戦利品 (Senrihin) – Beute
Gestern war es zu einem etwas unerfreulichen Zwischenfall im Golden Dear gekommen. Einer der Gäste hatte mich aufgrund meiner ethnischen Herkunft in einen Streit verwickeln wollen. Als er handgreiflich wurde, stellte er aber schnell fest, dass er gegen mich nichts ausrichten konnte und trollte sich recht bald, aber mir hat dieser Vorfall gründlich die Laune verhagelt und ich verspüre heute wenig Lust auf einen Pubbesuch. Ich studiere gerade den Kulturteil der Tageszeitung – vielleicht gibt es ja eine interessante Veranstaltung in der Nähe – als das Telefon läutet. Es ist Maikurofuto, der mich über seine und Mari-chans erfolgreiche Rückkehr nach Highclere Castle in Kenntnis setzt. „Komm vorbei, wir haben noch Gin“, sagt er, „dann kann ich dir mehr erzählen.“
Das lasse ich mir nicht zweimal sagen. Eine gute Stunde später treffe ich meine Freunde in Lorudo-donos Bibliothek. Maikurofuto schenkt mir direkt einen Drink ein. Mare hat vor sich drei Glasröhrchen, gefüllt mit verschiedenen Granulaten – ein goldenes, ein silbernes und ein schwarzes – liegen und lächelt zufrieden. „Jetzt habe ich alle zusammen“, sagt sie stolz. Ich frage nach, was es mit diesen Granulaten, die auf mich den Eindruck machen, als würden sie sich auch gut als Kuchendekoration eignen, auf sich hat, und sie erzählt mir von einem Rezept. Je nachdem, wie man diese Substanzen mischte, sollte es damit möglich sein, die eigenen körperlichen, geistigen und spirituellen Energien gegeneinander aufzuwiegen, zum Beispiel könne man für den Preis der geistigen und körperlichen Gesundheit seine spirituellen Kräfte erneuern, wenn man die richtigen Granulate im entsprechenden Verhältnis mischte, zerkleinerte und einnahm. Das silberne Granulat wie auch das Rezept waren in der Kommode, die Lorudo-dono bei der Auktion in Glastonbury vor einem viertel Jahr erstanden hatte, versteckt, das zweite, goldene hatte sie von den drei Weisen aus dem Meerschaumturm im Traumland erhalten. Die letzte fehlende Komponente, das schwarze Granulat, hatten Maikurofuto und Mari-chan aus dem Besitz der Thule-Gesellschaft entwendet.
Maikurofuto übersetzt zwei Dokumente, die er ebenfalls aus den Räumen der Thulisten in Berlin mitgenommen hat. Eines ist ein Brief, in dem von einem „>Papier<, das angeblich nicht von dieser Welt ist“ die Rede ist. Das zweite Dokument befasst sich mit dem Mythos der Insel Thule, die vor vielen Jahrhunderten untergegangen sein soll. Dieses Schreiben geht davon aus, dass dort, wo heute das Tempelrik vor Trondhjem zu finden ist, einst die Insel Thule lag. Wir vermuten ja bereits seit unserem Besuch in Norwegen, dass sich unterhalb des Riffs eine Stadt der Tiefen Wesen befindet, die Y’ha-ntlei genannt wird. Offenbar kennt man diesen Ort in der Mythologie noch unter einem anderen Namen, der lautmalerisch klare Rückschlüsse auf den zuläßt, der ihren Bewohnern als oberster Herrscher gilt.
„Wir haben noch etwas anderes gefunden“, berichtet Maikurofuto frohgemut und präsentiert uns einen zylindrischen Metallbehälter. Als er ihn öffnet leuchtet es blau aus dessen Innern. „Was ist das?“, frage ich. „Orichalkum“, erklärt Maikurofuto überlegen lächelnd, „das sollte genug sein, um den Eiszapper aufzuladen.“









