独逸に (Doitsu ni) – Nach Deutschland
Nach diesem kleinen Intermezzo setzen wir unseren Rückweg nach Jaca fort. Mari-chan geht es nicht besser. Sie ist in ein fiebriges Delirium verfallenen und nicht ansprechbar. Um die Mittagszeit herum erreichen wir Jaca. Mari-chan wird unter ärztliche Obhut gestellt. Nach einer Weile erfahren wir die Diagnose: Lepra im zweiten Stadium. Der behandelnde Arzt sagt, der Ausbruch der Krankheit hätte durch entsprechende Medikation verhindert werden können. Mari-chan ist noch immer ohne Bewußtsein, der Verlauf der Krankheit sei jedoch vorübergehend durch den Einsatz entsprechender Arzneimittel aufgehalten worden. Vorübergehend bedeutet, so erläutert uns der Arzt, dass die Krankheit beim Absetzen der Medikamente jederzeit erneut ausbrechen könne. Es sei sehr wichtig, dass Mari-chan regelmäßig ihre Medizin einnähme.
Lorudo-dono erkundigt sich, ob Mari-chan transportfähig sei. Der Arzt möchte sich dafür nicht verbürgen. Wir sind uns aber einig, dass wir Mari-chan nicht in diesem schlecht ausgestatteten Dorfhospital in Spanien zurücklassen und bestehen darauf, Mari-chan in ein moderneres Krankenhaus zu verlegen. Lorudo-dono übernimmt die Verantwortung und unterschreibt die Entlassungspapiere.
Nachdem wir nun auch die Pferde und Mullis zum Verleiher zurück gebracht haben, besteigen wir die Vickers Vimy. Die Maschine war ursprünglich gerade für den Transport von Kranken und Verletzten entwickelt worden, daher bereitet es uns nach ein paar kleineren Umbaumaßnahmen keine Schwierigkeiten, Mari-chan einen sicheren Transport zu gewährleisten. Der Nachmittag ist schon ein paar Stunden alt, als Mr. Ferguson die Maschinen startet und in Richtung Schweiz abhebt.
Um 19:15 landen wir auf dem Flughafen in Bern. Mari-chan wird sofort einem Ambulanz-Team übergeben. Lorudo-dono regelt die Formalitäten. Derweil erkundigt sich Henuri-san nach einer Weiterreisemöglichkeit. Als er vom Bahnhof zurück kommt, berichtet er, dass er drei Schlafabteile im Nachtzug nach Frankfurt am Main reservieren konnte. Der Zug fährt um 21:55 ab und soll Frankfurt planmäßig morgen früh um 4:25 erreichen.
Der Zug der Deutschen Reichsbahn fährt pünktlich ab. Ich teile mir ein Abteil mit Henuri-san. Gegen elf erreichen wir die Grenze nach Deutschland. Es klopft kurz an unserer Abteiltür. Ein uniformierter Grenzbeamter kommt herein und fordert uns auf, unsere Reisepässe zu zeigen. Wir kommen der Aufforderung nach. Der Beamte mustert meinen Pass etwas länger als den von Henuri-san. Dann stellt mir eine Frage, die ich nicht verstehe. „Sorry, I don’t speak German. Do you speak English?“, frage ich. In gebrochenen Englisch fragt mich der Beamte nun nach dem Grund meiner Reise. „Sightseeing“, antworte ich. Das Englisch des Mannes reicht nicht aus, um mein Anliegen zu verstehen. Es dauert einen Augenblick bis wir dem Beamten klar machen können, dass wir allein zu touristischen Zwecken einreisen und uns an den architektonischen und Naturschönheiten des Landes erfreuen wollen. Der Beamte nickt, notiert sich etwas in ein Heft und händigt uns unsere Pässe wieder aus. Ich bin erleichtert, als der Mann geht, ohne unser Gepäck näher zu untersuchen. Wir wirken offenbar harmlos und ehrlich genug, um einer umfassenden Zollkontrolle zu entgehen.
Ich lese noch ein wenig, bevor ich mich schlafen lege. Es ist kurz vor Mitternacht, als ich das Licht lösche.









