Auf Cthulhus Spur

Gepflegtes Rollenspiel rund um den kriechenden Wahnsinn

使命 (Shimei) – Mission

Maikurofuto rief mich gestern an. Er fragte sich, was ich so treibe, da er mich schon eine ganze Weile nicht gesehen hätte. Wir tauschten Neuigkeiten aus unseren Leben aus und ich erfuhr, dass Mari-chan ihre Arbeitserlaubnis als Apothekerin entzogen wurde. Nebenbei erwähnte Maikurofuto, dass auf Highclere Castle eine Ausstellung eröffnet würde, die er für recht spannend hielte und ob ich nicht auch kommen wolle. Ich sagte ihm, dass ich es mir überlegen würde.

Und nun befinde ich mich tatsächlich auf dem Weg nach Newbury. Ich habe zur Sicherheit Wechselkleidung eingepackt – zweimal – man weiß ja nie… Ich meide die Straße durch Winchester, nehme lieber einen kleinen Umweg in Kauf. Senchō habe ich seit unserem Besuch im Brunnen der Illusionen nicht mehr gesehen.

Auf Highclere Castle angekommen, besuche ich zunächst besagte Ausstellung. Ich finde Maikurofuto vor einem Exponat, das aussieht, wie ein in rosa Plüsch verpacktes Maschinengewehr, der Lauf ist in der Form eines Fallus gestaltet, aus dessen Mündung Seifenschaum blubbert. „Das ist doch meins“, sagt er fassungslos. Ich lese den Namen des Schöpfers dieses skurrilen Werkes und bin ebenfalls etwas fassungslos. Dort steht Mary-Ann von Humboldt.
„Irgendwie hat das aber was“, sage ich, wohlwissend dass ich lange nicht so gelassen sein könnte, wenn es mein Katana wäre, das hier verunstaltet auf dem Ausstellungstisch läge. Erst jetzt nimmt Maikurofuto Notiz von mir. 
„Ha… Hallo Sanjuro“, begrüßt er mich.
„Ohayō“, antworte ich, stutze dann über mich selbst. Es ist längst Nachmittag. Wieso habe ich gerade einen guten Morgen gewünscht?

Lorudo-san stößt zu uns, begrüßt mich überrascht aber erfreut und erläutert Maikurofuto ein logistisches Problem. Es dürfte schwierig werden, mit zwei kleinen Flugzeugen die gesamte Ausrüstung, die für die Erforschung der Festung Montségur erforderlich sein wird, in die Pyrenäen zu transportieren. Maikurofuto überlegt kurz, meint dann, er hätte schon eine Idee und würde sich drum kümmern.

Flugzeuge? Ausrüstung? Montségur? Wie es aussieht, bereitet Lorudo-san gerade die nächste Expedition ins Ungewisse vor. Ich glaube nicht, dass es ein Zufall war, das Maikurofuto ausgerechnet gestern bei mir angerufen hat. Als ich am Abend bei Gelegenheit das Gespräch auf dieses Thema lenke, dementiert er meine Vermutung nicht. Ich bringe nun auch den Silver Ghost zur Sprache – ein wunderbares Fahrzeug – keine Frage – aber was verschafft mir diese Ehre? Maikurofuto rückt nicht gleich mit der ganzen Wahrheit heraus, erzählt etwas von alter Freundschaft, aber das allein genügt mir nicht. Er wolle einfach nur dafür sorgen, dass ich gut ausgerüstet sei, meint er dann, aber auch diese Antwort scheint mir nicht ausreichend plausibel. Irgendwann, nach dem dritten oder vierten Gin, rutscht es ihm dann doch raus.
„Irgendjemand muss doch auf den Lord aufpassen, wenn ich das mal nicht kann“, sagt er und endlich verstehe ich. Ich wußte gleich, dass mehr dahinter stecken musste als ein reiner Akt der Freundlichkeit, aber auf diese inoffizielle Vereinbarung lasse ich mich gerne ein. 
„Du kannst dich auf mich verlassen“, versichere ich ihm.