Auf Cthulhus Spur

Gepflegtes Rollenspiel rund um den kriechenden Wahnsinn

鉱坑の怪奇 (Kōkō no kaiki) – Das Mysterium der Mine

Früh am Morgen sitzen wir wieder im Zug nach Røros. Langsam aber sicher habe ich genug von den Bahnreisen durch Norwegen. Ich glaube, seit ich in diesem Land bin, habe ich nicht einen einzigen Tag erlebt, an dem ich nicht mit dem Zug gefahren bin. Immerhin – es ist besser, als laufen oder reiten zu müssen.

Im zwölf erreichen wir wiederum die Minenstadt Røros. Wir bringen schnell unser Gepäck zur Pension „For Malm Gruve“ und begeben uns dann direkt zum Bergwerk. Vorarbeiter Halskin und der Minenarbeiter Ole erwarten uns an der beräumten Einbruchstelle. Der neu geschaffene Durchgang ist gerade groß genug, dass sich eine erwachsene Person dort hindurchzwängen könnte. Senchō übernimmt die Führung. Er läßt sich von mir mit einem Seil sichern, bevor er sich durch die Öffnung quetscht. Der Durchbruch hält und Senchō bedeutet uns, ihm zu folgen. 

Das Siegel an der Wand in der Røros-Mine

Wir gelangen in eine natürlich scheinende Höhle, aus der im hinteren Bereich drei Gänge weiterführen. An der rechten Seite der Höhle ist ein grünlich-gelbes floreszierndes Bild eines fünfzackigen Sterns wahrzunehmen. Das Symbol erinnert mich an dieses „Ältere Zeichen“, aber es unterscheidet sich von den Insignien auf Lorudo-donos Schutzamuletten. Dieses Pentagramm hier zeigt in seiner Mitte einen stilisierten Leuchtturm. Senchō weist uns noch einmal explizit darauf hin, das Zeichen auf keinem Fall anzufassen. „Was habt ihr denn auf einmal nur“, wundert sich Mari-chan, „warum dürfen wir jetzt nichts mehr anfassen?“ Maikurofuto erklärt ihr ruhig, dass der Gang hinter uns eingestürzt war, nachdem ein Bergmann vermutlich eben dieses Siegel berührt hatte. 

Wir folgen zunächst dem linken Gang, der gewunden und sich unregelmäßig erweiternd und verkleinernd in den Berg führt. An einer Biegung stoßen wir auf einen Absatz. Der Gang endet in einer Sackgasse, an deren Ende ein Schriftkreis in dem gleichen grünlich-gelbes Licht schimmert, wie das Siegel aus der Höhle hinter der Einsturzstelle. „Cthulhu la’harf dn’i wg haftar Hastur ph’ral Tsathoggua“, steht dort. Tsathoggua – schon wieder dieser Name… Lorudo-dono und Karura-san diskutieren über die Bedeutung dieser Worte. Gemeinschaftlich kommen sie zu einem Übersetzungsergebnis: „Der große Cthulhu, Herr des Wassers, liegt im ewigen Streit mit seinen Brüdern Hastur und Tsathoggua.“

Der zweite, weniger gewundene Gang, führt uns ebenfalls in ein totes Ende, an der auch wiederum ein leuchtender Schriftkreis darauf wartet, von uns entschlüsselt zu werden. „Dagon ra’haf ng’a gw nafh Cthulhu R’lyeh wgah’nagl fhtagn“ steht dort geschrieben. Das bedeutet „Dagon, er dient dem toten Cthulhu, der in seinem Haus in R’lyeh wartet und träumt“, erklärt uns Maikurofuto. 

Auch der dritte Gang, der sich wieder etwas stärker windet und in den Wasser eingedrungen ist, endet in einem toten Gang, dessen Ende wieder ein leuchtender Schriftkreis markiert. „Ln’haf w’ha laen yni Dagon Nh’wrf ha’a Y’ha-ntlei nhar’na“ sagen die Zeichen an der Wand, doch dieses Mal können wir uns keinen Reim darauf machen. Allein der Name Y’ha-ntlei erinnert mich an etwas. Dieses Schriftstück aus dem Tresor der Thule-Gesellschaft – hatte dort nicht etwas gestanden von einer Stadt aus Säulen unter dem Tempelrik, die so genannt wird?

Senchō bittet Mare, die Schriftkreise und das Zeichen des Pentagramms abzuzeichnen, bevor wir die Mine wieder verlassen. Halskin übergibt Senchō einen Plan der Minengänge, den Senchō vor unserem Abstieg in das Bergwerk angefordert hatte. Zurück in der Pension versuchen wir die neuen Erkenntnisse einzuordnen. Ich erfahre, dass einer der genannten Brüder Cthulhus – meine Freunde vermeiden die Nennung seines Namen und benutzen stattdessen Umschreibungen wie „der König in Gelb“ oder „der Unaussprechliche“ – auf Aldebaran zu Hause wäre. Darum ist wohl auch der 10. Oktober, an welchem die Erde im Schatten Aldebarans steht, ein signifikantes Datum. Der Schatten des streitenden Bruders schwächt den Herrn des Wassers und sein Gefolge. Maikurofuto erschauert, während er erzählt, als riefe die Geschichte eine beängstigende Erinnerung in ihm wach.

Røros Kupfermine

Senchō hockt derweil über dem Minenplan und scheint Aufzeichnungen aus einem Notizbuch damit zu vergleichen. Auch ich werfe einen Blick auf den Plan und habe plötzlich so etwas wie eine Erleuchtung. Ich bitte Mare, mir die Zeichnungen von den Schriftkreisen aus der Mine zu geben. Neben den Texten waren einige der Namen mit Symbolen versehen. Diese glaube ich in den Gängen der Mine wieder zu erkennen. Ganz oben, dort, wo wir auf diese seltsamen Texte gestoßen sind, sehe ich das Symbol, das in den Texten dem Namen Cthulhu voran gestellt war. Darunter schließt das Zeichen Dagons an und zuletzt, an den Eingängen der Mine, entdecke ich das Symbol für „Ln’haf“. Senchō bestätigt meine Vermutung, als ich diese mit ihm teile. Auch er hat diesen Zusammenhang bemerkt.