Auf Cthulhus Spur

Gepflegtes Rollenspiel rund um den kriechenden Wahnsinn

VERTEX

Nach zwei Wochen ohne Abenteuer wirken alle halbwegs erholt. Am Frühstückstisch erhalte ich einen Brief von Beatrice. Sie schreibt das sie sich derzeit in Glasgow aufhält, dort habe sie einen Händler ausfindig machen können der weitere Pergamente von Mrs di Fiona hat oder etwas darüber wissen könnte. Ich schicke ihr unsere Antwort:

+++ Sind Morgen Mittag in Glasgow +++ HWJ +++

Und dann heisst es – Nichts wie hin! Im Nachtzug nach Glasgow reisen wir natürlich erster Klasse. Zwei separate Waggons, der Schlafwagen und der Salonwagen mit Sternchenbar und Schaffnerabteil.

Nach Bezug unser Abteile kehren wir kurz an der Sternchenbar ein. Es stehen einige Personen und Musikinstrumente herum – darunter eine Säge – im Salonteil wurde ein Klavier aufgestellt. Einer der Musiker, ein kleiner kompakter Mann, sagt uns das später am Abend ‘Sie etwas zum besten geben’. Dabei fällt mir sein Akzent auf, vermutlich ein Deutscher.

Meine Taschenuhr zeigt einundzwanzig Uhr als zum Dinner klare Brühe, Roastbeef, Tartarensosse und Käse serviert wird. Pünktlich zum Nachgang passiert der Zug die Grenze zu Schottland und taucht in eine Schlechtwetterfront.

Anschliessend versammeln wir uns an der Sternchenbar, ich nehme einen Portwein. Die Musiker begeben sich zu ihren Instrumenten. Eine Dame, vermutlich die Sängerin, scheint mir irgendwie bekannt vorzukommen, aber ich kann sie nicht zuordnen. Dann die Ankündigung der Musiker – Ein Stück von Erich Zann:

Langsam beginnt die Musik, die singende Säge kommt zum Einsatz, dann ertönen Geige, und Klavier, die bezaubernde Stimme der Dame erfüllt den Waggon. Es wird wärmer und ich muss mein Jacket ausziehen. Aber ich bin entspannt. Der Zug scheint zu schweben, als ich aus dem Fenster blicke ist nur Nebel zu sehen. Das Musikstück endet und noch ganz entrückt schrecke ich hoch als der Beifall beginnt.

Meine Taschenuhr zeigt zweiundzwanzig Uhr als ich an der Bar einen weiteren Portwein nehme und in die Runde schaue:

Der Klavierspieler – Er wirkt irgendwie krank, blutarm. Und trotz dem Konzert spielt und übt er danach einfach weiter. Dabei murmelt er auf Deutsch vor sich hin: ‚Das ist es nicht, das ist es nicht, das war noch anders…’ Als ob er nach der perfekten Note sucht. Mrs di Fiona geht zu ihm ans Klavier.

Der Manager – Es ist der kleine kompakter Mann, er stellt sich Mrs di Fiona in den Weg und spricht mit ihr: ‘Lassen Sie ihn bitte. Er will ganz neue Musik schreiben, sein Leid ausdrücken, wahre Liebe und Gefühl, Er braucht seine Ruhe und leidet daran woran alle Künstler leiden: Eigenem Schaffensdruck.’ Mrs Abdullah al Charie fragt ihn ob die Künstler auch in Glasgow auftreten. ‘Ja, es wird sogar das vollständige Musikstück geben. Das was sie hier gehört haben war nur ein Teil.’ Der Klavierspieler springt plötzlich auf und ruft: ’Alle raus, so kann ich nicht arbeiten!‚ Mrs di Fiona lacht daraufhin; ‚Künstler halt!‘ Der Manager redet beruhigend auf ihn ein und reicht ihm ein paar Tabletten.

Die Sängerin – Auch ihr ist während des Stückes warm geworden. Interessant auch das sie die anderen Musiker erst hier im Zug kennengelernt hat. Ihre Noten habe sie zusammen mit einem Brief erhalten und wurde so zu diesem musikalischen Experiment eingeladen. Darum ist sie hier. Nun verabschiedet sie sich aber und zieht sich in Ihr Abteil zurück.

Auch ich bin nun müde und kehre in mein Abteil ein…

Z.

aber an Schlaf ist nicht zu denken. Der Klavierspieler schimpft und spielt weiter. Ich schliesse beide Durchgangstüren, das hilft ein wenig.

Zz.

es dauert nicht lange, als mich ein sanftes Poltern weckt, das Klirren von Geschirr folgt, es steigert sich in ein Gestampfe – Dieses Musikstück ist wirklich sehr exotisch. Aber dann schrecke ich hoch – Nein das ist real!

Meine Taschenuhr zeigt Mitternacht als Mrs di Fiona, Mrs Abdullah al Charie und ich im Salonwagen eintreffen. Der Klavierspieler, halb ausgezogen, an seinem Instrument wild spielend. Ein Schaffner hält sich die Wange, zeigend auf den Klavierspieler ruft er: ’Ein Irrer!’ und geht los um Verstärkung zu holen. Im Waggon herrscht Chaos, Stühle wurden umgeworfen, Gedecke von den Tischen gerissen. Der Geigenspieler betritt den Salon und bittet um Entschuldigung. Der Klavierspiele ruft: ‘Wenn ich es fertig gestellt habe werdet ihr es sehen.’ Da kann ich nichts machen und kehre zurück in mein Abteil.

Zzz.

um Zwei Uhr (Taschenuhr) weckt mich kurz ein Singsang, diesmal ist es etwas anderes als das Klavierspiel. Nicht weiter drüber nachdenken Henry.

Zzzz.

um vier Uhr Morgens geht es wieder los – das Klavier wird malträtiert. Jetzt reicht es aber – Ich stehe auf. Auf dem Gang kommt mir ein Schaffner entgegengelaufen. Der Blick in den Salonwagen offenbart entsetzliches: Die Wände mit Blut bedeckt, Notenblätter kleben darauf, Rachmanik nackt am Klavier mit zahlreichen offenen Wunden. Der kleine kompakte Mann spielt nun die Geige, zu seinen Füssen liegt ein kleines Messer. Die Noten auf den Papieren sind in Blut geschrieben und weisen zusätzliche Notationen auf. Vor den Fenstern zieht schwarzer Nebel vorbei, fast so als ob etwas brennt. Mrs di Fiona versucht den Klavierspieler zu berühren, doch eine Unsichtbare Barriere hindert sie daran. Mrs Abdullah al Charie hält eine Zeitung zwischen dem Geigenspieler und seinen Noten, dies zeigt keine Wirkung, unantastbar spielt er einfach weiter.

Dann wird der Waggon schwer erschüttert, es heisst festhalten, eine zweiter Rumms von der anderen Seite erfolgt, Scheiben splittern, die Notenblätter werden aufgewirbelt und ich greife nach ihnen. Fünf Stück kann ich erhaschen. Mrs Abdullah al Charie kann ebenfalls einige erbeuten.

Um dem Geigenspieler Einhalt zu gebieten halte ich ihm ein Älteres Zeichen vor die Nase, daraufhin bricht sein Spiel abrubt ab und er scheint daraufhin verwirrt: ’Was passiert hier’‘Schauen sie sich um, Ihr Werk.’ – ‘Nein das ist sein Werk!’, zeigend auf den Klavierspieler: ‘Jan Rachmanik, ich kenne ihn aus Wien. Er kam damals erst kürzlich aus Paris, lernte dort Erich Zann kennen und war so begeistert von seiner Musik, dass er seitdem nicht von dieser ablassen konnte. Auch konnte er Zann nicht wieder treffen was ihn sehr unglücklich macht.’

In dieser Situation bin ich völlig ratlos. Laut Mrs Abdullah al Charie sollen da auch noch irgendwelche Abdrücke an der Decke sein. Ich sehe da nichts. Da es hier nichts zu entdecken gibt, hole ich mal den den Schaffner. Aber hinter der Tür zum Schaffnerabteil liegt nur ein Schaffnerbein. Fahrkarten und Pläne wirbeln umher. Dass lassen wir mal lieber Henry und ich schliesse schnell wieder diese Pforte. Als ich zu den anderen zurückkehre schaut Mrs Abdullah al Charie aus dem Fenster und berichtet: ‚Der Zug wurde von einem Sog erfasst, er durchquert eine gelbe Wüste und steuert auf eine Art Tor zu.‘

Mrs di Fiona rennt zum Notenständer und versucht die Noten rückwärts zu singen. Aber Ihr Gesang hilft nicht und daraufhin zieht sie die Notbremse, ich halte mich fest. Mrs Abdullah al Charie schaut weiterhin aus dem Fenster, die Situation hat sich nicht wesentlich gebessert – die Kraft des Sogs wirkt trotz angezogener Bremsen noch immer auf den Zug.

Auf dem Dach höre ich Schritte. Ein Tentakel greift durch eines der Fenster, Mrs Abdullah al Charie versucht auszuweichen aber sie wird umschlungen und der Tentakel greift dabei nach den Notenblättern unter ihrem Rock. Ich ziehe mein Sublestick, und gebe einen Hieb auf den Tentakel, kann ihn aber nicht abschlagen, trotzdem lässt er ab von Dame und Blatt.

Dann ist zu hören wie der Zug vom Sog von hinten zunehmehnd zerlegt wird. Ein weiterer Tentakel beglückt Mrs Abdullah al Charie, die umgehend ihr Älteres Zeichen zückt und auf den Tentakel drückt. Dieser zieht sich daraufhin zurück und als Reaktion wird der Waggon hin- und hergeworfen.

Als letzte Option den Zug zu stoppen bleibt uns nur alle Notenblätter zu vernichten. Zum Test entzündete ich ein Notenblatt mit meinem Feuerzeug, Der Zug ruckelt, ein kleiner Erfolg.

Ein weiterer Tentakel versucht erfolglos den Notenblättern habhaft zu werden die noch im Salon herumliegen. Unerwartet: Eine Klaue greift nach Mrs Abdullah al Charie, eine weitere nach Lord Carnarvon. Geschickt können beide den jeweiligen Angriff abwehren und werfen mir anschliessend ihre gesammelten Notenblätter zu. Mr Okumrua hat nun die letzten Blätter eingesammelt und übergibt sie mir. Erschöpft schaut er aus dem zersplitterten Zugfenster und sagt: ‘Hätte ich mich auf diese Fahrt nur nicht eingelassen.’

Diese Blutmusik ist vernichtet – der Sog lässt nach und der Zug kommt – meine Taschenuhr zeigt vier Uhr Morgens – zwischen Leads und Settle zum stehen. Es sind schwere Schäden am Zug und das Schaffnerabteil ist bis auf Bein und Mütze leer. Aus der zweiten Klasse sind schon die ersten Leute ausgestiegen und schauen sich verstört um. Als ich das Gleis zurückblicke sehe ich das Teile der Zugstrecke beschädigt sind, u.a. Telegraphenmasten.

Mr Rachmanik spricht ‘Ich habe nicht gespielt!’ und fällt in Ohnmacht. Dank Mrs von Humboldt wird er stabilisiert. Inzwischen verständigt der Lokführer das britischen Bahnpersonal. Einige Stunden später trifft ein Bus ein, der uns nach Glasgow bringt. Bei einem Zwischenstopp in Carlisle gebe ich ein Telegramm an Beatrice auf:

+++ Wir haben Verspätung wegen einem Sturm +++ HWJ +++

Glasgow erreichen wir am späten Nachmittag und kehren im Grand Central Hotel ein. Endlich daheim!