Auf Cthulhus Spur

Gepflegtes Rollenspiel rund um den kriechenden Wahnsinn

帰服 (Kifuku) – Kapitulation

Am dritten Tag des achten Monats im vierten Jahr der Regentschaft des Kaisers Kazuhito 

Auch die Nacht blieb friedlich und unsere Leute konnten sich etwas erholen. Kurz nach Sonnenaufgang erscheint Yokai Tomoko erneut vor unseren Toren. Hideyoshi ist einverstanden, die Friedensverhandlungen auf unserem Sitz zu führen, doch er fordert einen Friedenspfand für die Zeit seines Aufenthaltes bei uns. Das ist eine übliche Praxis, um bei solchen Verhandlungen die Sicherheit des Feldherren zu gewährleisten. Mein Sohn Naoshige erklärt sofort seine Bereitschaft, diese Rolle zu übernehmen, doch Yokai Tomoko wirft ein, dass sie gerne die Priesterin Izumi als Geisel hätten. Naoshige springt gekränkt auf, die Hand am Griff seines halb gezogenen Schwertes. „Wollt ihr behaupten, das Leben einer Priesterin ist mehr wert als das meine?“, ruft er entrüstet. Yokai Tomoko sieht ihm fest in die Augen, sagt kein Wort und zeigt keine Regung. 

„Setz dich wieder hin, Naoshige, das kannst du später klären“, weise ich meinen Sohn harsch an. Missmutig leistet Naoshige meinem Befehl Folge. An Yokai Tomoko gewandt sage ich, „ich werde meinem Sohn seinen Wunsch nicht abschlagen. Solange Hideyoshi bei uns ist, wird Naoshige im Austausch der Garant für die Unversehrtheit Eures Fürsten sein.“ 

Yokai Tomoko verbeugt sich respektvoll vor mir. „Ich werde meinem Fürsten Eure Entscheidung mitteilen und Euch wissen lassen, ob er mit Eurem Vorschlag einverstanden ist.“ 

Bereits zwei Stunden später erreicht uns die Antwort. Hideyoshi ist einverstanden. Zur achten Stunde des Abends erscheint er mit seiner Delegation vor unseren Toren. Noch immer gibt es keine Nachricht von Kotarō, aber ich kann nicht länger warten. Wie vereinbart begibt sich Naoshige in die Hände des Feindes, als Hideyoshi den von uns kontrollierten Bereich der Burg betritt. Ich erwarte Hideyoshi zusammen mit meinem Bruder und meinem ältesten Sohn. Auch Tanaka-san ist zugegen, um die Verhandlungsgespräche zu dokumentieren. Ebenso habe ich Izumi zu uns rufen lassen. Hideyoshis auffälliges Interesse an ihr hat mich dazu bewogen, sie bei den Verhandlungen dabei haben zu wollen.

Hideyoshi redet nicht lange um den heißen Brei herum. Er fordert unsere Kapitulation und Unterwerfung. „Das Einzige, was ich verlange, ist, dass Ihr, Ujimasa, als Familienoberhaupt zurücktretet und dafür sorgt, dass Euer Nachfolger mein Vasall wird“, sagt er. 

Von draußen dringen die dumpfen tiefen Klänge der Kriegstrommeln zu uns vor. „Hat das etwas zu bedeuten oder wollt ihr Eurem Auftritt hier nur etwas mehr Eindruck verleihen“, frage ich ruhig. Hideyoshi lächelt überlegen. „Ich will nur verhindern, dass Ihr vergesst, dass vor Euren Toren zweihundertausend Mann auf meine Rückkehr warten“, erklärt er,  „wenn ich nicht zurückkomme, wird Odawara dem Erdboden gleich gemacht und niemand hier wird überleben.“ 

„Ihr überrascht mich, Hideyoshi“, sage ich, „für wen haltet Ihr mich, dass Ihr es für notwendig erachtet, mich mit solchen Drohgebärden zu bedenken? Ich weiß, wann eine Schlacht verloren ist und dass eine verlorene Schlacht nicht dadurch besser wird, dass man sie hinauszögert. Reicht Euch nicht mein Wort als Krieger und das Leben meines Sohnes als Pfand für das Eure?“ 

„Sicher ist sicher“, erwidert Hideyoshi, „man hört, dass Ihr mit Takeda Katsuyori auch nicht gerade zimperlich umgegangen sein sollt.“ Katsuyori… bei diesem Name sehe ich immer noch rot, obwohl mir vor acht Jahren in der Schlacht von Temmokuzan die zweifelhafte Gunst zuteil wurde, höchstselbst Rache an dem Mann zu üben, der die Friedensverträge unserer Väter mit Füßen getreten und mir mit diesem Akt des Verrats die Liebe meines Lebens entrissen hatte. Seltsamer Weise hatte ich mich kein Stück besser gefühlt, nachdem ich ihn getötet hatte…
„Das war etwas anderes“, antworte ich, „es war persönlich.“

Nach diesem kurzen Ausflug in die Vergangenheit richten wir die Aufmerksamkeit unseres Gespräch wieder auf den eigentlichen Anlass von Hideyoshis Besuch. Ich erkläre mich mit seinen Bedingungen einverstanden und wir vereinbaren, dass die offizielle Übergabe der Burg morgen früh zur neunten Stunde erfolgen soll. 

Ich sorge dafür, dass die Nachricht von unserer Kapitulation sich in unseren Reihen verbreitet. Spürbare Erleichterung macht sich unter den Bewohnern der Burg breit, doch in mir herrscht weiterhin eine dunkle Beklemmung. Irgendetwas ist nicht so, wie es sein sollte.