Auf Cthulhus Spur

Gepflegtes Rollenspiel rund um den kriechenden Wahnsinn

The Royal Visit to Winchester

Octobre 10 Monday 8am

Ich bin mit meinem König auf der Jagd in meinem ertragreichsten Revier, in Briggs. Ich setze zum Schuss an und meines Großvaters Flinte explodiert in meiner Hand. Ich falle vom Pferd, meine Finger bluten. Ich muss lachen: “ Vielleicht sollte ich demnächst lieber mit dem Speer auf Jagd gehen! ” Auch mein König muss lachen, doch er ist besorgt um mich, bricht die Jagd ab und ich werde als Jagdunfall zurück nach Highclere Castle gebracht…

1:30pm Winchester

Höchstpersönlich fahre ich die königliche Famile nach Winchester. Sanjuro bleibt zunächst auf Highclere Castle, aber der Colonel folgt uns in seinem Silverghost…

Die Besichtigung der Großen Halle und die anschliessende Pressekonferenz verlaufen ohne Zwischenfälle. Georg V. findet warme Worte für die Helfer des Wiederaufbaus, die begeistert Anklang finden. Der Jubel will kein Ende nehmen…

Nach dem Five-O’clock-Tea in der City Hall of Winchester fährt die königliche Familie nach Southampton ins dortige Waldorf Astoria, um sich am folgenden Tag auf einen Turn mit der HMS Victory zu begeben, die Ragnar als Captain steuern wird. Die Countess und ich sind für die erneute Jungfernfahrt auch geladen…

Ich begleite die Royal Family nicht in ihr Hotel und verbleibe winkend, so wie es im Protokoll steht, in Winchester zurück…

Während ich den Royals nachschauend mich erleichtert in Richtung meiner Silverghostcaravane begebe, spricht mich Sanjuro an:

“Dono, wir hatten noch gar keine Gelegenheit über mein Honorar für die letzten Tage zu sprechen. Ich halte es für angebracht, dass ich für meine Arbeit auch angemessen entlohnt werde! Sagen wir fünfzig Pfund – das ist ein Freundschaftspreis!”

Sanjuro verlangt Entgelt für seine Dienste! Ich falle aus allen Wolken…

Kaum ist seine Aufgabe erledigt, verlangt er Geld, mitten auf der Strasse, fordert Belohnung für seine Dienste ein, wie ein geldgieriger, stilloser {::CENSORED::}…

Abgesehen davon, dass ein britischer Lord diese Art von Geschäften sicherlich nicht auf der Straße verhandelt, und ein japanischer Edelmann dies wissen müsste, weil er es auch nicht tut, bin ich nicht nur durch seine Vorgehensweise beleidigt, sondern auch tief enttäuscht von dem Mann, dem ich temporär das Geschick des Empires anvertraut habe…

Ich habe einem Japaner die Sicherheit des Oberhauptes des gesamten britischen Königreiches in die Hand gelegt. Diese Wahl wird auch im Königshaus nicht unbemerkt geblieben sein. Sergeant Bonds ungläubiger Blick, als ich ihm Sanjuro als meinen persönlichen Sicherheitsbevollmächtigten vorstellte, habe ich noch in guter Erinnerung…

Hat er die Dimension seiner Aufgabe nicht im Blick???

Es ist kaum anderthalb Jahre her, als bei der Paris Peace Conference der japanische Antrag zur Rassengleichstellung “Racial Equality Cause” bitter scheiterte:

“The equality of nations being a basic principle of the League of Nations, the High Contracting Parties agree to accord as soon as possible to all alien nationals of states, members of the League, equal and just treatment in every respect making no distinction, either in law or in fact, on account of their race or nationality.”

Der Antrag wurde mit den Gegenstimmen von England und Australien abgeschmettert, woraufhin die japanische Delegation die Friedensverhandlungen in Versailles enttäuscht und verärgert verließ…

Ein Eklat, der zu immensen Abkühlung und nun bereits deutlich zu verspürenden Verarmung der mehr als 300jährigen Geschichte der japanisch-englischen Beziehungen führte. Zwei stolze Seefahrernationen beenden ihre Beziehungen – brechen auseinander – nach dem ersten globalen Krieg mit Millionen Flüchtlingen, in dessen Folge – nur weil Australien es mit erfolgreicher Lobbyarbeit geschafft hat, sich vor Immigranten zu schützen – viele Unschuldige jetzt auf der Strecke bleiben.

In meinen Auge war und ist diese billige Entscheidung immer eine Schande für unsere Nation gewesen. Dies wäre unter meinem Großvater nicht möglich gewesen, nicht in der Zeit als er Minister der Kolonien Großbritanniens war.

Unfähig, dies zu formulieren, stammle ich nur: “Ich hab dir Curdridge Hill vermittelt…”

Jetzt, da ich die Möglichkeit genutzt hatte, in meinem mir möglichen Rahmen meine Herablassung gegenüber dieser politisch mal wieder zu egoistisch in der heutigen Zeit getroffenen Entscheidung des Empires zu reagieren, treffe ich auf Unverständnis auf befreundeter Seite…

Ein wie selbstverständlich gegebener Vertrauensbeweis in unsere jahrhundertalte Vergangenheit und der erst 75 Jahre andauernden verbrieften  Verbundenheit zwischen unseren Nationen wird mit Füßen getreten auf den jahrhundertalten Strassen des Hampshires, die die Geschichte meiner Heimat atmen…

Ich bin wie von einem Faustschlag getroffen…

Doch was verlange ich? Dass ein Neuankömmling to England, wenn auch aus meinem kulturellem Umfeld, meine Motive richtig deuten kann?

Habe ich Sanjuro überschätzt? Er ist schließlich “nur” Soldat, kein Diplomat, kein Fürst und hat nicht die Weltpolitik im Augenwinkel…

Ich will nicht ausschließen, dass ich ein Fehler begangen habe, doch ich kann ihn nicht finden…

Ich schaue ihm stumm hinterher…

I sigh and enter my limousine…

Ich kehre auf meinen Stammsitz zurück…

Die Aufräumarbeiten auf Highclere Castle sind fast abgeschlossen. Nichts erinnert mehr daran, dass wir gestern noch eine Gesellschaft für mehr als 300 Gäste gegeben haben…

Die zerborstene Flinte lasse ich in meiner Bibliothek mit diesem Spruch aufhängen: “ Octobre 10 1920 Briggs: My King got the deer frog!”

Mit einem breiten Grinsen stoße ich mit meinem Granpa vor seinem Portrait an…