Henry's Trick
August 19 1920 Thursday 4:30am
Ein barbarisches Geklapper weckt uns. Mary Ann rennt mit einem Stein auf einen alten Kochtopf einhämmernd umher. Aus dem Schlaf gerissen, schaue ich erschreckt in gerötete Augen hinter einer schweissnassen Stirn. Dann fällt sie in Ohnmacht und ist nicht mehr ansprechbar…
Inzwischen kehren Carla und Ragnar von ihrer Spähaktion von einer der umliegenden Bergspitzen zurück. Der bekannte LKW ist auf dem Weg. Er wird noch wahrscheinlich einen halben Tag hier herauf brauchen…
Auch der Oberst und seine Männer müssen die letzten zwei Stunden den Felspfad zum Kloster hinauf, den wir auch genommen haben. Er geht von der flachen Ebene des Ödlandes ab. Wir wollen die Ebene vor dem Oberst erreichen, um uns dort vor ihnen zu verstecken. Wer weiß, vielleicht ergibt sich eine Gelegenheit, die Expedition zu sabotieren…
6:30 am Wir haben noch Zeit für ein Frühstück, bevor wir aufbrechen.
8:00 am Der Abstieg ist immer schneller als der Aufstieg und wir brauchen nur 90 Minuten hinunter ins Ödland. Schnell finden wir die geeigneten Felsen, um uns und unsere Reittiere dahinter zu verstecken. Wir warten ab…
8:30 am Der LKW erreicht die Ebene und stoppt: 5 Soldaten steigen aus, Mr. Donovan, der Oberst und ein Fahrer. Sie laden zügig 3 Kisten aus und beginnen zu Fuss den Aufstieg zum Kloster. Der Fahrer bleibt beim Wagen. Wir werden noch ein wenig abwarten, bevor wir unser Glück versuchen. Der Oberst und seine Männer sollten dann schon so weit weg wie möglich sein…
Im Himmel taucht ein Flugzeug auf und kurze Zeit später ist ein Brummen zu hören, das lauter wird. Wir pressen uns an die Felswände, um unentdeckt zu bleiben. Doch plötzlich weht ein fliederfarbener Kimono über die Ebene und Sanjuro stürmt hinterher. Die Fokker senkt die Nase und hält auf uns zu…
Das fliegende Maschinengewehr erreicht Angriffsposition. Ragnar gibt seine Deckung auf und schießt. Der Fahrer geht hinter dem Lkw in Deckung. Aus 100m Höhe gibt die Fokker eine Salve ab, die aber den LKW trifft. Der Fahrer rennt in Panik davon, bevor das Fahrzeug in Flammen aufgeht.
Ich sehe Henry auf die Ödebene rennen und dann einen seltsamen Tanz mit seinem Regenschirm aufführen…
Er scheucht einen Vogelschwarm auf, der in Panik in die Höhe schießt, direkt in die Flugbahn der Fokker hinein…
Mit unschönen Geräuschen zerfetzt es einige Vögel, ein Propeller fällt aus, die Maschine dreht ab, kann sich nicht mehr fangen und findet ihr explosives Ende an einer hohen Gebirgswand. Wie als Echo explodiert nun auch der LKW, der Brand hatte wohl die verbliebenen Munitionsvorräte entdeckt…
Totalschaden für die Thulisten-Expedition des Oberst! Ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen. Was ein flatternder Kimono nicht so alles auslösen kann…
Wir beeilen uns beim weiteren Abstieg nach Jaca, die wir High Noon erreichen.
Mary Ann ist im Delirium und reitet Aldebaran in die Sterne. Das örtliche Hospital diagnostiziert einen Lepra-Ausbruch der zweiten Stufe und erklärt sie für nicht transportfähig. Wir können sie jedoch nicht hier lassen. Zu groß sehe ich die Gefahr, dass sie dem Oberst in die Hände fallen könnte, wenn er hier ein paar Nachforschungen anstellt. Auch sollte Mary Ann eine bessere medizinische Versorgung erfahren, als es in dieser Kleinstadt am Gebirgsrand möglich ist…
Bern in der Schweiz erscheint uns als nächster Zielort am geeignetesten zu sein. Die dortigen Hospitäler können besser helfen und es ist ein idealer Ausgangspunkt, um mit dem Zug weiter in den Odenwald zu reisen. Ich lasse unseren Piloten Mr. Ferguson rufen, der nach einiger Zeit angetrunken an der Hotelbar aufgefunden wird. Er lallt zwar schon, aber mit wenigen Handgriffen bereitet er Platz für Mary Anns Liege. Schließlich ist unsere Vickers Viemy die Ambulance Version der Baureihe.
Doch die Ärzte wollen Mary Ann nicht ohne weiteres herausgeben und verlangen, dass jemand persönlich die Verantwortung für die Patientin übernimmt. Das übernehme ich mit Freude: Schließlich ist Mary Ann doch Einwohnerin meines Hampshires, sozusagen meine Untertanin…
Mr. Ferguson wird von Carla mit Kaffee vollgepumpt und am frühen Nachmittag verlassen wir Spanien…









