Auf Cthulhus Spur

Gepflegtes Rollenspiel rund um den kriechenden Wahnsinn

鏡の世界 (Kagami no sekai) – Spiegelwelt

Nachdem nun die personelle Situation in meinem Haus geklärt ist, machen wir uns auf den Weg nach Highclere Castle. Wir verstauen den „Schatz“ im Kofferraum des Silverghost, ich packe außerdem Kleidung ein die ich im Traumland deponieren will – bequeme und robuste Alltagsroben. Irgendwann will ich noch einmal die Südlande besuchen und dann will ich adäquat angezogen sein. Auch Senchō kommt mit einem prall gefüllten Rucksack die Treppen herunter.

Kurz vor 15:00 fahren wir auf Highclere Castle vor. Lorudo-dono ist inzwischen auch gelandet. Die Sopwith wird gerade in den Hangar gebracht. Wir treffen uns wie üblich in der Bibliothek und planen unseren Ausflug nach Exeter und in das Traumland. Lorudo-dono muss ein Rätsel lösen, das Esme ihm aufgegeben hat: 100 Gramm Algen mit einem Wassergehalt von 95% werden getrocknet, bis der Wasseranteil nur noch 80% beträgt. Wieviel wiegen die Algen jetzt. Zwei falsche Antworten hätte er schon gegeben. Esme ist mittlerweile nicht mehr so gut auf ihn zu sprechen.

Wir rechnen hin und her, bis uns irgendwann die Lösung einfällt. Bei 95% Wasseranteil ist der Anteil der Algen (5 Gramm) 5 Prozent. Bei 80% Wasseranteil beträgt der Anteil der Algen (immernoch 5 Gramm) 20%. Daraus ergibt sich die Formel (5 Gramm * 100%) / 20% = 25 Gramm. „Heureka!“, entfährt es Lorudo-dono. Die Antwort scheint zu stimmen.

Zu allem Überfluss hat nun auch König George „Himself“ seinen Besuch im Hampshire angekündigt. Er möchte die Arbeiten zur Wiederherstellung von Queen Eleanor’s Garten persönlich in Augenschein nehmen. Ausgerechnet den zehnten Oktober hat er als Datum für seinen Besuch ausgewählt. 

Nach dem Fünf-Uhr-Tee brechen wir auf. Vor Joe’s Haus treffen wir Mari-chan. Wir laden das Auto aus und betreten das Haus. Es ist genauso leer, wie wir es beim letzten Mal verlassen haben. Meine Freunde steuern direkt auf die Treppe zu. Das Fensterbild mit dem Katzenmotiv ist durch das Licht des Mondes hell erleuchtet – oder leuchtet es aus sich selbst heraus? So genau kann ich das nicht sagen. Im Dachgeschoss scheint eine Wand durchlässig geworden zu sein. Meine Freunde gehen einfach hindurch. Ich folge Ihnen. 

Auf der anderen Seite der Wand geht es weiter. Ich stehe in einem Zimmer, dass eine exakte Kopie des Raumes darstellt, aus dem wir gerade gekommen sind – nur spiegelverkehrt. Auf findet sich hier – anders als auf der anderen Seite der Wand – der ein oder andere Einrichtungsgegenstand. 

Nicht nur das Haus ist spiegelverkehrt – auch ich selbst befinde mich irgendwie in einem gespiegelten Zustand. Als ich mein rechtes Bein bewegen will, rührt sich stattdessen mein linkes Bein und umgekehrt. Dieser Umstand verunsichert mich zunächst, es ist, als würde mir meine Wahrnehmung einen seltsamen Streich spielen, aber Maikurofuto versichert mir, dass das normal sei, wenn man auf diesem Weg in das Traumland reiste. Nach einer Weile gewöhne ich mich daran.

Schnell merke ich, dass noch etwas anders ist, als bei meinem letzten Besuch: Das Reisen dauert länger. Heute reicht nicht allein der Gedanke, um von einem Ort zum anderen zu kommen. Im Hof des Hauses steht ein Pferdekarren. Wir mieten uns Zugtiere und verladen unsere Fracht. Wir müssen in den verwunschenen Wald. Dort steht unsere „Traumland-Truhe“. 

Mit dem Gespann verlassen wir die Stadt. Um in den Wald zu kommen, müssen wir den Fluss Skai überqueren. Wir könnten die Fähre nehmen, die an der breitesten Stelle des Flusses übersetzt, oder den längeren Weg über die Brücke. Wir entscheiden uns für den längeren Weg. Meine Freunde meinen, es sei der sicherere. Gefühlte zwei Stunden brauchen wir, bis wir den Wald und die Truhe erreichen. Wir verstauen unsere Sachen. Maikurofutos mitgebrachte Feuerwaffen haben sich in Bogen und Armbrust verwandelt. Dann machen wir uns auf dem gleichen Weg, den wir gekommen sind, zurück. Ich bin ziemlich müde, als wir wieder beim Portalhaus ankommen. 

Zurück in der Wachwelt  stelle ich mit einer Blick auf meine Taschenuhr fest, dass es bereits sechs Uhr am Morgen ist. Kein Wunder, dass ich mich so erschöpft fühle. Noch liegen drei Stunden Autofahrt vor uns und ich bitte Senchō, mich dabei zu unterstützen, auf der Reise wach zu bleiben. Als wir zwischen neun und halb zehn auf Curdridge Hill ankommen, steht die Sonne schon hoch am Himmel. Ich parke den Silverghost und gehe direkt ins Bett. Wie ein Stein falle ich augenblicklich in einen tiefen Schlaf.