拝辞する (Haiji suru) – Abschied nehmen
Heute Nacht fiel in Ayabe der erste Schnee. Der Dezember ist angebrochen und auf den Gewässern des Pflaumen- und Piniengartens hat sich eine dünne Eisschicht gebildet. Ich atme tief die kalte Luft des frühen Morgens, während ich meine Taisō (体操 – Leibesübungen) am Ufer eines Teiches praktiziere.i
Vier Wochen sind seit meiner Ankunft vergangenen und länger sollte dieser Aufenthalt auch nicht dauern. Ich bin aus anderen Gründen zurück nach Japan gekommen.
Meine Tage und Nächte in Ayabe habe ich vor allem mit täglichem Training, Askese und Meditation verbracht. Diese Auszeit tut mir gut. Mein anderes Leben in England scheint in weiter Ferne, doch langsam verspüre ich ein unerwartetes Verlangen zurück. Ich frage mich, wie es meinen Freunden dort wohl ergehen mag – Henry, Ragnar, Mare, Carla, Mary-Ann… Dem Lord…. auch, wenn unsere letzte Begegnung im Streit endete, kann ich nicht leugnen, dass auch sein Schicksal mir am Herzen liegt. Es war nicht seine Schuld, dass viele der Gäste auf Highclere Castle anlässlich des Königlichen Besuchs mir nicht nur mit Unverständnis, sondern auch mit offener Herablassung und Respektlosigkeit begegneten. Diese Erniedrigungen, die ich aus Achtung vor meinem Freund (?) klaglos über mich ergehen ließ, machten mir mehr zu schaffen, als alles andere, das uns in dieser Nacht widerfahren ist. Doch was klage ich über die Engländer und ihre Überheblichkeit – wir Japaner sind in dieser Hinsicht keinen Deut besser…
Trotz all meiner Bemühungen, den Lord zu verstehen, bleibt noch immer ein bitterer Beigeschmack, die es mir schwer möglich macht, ihn weiterhin als Freund zu betrachten und ihm mein Vertrauen zu schenken: Das verlorene Seelenheil von einundzwanzig Seeleuten.
Ich gehe zurück zu meiner Unterkunft und packe meine Sachen. Bevor ich zum Bahnhof aufbreche, um von dort aus nach Odawara abzureisen, verabschiede ich mich von einigen Leuten und hinterlasse im Hauptschrein, dessen Eingang von zwei Statuen gesäumt wird, die jeweils einen Fuchs mit zum Heulen erhobenen Kopf darstellen, ein Dankesgebet und eine großzügige Spende. Am Bahnhof gebe ich ein Telegramm an den Inari-Großschrein in Kyōto auf und lasse Maikurofuto ausrichten, dass ich ein paar Tage lang unterwegs und danach in Tōkyō erreichbar sein werde.









