黄笛の曲節 (Kifue no kyokusetsu) – Das Lied der gelben Flöte
Die vormittäglichen Übungen verlaufen nur wenig besser als gestern, dennoch besteht Lorudo-dono darauf, die zweite Hälfte der Übungszeit mit verbundenen Augen zu trainieren. Ich habe keine Einwände gegen dieses Vorgehen.
Am Abend treffen wir uns alle in der Bibliothek. Mare und Maikurofuto sind reisebereit. Ausgestattet mit wüstentauglicher Kleidung und je 9 Litern Wasser sind sie gewappnet für den Ausflug in die malvenfarbene Wüste Oreg-na. Lorudo-dono hat einen entlegenen Ort für die Ausführung des Rituals zum Rufen des Flugwesen ausgewählt und ist alles andere als begeistert, als Maikurofuto ihm offeriert, dass er die „Landebahn“ für das Flugwesen, den Byakhee, mit Fackeln auszuleuchten gedenke. „Ist das notwendig?“, fragt Lorudo-dono. „Nein, aber es macht etwas her“, antwortet Maikurofuto ernster Mine. Lorudo-dono zeigt sich verständnislos, doch Maikurofuto lässt sich nicht beirren und beginnt in aller Ruhe einen Kreis aus dreizehn Fackeln zu errichten, wobei ich ihn unterstützen.
Dann ist es soweit. Alle Fackeln brennen. Maikurofuto hält bereits die gelbe Flöte in seinen Händen. „H-A-Es-Dur“, murmelt er lächelnd und legt dabei die Finger abwechselnd auf die Grifflöcher des Instruments. „Ich ziehe mich jetzt besser zurück“, sage ich und verabschiede Mare und Maikurofuto mit einer herzlichen Umarmung. Worte vermag ich nicht äußern. Auch wenn es einen theoretischen Plan für die Mission meiner Freunde gibt, raubt eine gewisse Beklemmung in meinem Herzen mir die Luft. Ich wende mich ab und entferne mich zügig. Nach fünfhundert Metern glaube ich genug Abstand gewonnen zu haben. Was auch immer jetzt passiert, das einzige, was ich jetzt noch für meine Freunde tun kann, ist beten.
Aus der Ferne dringen die Töne der Flöte an mein Ohr, dann die kraftvoll intonierten fremden Worte der Zauberformel „Hastur, Hastur….. iia Hastur…“ so oder so ähnlich klingen die unheilvollen Worte, die der Wind zu mir trägt. Ich will da gar nicht so genau hinhören…
Die Melodie und die Worte werden ein paar Mal wiederholt, bis der Klang von riesigen Schwingen, die die Nacht durchschneiden, zu vernehmen ist. Ich verharre reglos in Meditation. „Mary-Ann, lauf“, höre ich Maikurofuto rufen. Ich widerstehen dem Drang, den lauter werdenden Gedanken zu folgen, die versuchen, eine Erklärung für das Vernommen zu finden und fokussiere mich in der Stille aus welcher heraus ich mein Gebet als visualisiertes Licht in die Dunkelheit der Nacht und der Unwissenheit entsende.
Ich weiß nicht, wieviel Zeit ich in der Stille verbracht habe. Als ich aus meinem meditativen Zustand zurückkehre, kann ich nichts mehr hören, außer dem Wind, der in den Wipfeln der Bäume seufzt. Ich gehe zurück zum Ritualplatz. Nichts deutet darauf hin, dass hier gerade etwas Unheimliches von Statten gegangen ist. Die Fackeln sind gelöscht und weggeräumt worden.
Ich bewege mich in Richtung Schloss, besteige meinen Silverghost und fahre nach Curdridge. Es ist schon nach Mitternacht, als ich nach Hause komme.









