei der es mich am härtesten erwischt: Eine Geisha hat sich einst im Aoki Gahara umgebracht. Einen Samurai, der geschwächt und bewusstlos im Schnee zusammengesunken lag, hat der Geist der Geisha aufgesucht und ihn geheiratet. So wurde auch der Samurai zu einem Geist…
Als Kuniku ihre Geschichte endet, habe ich eine sehr reale Erscheinung der Geisha: Sie greift mit knöchrigen Fingern nach mir, mit leeren Augenhöhlen und aus einem lippenlosen Mund mit einem Gebiss aus scharfen Klingen schreit sie, dass die Erde bebt…..
Es ist an mir, den letzten Sake zu trinken…
Ein Blick in die Runde zeigt mir: Wir alle haben sie gesehen. Unsere japanischen Freunde glauben uns kein Wort, aber freuen sich verstohlen über den Erfolg des Abends, Europäer the Nippon way gründlich gegruselt zu haben.
Ich träume wieder von ihr, schön wie immer, immer realer werdend seitdem ich in Japan bin…
Einen Heiratsantrag mache ich ihr jedoch nicht…










