Auf Cthulhus Spur

Gepflegtes Rollenspiel rund um den kriechenden Wahnsinn

Escaping the Wilderberg

August 21 1920 Saturday  Nightfall

Ich erwache ein wenig erschöpft, aber dennoch irgendwie erstärkt. Ich liege auf dem Moosbett am Ufer. Die Sonne steht tief am Horizont, gleich wird es dunkel. Ich bin allein. Ich bin nackt. Meine Sachen sind verschwunden…

Ich bin verwirrt, orientierungslos. War das ein Traum? Wohl kaum, sonst würd ich hier nicht nackt im Wald stehen…

Die letzten Sonnenstrahlen verblassen in den Baumkronen und ich beeile mich, wieder die Burg zu erreichen. Ich sehe zwar nicht viel, aber ich muss nur bergaufwärts laufen. Meine Schritte beschleunigen sich von selbst, als ich es irgendwo im Dickicht stampfen höre…

Ich komme an einem Friedhof vorbei. Ein Grabmal mit keltischem Kreuz fesselt kurz meine Aufmerksamkeit. Hier liegt der letzte Burgherr der Wildenburg. Weiteres Rumpeln hinter mir zwingt mich zur Eile und etwas atemlos komme ich nach einem Sprint im Burghof an. Carla und Mare empfangen mich wortlos, aber mit vor Wut funkelnden Augen. Auch Henry und Sanjuro stehen nackt ein wenig verloren umher…

Ragnar stattet uns notdürftig aus: Er leiht mir seinen dunklen, langen ägyptischen Reitermantel des Prinzen von Cairo. Mare gibt mir 6 ihrer Wurfmesser, nicht ohne ein ungehaltenes Zischen: „Haben Sie ja sowieso bezahlt…“

Um Henry hat sich Traute gekümmert und ihm Energieübungen gezeigt. Sie offenbarte ihm, dass alle Damen der „Gesellschaft von Vril“ angehören. In seiner Hand hält er ihr Studienbuch, um das wir uns jetzt aber nicht kümmern können. Er hat auch ihren goldenen Ring mit dem Logo der Gesellschaft darauf. Ich erinnere mich, dass auch Marija diesen Ring trug…

Was Sanjuro widerfahren ist, brauche ich nicht zu fragen. Sein Blick spricht Bände und mein dezentes, halb unterdrücktes Lächeln wird dem seinen wohl sehr ähnlich sein…

Carla, Mare und Ragnar haben sich redlich bemüht, dem Treiben durch verschiedene magische Versuche ein Ende zu setzen. Trotz lauten Gesangs von Carla, magischen Schutzsprüchen und dem Einsatz von Feuer, gelang es ihnen nicht, auch nur das Geringste auszurichten. Im Gegenteil, die verbliebenen „Hexen“ auf dem Burghof haben sie komplett ignoriert…

Inzwischen ist es auch völlig dunkel und wir sollten so schnell wie möglich aus dieser Burg und seinem Wald verschwinden. Wir wissen, dass es nachts hier sehr ungemütlich wird. Haben uns die Vril-Damen bis in die Nacht herein an diesen Ort gefesselt, um uns den schädelbrechenden Tentakeln zu opfern? Es sieht so aus, als ob wir hier oben auf dem Berg wie auf einem Serviertablett dem „dunklen Jungen“ dargeboten werden sollen…

Wir müssen jetzt den Abstieg durch die totale Dunkelheit wagen…

Wir haben drei Carbidlampen zur Verfügung, die wir unter uns in Zweiergruppen aufteilen. Ich renne mit Mare los…

Kaum aus dem Burghof, hören wir splitternde Bäume hinter uns. Barfuss geht es abwärts. Links und rechts von uns züngeln Tentakel mit Mäulern um uns herum, schnappen nach uns…Wir schlagen Haken wie die Kaninchen…Mare stürzt über eine Wurzel. Ich reiße sie wieder auf die Beine, bevor kurz danach ein zersplitternder Baumstamm auf die Stelle niedergeht, wo sie gerade noch gelegen hatte…

Die Tentakel sind auf einmal überall, auch vor uns.

Bis zu 8m hoch flatschen sie vor uns nieder. Das Geräusch splitternden Holzes ist andauernd um uns herum zu hören. Beim Rennen schlägt mir ein Zweig voll ins Gesicht und streckt mich nieder…

Ragnar entzündet ein paar trockene Zweige und legt Feuer. Wir rennen weiter. Das Feuer findet Nahrung, wir hören ein durchdringenden Frauenschrei: „Neeeeiinn…“ Sie wirft mit Baumstämmen nach uns. Wie Streichhölzer fliegen sie durch die Luft…

Das Feuer brennt zu langsam für einen schnellen Sieg.

Wir rennen einfach weiter. All meiner magischen Gegenstände entblößt, barfuss und nackt unter meinem Mantel, fürchte ich um mein blankes Überleben, wie ein Kleinkind in einem Albtraum. Wir setzen dabei in Panik einen kompletten Berghang in Feuer…

Sanjuro wird im vollen Lauf abrupt von dem Ast eines neben ihm hernieder gehenden Baumes gestoppt. Ich sehe, wie er kraftlos zusammenbricht. Sein Kopf beginnt zu bluten…

Das Feuer nimmt an Stärke zu, wie hören es hinter uns immer lauter knistern… Die letzte Strecke den Berg hinab rennen wir nicht mehr; es ist mehr ein Stolpern und Taumeln…

 

Short to Midnight

In Kirchzell ist es noch ruhig, ein fahler flackernder Schein ist vom Hang des Berges zu sehen. Eilig betreten wir unsere Gastwohnung…

Als erstes säubere ich mich und lege meine Ersatzausrüstung an: Meinen Smoking. Zum Glück hat Ragnar noch etwas Schluppenschnaps übrig…

Kurze Zeit später ist Bewegung auf den Straßen von Kirchzell. Die besorgten Einwohner haben das Feuer entdeckt und fürchten nun um die Sicherheit ihres Dorfes und haben volle Wassereimer dabei…

Bei gedämpftem Licht untersuchen wir das Studienbuch, Henrys Beute der Nacht…

Wir finden Aufzeicnungen über Ältere Wesen und deren Symbole, die Tarotkarte XIX „Schwarze Sonne“ und Aufzeichnungen über Hasdur, die Tsathoggua und die Shub-Niggurath, “The Black Goat of the Woods with a Thousand Young”. Die Interpretation der Informationen bereitet mir Schwierigkeiten. Ich bin blockiert, wie damals in Winchester Hall und Queen Eleanor’s Garden…

   

Doch können wir bis jetzt klar feststellen: Die Gesellschaft von Vril, nur aus Frauen bestehend, kommuniziert mit den Älteren Göttern und beschwört sie. Um welchen Preis lassen sie sich darauf ein? Was wollen sie bewirken? Welche Ziel verfolgen Marija, Gudrun, Heike, Traute, Sigrun und wer weiß wer sonst noch alles?

Wir sind uns alle einig, dass wir die Burg nochmal besteigen müssen, uns bleibt keine Alternative…

Also legen wir uns hin, zu einem kurzen, schweren Nicker…