C-Day
…Ich komme wieder zu mir, alles ist wie in zähen Honig getaucht, nicht real…
Ich bin am frühen Morgen mit meinem König auf der Jagd. Ich reite ihm hinterher…
Er stoppt sein Pferd, steigt ab und zertritt dabei schmatzend eine Kröte. Dann schaut er mich an: “So, ihr also seid der, der meinen Bruder in den Schlaf schicken wird. So, so! Ich habe die Zeit angehalten, damit du es tun kannst. JETZT!”
Wieder falle ich in eine schwarze Leere und erwache in meinem Speisesaal. Er ist in gelb getaucht. Als ich versuche aufzustehen, ist es als ob ich mich durch eine hochviskose Masse bewegen muss, eine zähe Langsamkeit umgibt mich. Meine Banishment Crew ist ebenfalls wieder auf den Beinen und ich informiere sie über die Dringlichkeit, jetzt zu beginnen…
Die Zeit steht still. Wir bewegen uns wie durch eine Zeitlupe auf dieser Zeitebene und sind wahrscheinlich supersonic fast. Wir operieren auf göttlicher Zeitebene..!..!..!
Es ist soweit! Ich gebe die Order aus: In die Roben!
Treffpunkt Bibliothek: In 10 Sekunden!! Jeder rüstet sich auf…
Ich bin bereit, meinen Kampf aufzunehmen, mein Schicksal zu akzeptieren, koste es was es wolle. Ob ich jemals Highclere Castle und meine Familie wiedersehe, weiß ich nicht. Doch dies erscheint mir momentan auch nicht mehr wichtig zu sein…
Jetzt geht es um alles. Ich erhebe das Glas. Wir stoßen ein letztes Mal an. Ich sehe in vorbereitete Gesichter…
Ich öffne das Portal in meiner Bibliothek. Weitere Worte sind unnötig und wir durchschreiten es in der ausgiebig geübten Formation…
Doch ich lande nicht vor dem Becken, sondern irgendwo außerhalb von R’lyeh…
Die ganze Szenerie ist in gelbes Licht getaucht, Aldebaran strahlt durch das Venuspentagramm hindurch…
Ich sehe ein Schiffswrack. Doch dieses Bild kann mich nicht mehr locken. Meine Almina ist schon vor langer Zeit versunken…
Die Stadt liegt nicht mehr unter Wasser. Sie ist bereits aufgetaucht, Wasserstrudel fließen aus ihr heraus…
Die Stadt taucht weiter aus dem Meer heraus. Cthulhus Tentakel sind um den hohen Turm geschlungen. Er ist wach und bereit…
Wir steigen seitlich südlich in die Stadt ein und behalten unsere Ursprungsformation eilend an bekannten hohen Fassaden vorbei…
…und eilen leise, aber zügig durch die hohen Schluchten. Hinter einer Biegung wartet ein Scherge Cthulhus auf uns, ein Ebenbild von ihm, mit Klauen und stämmigen Beinen, allerdings “nur” 5m groß…
Ich löse die Formation auf. Mycroft geht nach vorne und übernimmt die Spitze. Er landet mit der Flinte einen Volltreffer, Blubber quillt aus seinem Körper. Wir wollen gar nicht hinsehen…
Doch es hält nur kurz inne, es regeneriert sich schnell…Ich rezitiere die erste Zeile des Bannspruches, doch sie verpufft wirkungslos. Das Sternengezücht kommt auf uns zu…
Mycroft setzt den IceZapper ein…Es zuckt zurück…
Mary-Ann schleudert ihm ein Drogenpack zwischen die Tentakel; Carla beginnt zu singen und entzieht ihm Lebenskraft…
Relentlessly wehrt sich die Creatur und wirbelt mit seinen Tentakeln umher. Mich trifft ein Prankenschlag und ich fliege durch die Luft, klatsche an einer Wand auf. Ich bin hart getroffen und sinke stöhnend in mich zusammen…
Mare ist zur Stelle und holt mich ins Leben zurück. Sie flößt mir eine ihrer Granulatmischungen ein, Carla überträgt mir magische Stärke…
Meine körperlicher Zustand verbessert sich sofort. Ich bin wieder da! Noch nie gab es so schnelle und tiefgreifende Hilfe, schon gar nicht während eines Kampfes…
Das Sternengezücht wurde überwunden und wir eilen weiter…
Auf der Strasse liegt ein Miniaturmodell eines Schiffes, das ich aufhebe und mitnehme. Es ist die exakte Kopie der Almina. Ich spüre, dies könnte mein Opfer sein. “Eine Entscheidung, die du treffen wirst.” höre ich die drei Weisen noch sagen. “Etwas Gestohlenes oder Persönliches…” Die Kugel oder die Almina…
Vor der letzten Biegung wartet ein weiterer 5m hoher Scherge Cthulhus auf uns. Ich werde mich aus jeder weiteren Kampfhandlung heraushalten. Mein Kampf wird später kommen…
Es ist das letzte Hindernis. Ich übe mich in Gleichmut, während Kugeln und Granaten fliegen, Carla stimmt wieder ihren Gesang an. Ein schleudernder Tentakel trifft Mary-Ann und wirft sie unsanft auf den Boden. Mycroft versucht das Vieh abzulenken. Doch erst als er seine Maske abnimmt und sich zu erkennen gibt, fokussiert sich das Sternengezücht auf ihn….
Jetzt werde auch ich aktiv. Ich schleudere meine Messer…und treffe zielgenau den Kopf des Wesens. Erst links, dann rechts. Es sieht aus, als ob ich dem Sternengezücht Hörner verpasse…
Mit unserem massiven Angriff können wir es töten. Ich sammle meine Messer wieder ein. Von vier geworfenen konnte ich nur zwei landen…
Vor der Biegung sammeln wir uns und nehmen die Kampfformation wieder ein. Ich gehe voraus. Jetzt beginnt mein Kampf…
Mit Marijas Seidenschal auf der Stirn, biege ich gesenkten Hauptes mit dem Blick auf den Boden gerichtet um die finale Ecke vor dem Becken…
Dicht hinter mir folgt Mare und baut das Podest auf, während ich den Ritualkreis ziehe. Die anderen kommen nach, wie hundertemale geübt…
Es klappt…wie am Schnürchen gezogen…
Ich beginne mit fester Stimme den Bannspruch zu zitieren:
“Uhl-uht-c—
Hyl-hjr-ar-eft-kju-eruz’n dor
Ig-jär-ig-j’hy-ogg-lhu“
Es rauscht, auf einmal steigt das Wasser. R’lyeh beginnt wieder im Meer zu versinken…
Ich lege das Miniaturmodell der Almina in den Kreis, als Opfergabe an das Ältere Wesen…
Es gurgelt, es blubbert…
Cthulhu wehrt sich gegen mich, doch ich kann mich erwehren. Ich singe rezitierend weiter. Das Wasser steht uns nun hüfthoch und das Schmatzen Cthulhus verstummt. Ich wiederhole seit mindestens einer Viertelstunde den Bannspruch, wie ein Mantra kommt es immer stärker werdend über meine Lippen…
“Uhl-uht-c-Hyl-hjr-ar-eft-kju-eruz’n-dor-Ig-jär-ig-j’hy-ogg-lhu“
Ich habe es geschafft!!
Cthulhu schläft wieder!!!
Er ist weg, nicht mehr zu sehen…
Ich öffne wieder das Portal und wir kehren alle unversehrt nach Highclere Castle zurück…
Wir landen wieder am Tanzabend, in unserer Festgarderobe, am Anfang der Tombola. Keine honiggelbe Masse umgibt mich mehr: Wir sind wieder zurück auf der für uns normalen Zeitebene…
Carla zieht die Lose…
Aus des Königs Augen ist die gelbe Besessenheit verschwunden. Ich lasse mir Mixed Pickles servieren…
Die Tombola läuft. Mein König verteilt mit großer Freude Bargeld an die Gewinner. Ein gewisser Hans Ast – ich bin mir sicher, er stand nicht auf der Gästeliste – gewinnt ₤20. Sir Colebrooks Los erhält ₤100, die e
r sofort dem Royal Charity Fund zur Verfügung stellt. Auch Ragnar gewinnt eine beträchtliche Summe, die er lächelnd einstreicht…
Nachdem alle Lose gezogen wurden, wird lustig weiter gefeiert…
Ich tanze mit meiner Frau, mag sie gar nicht mehr loslassen. Ich bin entspannt, kaum erschöpft und kann es kaum glauben, dass ich verlustlos nach allem wieder zurück gekehrt bin. Ich sehe in ihr glücklich entspanntes Gesicht. Ab und zu stockt mir noch der Atem. . .
Ich drehe mit ihr schwungvoll den letzten Tanz des Abends, bevor es zur Nachtruhe geht. Der König zieht sich mit seiner Familie in seine vorbereiteten Gemächer auf Highclere Castle zurück…
Mit meiner Frau verabschieden wir gemeinsam die letzten Gäste…
Während das Personal den Saal und das Buffett beräumt, bestehe ich auf eine letzte, still tanzende Ehrenrunde. Ich fasse meine Frau eng an die Hüfte und beginne mich langsam mit ihr zu einem imaginären Walzer zu drehen. Diskret wie immer, tut die Belegschaft, als ob wir unsichtbar wären…
Als unser nicht vorhandenes Orchester mit seinem Spiel aufhört, küssen wir uns. Ein Kuss außerhalb der Zeit…
Einer der wenigen unter Tausenden, den man nie wieder vergisst…












