Pentapodic Labour and Logistics
12 January 1922 Thursday 52/9
Wir kehren zu weiteren Untersuchungen in die Graue Grotte zurück.
Über den Stelen und dem Becken befinden sich Glyphen, die wir nicht entziffern können. Mein Pendel schlägt an den Stelen aus, aber bleibt am Becken ruhig Mir wird klar, dass die 5 Stelen magisch und älter sind als die Stadt der Pentapoden: Sie entstammen aus einer völlig anderen Kultur. Im Becken lebt ein uraltes Wesen, mindestens so alt wie die Stelen…
Mare steckt ihre Hand in den schlierigen, grauen Schleim, der ein wenig zurückzuckt, sich aber berühren und Mares Hand eintauchen lässt…
Aus den zwei Durchgängen am anderen Ende der Grotte spüren wir einen leicht windigen Durchzug:
Sie haben Zugang zur Oberfläche!
Wir gehen in den einen hinein, bald wechseln wir von grober Felsoberfläche zu glatt verkleideter Steinwand, der uns zu einem 5eckigen Verteilerraum führt, von dem zwei weitere Gänge abgehen. Wir folgen dem Luftzug. Leicht aufwärts geführt erreichen wir nach 300 m einen Rampenteiler: Eine Rampe führt hinauf, die andere hinunter. Wir steigen weiter aufwärts und befinden uns kurz darauf in einer Tunnelröhre mit Plattform. Das Design kennen wir: Es ist die exakte Kopie einer Londoner Tube Station. Oder umgekehrt: Die Londoner U-Bahn ist eine exakte Kopie dieser Struktur…
An der Wand eine Glyphe mit einer Namenskartusche, die wir schon über den Becken in der Grotte gesehen haben: Der Stationsname ist identisch mit dem Namen des grauen Schleims in der Grotte….
Unweit des Bahnsteigendes liegt eine runde Transportplattform, deren untere Mechanik in die mittlere Steinrinne des Tunnels passt, der wohl das Gleisbett darstellt. Die Pentapoden sind unterirdisch mit Monorail unterwegs…
Wir kehren zum Rampenteiler zurück und nehmen jetzt die Rampe nach unten. Wir stoßen auf eine identische U-Bahn-Station mit gleichem Röhrenverlauf wie über uns…
Diese Röhrensysteme wollen wir nicht weiter untersuchen und kehren zurück zum 5eckigen Verteilerraum, um den zweiten Gang zu untersuchen. Aus ihm hören wir leise knirschendes Schmatzen, schleichen vorsichtig hinein und können kaum glauben, was wir sehen:
In einer Halle stehen hunderte von festgewachsenen, nackten Pinguinen, die wir schon kennen, die Schnäbel nach oben gerichtet, aus denen orchideenähnliche Pflanzen wachsen. Wo die Blüten sein sollten, erkennen wir kleine 5eckige Formen, aus denen ein einziges Auge wächst, die uns vereinzelt anschauen. Es müssen mehr als 500 von ihnen sein…
Eine grafische Glyphe an der Wand zeigt, wie kleine Pentapoden aus den Pinguinen wachsen. Wir befinden uns in der Aufzuchtstation der Stadtbewohner!
Carla hört es leise rauschen aus dem Nachbargang: Ein Pentapode arbeitet auf einem Arbeitsblock aus Stein. Wir wollen Kontakt aufnehmen. Ich lege mir mein Älteres Zeichen unter die Zunge und spreche die magischen Worte, um die Älteren zu verstehen…
Wir nähern uns vorsichtig. Der Pentapode dreht sich um und schaut Mare an. Dann verschwindet er schweigend im Dunklen vor uns. Etwas fällt von seinem Arbeitsblock auf den Boden…
Mare steht bewegungslos erstarrt zwischen uns und reagiert auf keinerlei Ansprache. Nach drei Minuten kommt sie leicht zitternd wieder zu sich und bricht erstmal zusammen. Sie hat alles mitbekommen, aber war gelähmt, wie versteinert…
Wir schauen uns in diesem Höhlenraum um. Heruntergefallen von dem Arbeitsblock liegt eine Fliegerjacke aus schwerem Leder, mit Blutspuren auf einem der Oberärmel. Sie wurde hier von dem Pentapoden untersucht: Knöpfe und Außentaschen wurden bereits entfernt…
Mycroft entdeckt die Initialen seines Onkels Henry Winterbottom auf der Jacke: H. W.
Sein Gesichtsausdruck zeigt tiefe Bestürzung…
Wir finden noch mehr Gegenstände der Aurora Expedition auf weiteren Untersuchungsblöcken: Nahrungsvorräte in Dosen, Pemmekan und verschiedene Werkzeuge. Weiter hinten liegen ausgetrocknete Körperteile der Jungpentapoden aus der Zuchtstation auf Untersuchungsblöcken…Körper…Flügel…
Dieser Ort hier ist so etwas wie eine museale, archäologische Forschungsstation…
Auf der einen Laborseite sind 3 Nischen eingelassen, in denen sich jeweils 1,70 m hohe Hohlzylinder mit 5 Löchern darin befinden. Jede der 3 Hohlzylinder besteht aus einem anderen Material. Symmetrisch auf der gegenüberliegenden Felswand befinden sich Proben von Hundezungen, menschlichen Daumen und Fingern, sowie ganzen Händen. Sie sind vollständig eingelassen in Probenbehälter, die aus dem gleichen Material bestehen, wie der glasige Hohlzylinder in der Nische auf der gegenüberliegenden Felswand.
Uns zieht es in den letzten, noch nicht untersuchten 3. Gang. Er endet in einer Y-Öffnung zu zwei Räumen, aus den jeweils eine andere Farbe schimmert…
In der bläulich weiß leuchtenden Höhle wachsen große weiße Pilze in einem Becken, das mit Resten toter Pinguine gefüllt ist, von denen sie sich ernähren. In der Wand eine Glyphe, die wir schon aus dem Nahrungsmittelsilo kennen: Pilz. Die Höhlenwand ist bedeckt von Matten, gebildet von Flechten, die den Raum bläulich schimmernd erleuchten.
Eine weitere Öffnung. Ein kurzer Gang führt zu einer Kammer, in der die Pilze zerkleinert und getrocknet werden. Werkzeuge sind keine sichtbar.
Der finale Ausgang endet in einer im Durchmesser 10m weiten Röhre, die senkrecht zur Oberfläche durchstößt. Für uns kein Ausweg, aber für die Pentapoden schon, denn sie können ja fliegen. Ein Versorgungsschacht…
Auf dem Rückweg erntet Mare gierig grinsend einen Pilz, der größer ist als ihr Kopf:
„Lord, heute gibt es Pilzsuppe!“
Wir schauen in die orange leuchtende Höhle hinein, in der auch ein Becken ist. In ihr kriechen Seesterne über die lumineszierenden Flechten der Höhlenwände und -decken. Auch hier befindet sich eine angeschlossene Kammer, in der Seesterne an Haken gehangen auf ihre Trocknung und Verarbeitung warten.
Der Colonel geht alleine in den sich anschließenden Gang, um nach seiner Rückkehr zu berichten, dass er einen umgestürzten, oder abgestürzten Turm in einer verschütteten Röhre gesehen habe, aus der ein weißer Lichtschein zu sehen und `ti ke li li´ zu hören war…
Es wird Zeit die Rückkehr zu unserem Lager am Sunless Ocean anzutreten. Als wir aus der Grauen Grotte heraustreten wollen, versperrt uns ein Pentapode den Weg…
Ich schaue vorbei,
nur nicht in die Augen schauen.
Diesmal erstarrt Mary-Ann…
Er kommt näher, vorsichtig, langsam…
Ich beginne lautstark und lasse meine Crew die britische Nationalhymne anstimmen…
…Ich erstarre abrupt…
Der Pentapode streicht über die graue Substanz, ohne sie zu berühren und wir hören: „Ubo sadl´ha“
Der Colonel zeigt auf den Schleim und fragt: „Ubo sadl´ha“
Der Pentapode zeigt auf ihn und sagt: „Ubo sadl´ha“
Und verschwindet daraufhin…
Der Colonel ist mal wieder zur Stelle und fängt mich auf, als ich beginne mich aus der Starre zu lösen.
„Ubo sadl´ha“ ist wahrscheinlich der Name der Ursuppe und die lautmalerische Aussprache der Namenskartusche über dem Becken. Ist das dort der Urschleim, aus dem wir entstanden sind?
Mare kocht direkt vor dem Becken die Pilzsuppe zu unserer Stärkung.
Nicht besonders schmackhaft, aber sättigend!
Mit neuer Kraft erkunden wir den zweiten Ausgang der Grauen Grotte. Eine hohe trapezförmige Rampe steigt aufwärts an zu einem im Querschnitt sechseckigen Raum. Auf den Tischen im Raum stehen Probenbehälter, mit Urschleim gefüllt, der sich bewegt. An den oberen schrägen Wänden hängen Zeichnungen
Die Pentapoden haben die Evolution der Erde designt aus dem Urschleim aus dem Becken.
Wir stehen in einem Labor für genetische Experimente und Züchtung neuer Arten.
Wir verstummen, als uns klar wird, dass auch wir ein genetisches Produkt der Pentapoden sind, vielleicht sogar auch aus diesem Labor. Alle Tiere und Pflanzen, die es auf unserem Planeten Erde je gab und heute gibt, sind ein Produkt der genetischen Ingenieurskunst der Pentapoden!
Well, nun sind wir doch tatsächlich unseren Schöpfern begegnet…
In den Wandnischen liegen verschiedenste Gegenstände unterschiedlicher Herkunft, die wie wie Ausstellungsstücke präsentiert werden: Tontafel, Tritonschnecke,..
Vom Labor aus geht es weiter in einen zylindrischen Raum, in dem anstatt Nischen kugelige Räume eingelassen sind. Darin wabert in einer Blase, die sich mit Fäden, die sich an der Kugelwand festhalten, im Raum aufgespannt hat, Urschleim. Wir schauen in Fruchtblasen, in denen wir schemenhaft Wesen mit Extremitäten beim Heranwachsen zuschauen können…
Ein finaler Ausgang führt wieder zu einer hohen Zylinderröhre mit Zugang zur Oberfläche. Diesmal mit einer begehbaren Spiralrampe, die wir allerdings nicht hochgehen werden.
Wir fassen unsere Aufzeichnungen zu einer Karte der von uns untersuchten Höhlensysteme zusammen:
Wir kehren zu unserem Lager am Sonnenlosen Ozean zurück, wo wir eine weitere Nacht verbringen


















