Double Attack
Octobre 5 1921 Wednesday London Halton House
Es erreichen uns drei weitere Antworten auf unser Inserat:
Bezüglich der Anfrage bitte ich um ein vertrauliches Gespräch. Sie erreichen mich in der Earlright Road 14, London.“ ~ Amanda Fox
„Bezüglich Ihrer Anzeige würde ich mich gerne persönlich an einem Ort Ihrer Wahl treffen. Sie kontaktieren mich am besten via BOX 7295 London“ ~ Unbekannter
„Inserator, für mich wäre es ein Befreiungsschlag zu wissen welches Schicksal meinen Mann ereilt hat, Portsmouth Sleet Lane 23.“ ~ Mary Stenhouse
Sanjuro und Carla werden sich darum kümmern. Inzwischen ist Piccards Cockpitfensterprototyp fertig und Mycroft wird den ersten Testflug durchführen. Die Scheibe ist schwer und senkt die Nase der F13 herab. Es braucht ein Gegengewicht im Heck, was jedoch die Reichweite des Flugzeugs verringert, weil es den Spritverbrauch in die Höhe treibt.
Ich werde zu Shackletons Background und Biografie recherchieren und fahre dazu in die National Library, wo ich im Zeitungsarchiv fündig werde. Der Polarforscher kennt Arcadia Lloyds! Er hatte sie auf einer Afrika-Expedition 1917 als Expeditionsleiter begleitet und sehr wahrscheinlich eine Affäre mit ihr. Ein pikantes Detail, denn der Major ist – und war es damals schon – verheiratet und hat Kinder…
Die Orte der Poststationen, die wir haben beobachten lassen, bilden ein Pentagramm mit der Central Post Station in der Mitte, entdeckt mal wieder Carla…
Die Besuche bei den Inseratbeantwortern ergeben Unterschiedlichstes:
Amanda Fox erwähnt das verschwundene Tagebuch von Alexander Stevens. Die Schankmaid und damalige Freundin berichtet, dass sie ihn zuletzt am 29. April 1917 auf Highclere Castle besucht hat:
„Ihm ging es damals nicht gut, hat schlecht geschlafen und immer wieder so irre gelacht. Ich erkannte ihn garnicht wieder und habe versucht auf ihn einzureden. Er solle doch sein Tagebuch weiterschreiben. Nein, niemals war seine Antwort!“
Könnte dies das (Tage)Buch sein, das mir bei der Zustellung ins Hotel gestohlen wurde??
Jenny Thomson hält das „Verrücktsein“ der Überlebenden für vorgeschoben.
Peter Fleming hat seit dem 2. 12. 1917 Albträume über den Tod seines Freundes John Lachlan Cope:
„Ich sehe immer wieder Cope. Er beugt sich über eine weitere Person, die am Boden liegt. Als Arzt möchte er ihr helfen. Details sind nicht zu erkennen aber um beide herum tobt ein weisser Sturm, der sich zunehmend verdichtet, es folgt ein unheimliches Geräusch, eine Art Pfeifen, es nimmt an Fahrt auf… Dann erwache ich.“
6pm Portsmouth
Wir suchen die Witwe von Stenhouse, dem Ersten Offizier der Aurora, auf:
„Ich möchte endlich wissen was mit ihm geschehen ist. Er war ein Enthusiast, offenherzig. hatte Führungsqualitäten und für jede Schandtat bereit. Niemals aufgeben war seine Devise. Aber auch besessen von einem Buch mit XXV Kapiteln. Er meinte immer dass dem Buch noch Kapitel fehlen. Um welches Buch es sich dabei handelt, ist mir nicht bekannt, ausser, dass es unter Seefahrern sehr beliebt sei.“
Stenhouse suchte nach einem Buch mit 25 Kapiteln, bei dem noch einige Kapitel fehlten. Die fehlenden Kapitel sind in der Dokumentenmappe, die Cassilda jetzt hat, durchfährt es mich schlagartig…
Ich kehre ins Hotel Esplanade zurück und werde schon von der Polizei erwartet: Ein Päckchen adressiert an mich, wahrscheinlich mit einem Buch darin, wurde bei der Zustellung in der Hotellobby von einem Unbekannten gestohlen! Der Tathergang wird von den beteiligten Zeugen so beschrieben:
„Der Postbote betrat das Hotel. Auf der Strasse stellte der Lieferant sein Fahrrad ab. Ein in der Hotellobby wartender Mann stand auf, geht schnellen Schrittes auf den Postboten zu, rempelte ihn unerwartet an, schlug ihm dann ins Gesicht. Der Postmann ging zu Boden. Dabei öffnete sich die Posttasche und der Inhalt ergoss sich auf den Fussboden. Der Mann schaute kurz, griff sich gezielt ein Päckchen und rannte zum Ausgang, Der Zeitungslieferant betrat das Hotel mit einem Stapel Zeitungen und wird fasst umgerannt. „Halten Sie ihn!” ruft der Portier, aber aufgrund seiner Zeitungen hatte der Lieferant keine Hände frei. Draussen griff sich der Mann das Fahrrad und entschwand Richtung Stadtzentrum, vermutlich Hauptbahnhof. Der Portier kann sich dann noch daran erinnern, dass der Mann das Hotel etwa eine Viertelstunde vor dem Diebstahl betreten hat. Der Postbote sagt weiterhin aus, daß die Sendung circa die Maße 20 x 15 x 3 cm hatte und „recht schwer“ war und keinen Absender hatte.“
Ich werde beobachtet! Es gibt widerstreitende Kräfte um mich herum: Eine, die mich mit Informationen versorgen will und eine, die dies verhindern will…
Ich bleibe im Hotel, während der Colonel zum Hauptbahnhof eilt. In diese Richtung soll der Päckchendieb mit dem Fahrrad geflohen sein.
Ich wollte mir just einen Gin an der Hotelbar gönnen, als ein gewaltiger Knall in der Nähe das Hotel erschüttert. Aus Richtung des Hafens steigt eine schwarze Rauchsäule empor. Ich befürchte Schlimmstes und nehme sofort eines der Taxis, die vor dem Hoteleingang warten, und lasse mich zum Hafen bringen…
Dort herrscht hektisches Chaos. Das Lagerhaus neben der Quest ist explodiert, woraufhin drumherum einzelne Brände entstanden sind. Aus zerborstenen Maschinenölfässern läuft der Inhalt in das Hafenbecken und beginnt auf dem Wasser zu brennen. Durch die Detonation an die Kaimauer gedrückt, versucht die Quest abzulegen, bevor das Feuer sie erreicht. Angestrengt versucht die Crew von Bord aus, das Schiff mit Mastbäumen vom Kai zu stemmen…
Aus dem Lagerhaus höre ich Schreie: „Wir sind hier eingeschlossen! Helft uns!“
Ich schaue mich um: In der Nähe steht ein Foden, den ich als Rammbock und Toröffner nutzen will. Doch Carla erreicht ihn schneller und fährt mit Vollgas los. Sie trifft das Tor nicht, aber die Hauswand. Ich eile zu ihr, ziehe sie aus dem Cockpit, schwinge mich selbst hinein und starte einen zweiten Rammversuch. Auch ich verfehle das Holztor, setze den Wagen ebenfalls an die Wand und werde ohnmächtig…
Während ich über dem Lenkrad hängend betäubt auf Hilfe warte, stürzt das Dach der Lagerhalle ein und eine weitere Explosion, diesmal etwas nördlicher, erneut den Hafen erschüttert.
Mycroft erkenne ich, als ich die Augen wieder öffne und taumelnd auf die Beine komme. Er eilt dann zu Arcadia Lloyds´ Schiff, der Great Bell, die am North-Corner-Jetty liegt. Ich bleibe mit Carla bei der Quest, die nun wieder am Pier anlegt, nachdem das Feuer im Hafenbecken erloschen ist. Wir gehen an Bord. Es gibt keine Verluste unter der Mannschaft, andere Verluste sind noch unklar. Ein Blick über die Reling zeigt jedoch: Das Feuer auf dem Wasser hat die äußere Bordwand in Mitleidenschaft gezogen.
Der Colonel stellt in der Nähe der Great Bell einen flüchtigen Verdächtigen, der versucht sich unauffällig zu verhalten und so Mycrofts geschultem Auge auffällt. Er gibt zu, der Bombenleger in fremdem Auftrag zu sein und den Auftraggeber nicht zu kennen. Mycroft besticht ihn, dennoch einen Kontakt herzustellen. Doch der Bomb Planter wird im Dunklen erschossen, aus der Ferne, höchstwahrscheinlich aus dem Fenster eines nahen Hafengebäudes. Eine sich anschliesende Überprüfung der Wohnung des Toten ergibt nichts…
Erschöpft, mit stechenden Kopfschmerzen, kehre ich wieder ins Esplanade zur Nachtruhe ein.









