Exorxismus in Parzelle No. 7
Erfrischt und erholt wache ich auf. Die Verletzungen am Arm und Bein scheinen gut zu verheilen. Ich drehe morgen wieder eine Runde mit Henry & Indie. Frohgelaunt unterhalten wir uns über die bevorstehende Heilung der Parzelle No. 7. Henry freut sich, das wir sein Erbe von der schwarzen Vergangenheit befreien und auch seinen Onkel entlasten. Schließlich scheinen viele Menschen unter diesem Fluch gelitten zu haben. Er hat Vertrauen zu uns und unseren Motiven gefaßt zu haben. Als wir wieder in der Apotheke eintreffen, sind alle beschäftigt mit den Vorbereitungen. Carla überprüft zum 100. Mal die Aufnahme, Mare wechselt nochmal das Öl an meinem Silver Ghost. Zudem ist er nun neu lackiert worden, Mittnachtsblau, „Ein adeliges Sahnestück von Auto“ denke ich mir. Mare scheint sich sehr gut einzufinden in seinem neuen Aufgabenbereich. Mary-Ann kümmert sich um das Pulver und gibt ihren Angestellten noch Anweisungen für die nächsten Tage. Die Apotheke scheint gut zu laufen, die Kunden kaufen rege Ihre pharmazeutischen Produkte. Kazeem liest den Koran und betet. Der Lord ist in einem Delikatessen Laden verschwunden und kommt gut gelaunt mit einem riesigen Picknick Korb zurück, samt Gin & Champagner. Er scheint zuversichtlich zu sein von unserem Erfolg. Henry schaut sich nochmals die magischen Roben an und verteilt sie. Ich bekomme eine mittelstarke Robe, was mir als Ritualwächter ausreicht. Schließlich habe ich ja den Eiszapper und bin bestens ausgeruht. Ich biete allen noch Waffen aus meinem Koffer an, aber nur Mare nimmt meinen Offizier Säbel, den ich von meinem Großvater väterlicherseits geerbt habe.
Nachdem wir unter Anleitung von Mary-Ann akribisch ein minutiöses Ritual-Ablauf-Protokoll sowie die Aufgabenverteilung festgelegt haben, verstauen wir die Sachen und fahren endlich los. Die Fahrt verläuft ohne Zwischenfälle.
Abends fahren wir gemütlich durch Taunton, wo noch Markt ist.
Die Menschen sind ruhig, es gab anscheinend keine weiteren Vorfälle oder Störungen.
Wir fahren weiter durch die unbebauten Straßen und kommen abends gegen halb 10 post meridium in Parzelle No. 7 an. Ich halte vor der baufälligen Hütte und leuchte erstmal die Umgebung mit meinen Scheinwerfern des Silver Ghost aus, nichts Auffälliges zu sehen. Ich steige aus, ziehe meine Waffe und sichere die Umgebung. Wir ziehen uns um, ziehen die Ritualroben an sowie die Bewaffnung, Wachsrollenautomat, Pulver,was mir als Ritualwächter zufällt. Mary-Ann besteht auf eine Art Kapuze, weil es in Ihrer Vorstellung von Ritual Teilnehmern so sein muss. Ich murmel schnippisch „Du hast das Talent zum Kultisten“ was Sie einfach überhört. Ich bin als erster fertig mit dem Anziehen meiner Robe – ich fühle mich komisch aber gut vorbereitet.
Dann gebe ich das Signal zum Betreten der Hütte. Henry will schon vorstürmen, doch wir bremsen ihn mit den Worten “ Halte Dich ans Protokoll!“. Wir gehen um das Haus herum und ich dringe als Erster durch die Hintertür ein, leuchte in den Raum…
Es ist totenstill und unverändert. Ich gebe Signal zum Vormarsch und sichere weiter mit dem Eiszapper den Raum. Dann fällt mir ein stechender, doch schrecklich vertrauter Geruch auf, er scheint aus dem vorderen Raum zum kommen. Mit einer Geste gebe ich Kazeem zu verstehen, dass ich dem nachgehe. Er sichert meine Gefährten. Im besagtem Raum finde ich sofort die Leiche des Landstreichers, den ich zur Polizeiwache bringen wollte, damit ihm auf Highclere Castle geholfen werden könne, was er ausgeschlagen hatte. Nun liegt er mit ausgehöhlten Brustkorb wie der Dachs im Hintergarten über dem Sofa. Achselzuckend gebe ich den Anderen Entwarnung. Beim Versuch die Tür zum Raum zu schließen, scheitere ich, sie ist einfach zu alt, um benutzt zu werden.
Nun haben wir alle Vorbereitungen getroffen, sogar das Abspielgerät steht aufgedreht an seinem Platz. Kurz vor Mitternacht nicke ich allen zu und beginne das Ritual mit dem braunen Pulver, welches ich in den Kamin werfe. Sofort entsteht eine übel riechende Wolke, die mich kurz einhüllt. Es stinkt nach verbrannten Horn mit Schwefel und etwas mir Unbekannten. Tränen schießen mir in die Augen und schnell entferne ich mich vom Kamin.
Meine Freunde beginnen dann mit dem Gesang
Mulligis eauqodas simrofinofub te murargin murallets angis mudnanimonni mungam ibit.
Auch ich stimme mit ein und werfe den Wachsrollenautomaten an.
Zunächst passiert nichts Nennenswertes. Dann gibt ein Tösen vom Dachboden, ein Knallen, gefolgt von Vibrieren und Knurren. Wir singen weiter. Das Licht scheint dunkler zu werden. Ich halte den Eiszapper fester in meinen Händen, bereit auf Alles zu feuern, was auch immer von da oben kommen mag. Meine Freunde fangen an, sich Luft zuzufächern, dann bemerke ich den Geruch, er raubt mir fast den Atem! Weitersingen, Mycroft, weiter! Ich sehe immer noch nichts!
Nach einer weiteren gefühlten Ewigkeit Schreit plötzlich Carla und wankt kurz, Ihr bisher bravoröser Gesang verstummt kurz, aber sie stimmt gleich wieder mit ein, zum Glück haben wir die Wachsrolle gemacht. Dann sehe ich auch, es tropft eine grünliche zähe stinkende Flüssigkeit von der Decke. Der Lord ruft „Vorsicht, das Ektoplasma“
Dann höre ich von draußen einen Schrei, schrill und durchdringend. Irritiert schaue ich meinen Freunde an. Dann schreite ich nach draußen, schaue mich um. In einiger Entfernung sehe ich eine Frau, die zu uns schaut und wie am Spieß schreit. Kurz gehe ich auf sie zu, kann aber nichts erkennen. Da ich mich allzuweit entfernen will, gehe ich zurück. Sie kommt auf mich zu, läuft unbeirrt durch den morschen Zahn und brüllt mich weiter an. Kazeem kommt heraus und geht auf die Frau zu. Ich bleibe in der Nähe meiner Freunde, vielleicht kommt noch von einer anderen Flanke ein Feind oder ähnliches. Kazeem muß nun spähen. Langsam nähert er sich der Gestalt und erstarrt. Nun sehe ich es auch, die Frau ist aufgedunsen, die Brustkorb hohl und das Gesicht aschfahl.
Sofort lege ich an und schieße mit dem Eiszapper auf das untote Wesen. Zuerst passiert nichts, ich denke kurz, der Eiszapper hatte keinen Effekt. Doch dann sehe ich, wie das Bein völlig steif geworden ist, gefroren wie bei der Melone auf dem Flugfeld. Die Untote aber läßt sich davon nicht beeindrucken und geht schleifend weiter auf uns zu!
Kazeem feuert mit der Mondragon, trifft den linken Arm, der regelrecht amputiert wird und im hohen Bogen im Gras landet. Ermutigt von der Erkenntnis, lasse ich den Zapper fallen, ziehe meine Sturmpistole, feuer das gesamte Magazin auf die unheilige Gestalt. Treffer! Die rechte Seite wird erneut von mir massiv getroffen und sie fällt kraftlos kreischend zur Seite. Kazeem zieht seinen heiligen Säbel und enthauptet sie an Ort und Stelle! Besser hätte ich es nicht hinbekommen!
Nach der erfolgreichen Gefahrenabwehr kehren wir zum Ritual zurück, alle Anwesenden sind sichtlich erleichtert, dass wir unbeschadet zurückkehren. Ich bemerke ein Grinsen & Zwinkern zwischen Kazeem und dem Lord…dann fällt Mary-Ann in Ohnmacht. Wir singen weiter!
Kurz darauf sehen wir, wie der Weihrauch anfängt zu kochen, Blasen zu werfen. Er scheint zu vibrieren. Dann ist plötzlich Ruhe. Kein Pfeifen, Geschrei, Getöse. Alle Geräusche verstummen, das Ektoplasma, wie es der Lord nannte, ist verschwunden.
Unsicher singen wir weiter. Nach einer weitern Ewigkeit hebt Carla die Hand und beendet den Gesang. Sie schreitet zum Bernstein und inspiziert ihn und ruft „Es ist vollbracht!“ Im Kristall sehen wir eine Art geflügelte Raupe. Wir sind alle froh und lachen und umarmen uns alle. Dann will Henry das Kristall an sich nehmen, wogegen der Lord und ich widersprechen. Das ist dreist! Aber sowas sind wir von Schotten gewohnt und weisen sein Anliegen ab.
Aus mir unbekannten Gründen will Mare den Keller inspizieren, ich sichere sein Unterfangen ab. Wir finden lediglich ein paar erotische Schmöker, die ich an mich nehme, Mare wendet sich enttäuscht ab.
Als wir uns endlich trauen, den Dachboden zu untersuchen, sehen wir eine unglaubliche Anzahl an Kadavern, die das Wesen in den Jahrzehnten verschlungen haben musste. Ich schlage vor, alles niederzubrennen, wogegen Henry Einspruch erhebt. Er will die magischen Zeichen und Runen studieren. Nach langen Diskussionen stimmen wir zu. Die Leichen will er aber nicht selbst entsorgen. Auch dabei helfen wir ihm, wir wollen auch unangenehmen Fragen der Ordnungsmacht aus dem Wege gehen.
Schließlich, nach vielen Gurkensandwiches und Gin, fahren wir wieder zu unserer Basis und schlafen uns alle aus.














