Auf Cthulhus Spur

Gepflegtes Rollenspiel rund um den kriechenden Wahnsinn

不面目 (Fumenboku) – Gesichtsverlust

Ich vermeide den direkten Blick auf die Monolithenwände, dennoch verfolgen mich die Bilder meiner Vergangenheit. Nichts wünsche ich mir jetzt sehnlicher, als die schmerzhaften Erinnerungen einfach mit einem Schluck Sake wegzuspülen – Gin würde auch gehen – doch all unsere Alkoholvorräte wurden mit der Arumina auf den Grund des Ozeans gerissen. Während ich darüber sinniere, ob es vielleicht das Schicksal ist, das da an meine Tür pocht und mich auffordert, mich einem Teil meiner selbst zu stellen, vor dem ich schon viel zu lange in den Alkohol geflüchtet bin, höre ich die Stimmen meiner Freunde und mir wird plötzlich bewußt, dass hinter der nächsten Straßenecke bereits die nächste schwere Prüfung auf mich wartet.

Mein Magen verkrampft sich und meine Kehle ist wie zugeschnürt. „Er wird uns schon nicht den Kopf abgereissen“, meint Finlay, dem meine Anspannung nicht entgangen ist. Ich bin mir da nicht ganz so sicher. Ich gehe auf meine Freunde zu und kniee in Demut vor Lorudo-san nieder. Meine Anwesenheit hier unten dürfte eigentlich schon ausreichen, um sich einen Reim auf die Dinge zu machen und wenn ich es recht bedenke, müsste die Arumina auch diese Stadt passiert haben, bevor sie ihr Grab auf dem Grund der See fand. Trotzdem berichte ich pflichtbewußt von unserem verzweifelten Kampf gegen die Gewalten des Ozeans, in dem wir uns schließlich nach drei Stunden geschlagen geben mussten, dass jedoch fast die gesamte Besatzung gerettet werden konnte. Die englische Sprache vermag es nicht, mein Bedauern angemessen auszudrücken. [simple_tooltip content=’Es tut mir sehr leid (sehr höflich und formal), Lorudo-san, ich weiss nicht, wie ich mich angemessen entschuldigen kann. Bitte vergeben Sie mir‘]“Moushiwake gozaimasen deshita, Lorudo-san, owabi no kotoba mo arimasen. Oyurushi kudasai.“ [/simple_tooltip] Das Schweigen, das nun folgt, ist beklemmend. Meine Hand schließt sich um das Heft meines Wakisashis. Ich bin bereit, den höchsten Preis zu zahlen, um diesen Schandfleck in meiner bis dato makellosen Seefahrerkarriere zu bereinigen. Das ist Wahnsinn, irgendwo ist mir das schon klar. Seppuku wurde vor über fünfzig Jahren in meiner Heimat nicht ohne Grund offiziell verboten, doch gerade jetzt bin ich von einer derart tiefen Todessehnsucht ergriffen, dass ich nur einen kleinen Stoß in die richtige Richtung bräuchte, um mich bereitwillig den [simple_tooltip content=’japanische Todesgeister]Shinigami[/simple_tooltip] zu stellen.

„Mach dir nichts draus, einmal ist immer das erste Mal.“ Es ist Senchō, der mich auf seine raue norwegische Art aufzumuntern versucht. Unter seiner Verantwortung seien bereits zwei Schiffe gesunken, gesteht er. Mein Stolz ist durch diese nett gemeinten Worte nicht weniger verletzt, doch ich denke über die Möglichkeit nach, dass mein inneres Drama sich hier vielleicht doch als etwas übertrieben darstellt. Vielleicht…..