空の儀式 (Kara no gishiki) – Das verfehlte Ritual
Im ersten Licht des Tages bemerken wir auf den Wiesen rechts der Straße etwas, was uns in der Dunkelheit der Nacht verborgen geblieben war: auffällige im Kreis aufgestellte Steinformationen. Der Lord weiß, dass dies wohl neolithische Steinkreise sind, die von den frühen Menschen auch zu Ritualzwecken genutzt worden sein sollen.
Aus der Dämmerung kommt ein Licht auf der Straße aus Richtung Dartmeet auf uns zu. Es ist ein Polizeiwagen, dem Anschein nach ein Gefangenentransporter, aber ohne Passagiere. Der Wagen kommt auf unserer Höhe zum Stehen. Der Officer, der sich uns als Sergeant Dickenson vorstellt fragt, ob er uns helfen kann und wir berichten ihm von unserem Dilemma.
„Sie fahren nachts durch das Dartmoor?“, fragt der Sergeant verwundert, „Das macht man nicht“, belehrt er uns weiter. Dann bietet er uns an, uns bis Princetown mitzunehmen. Den Wagen des Lords nimmt er ins Schlepptau. Mycrofts Wagen bleibt zunächst zurück.
Sergeant Dickenson erzählt uns vom Dartmoor. Tagsüber sei es überaus idyllisch, aber nachts ist es unheimlich. Er kennt Charles Upperton, dessen Spur uns überhaupt erst hierher geführt hat, und weiß, dass dieser, wenn überhaupt, gelegentlich im General Store von Peter Wernow anzutreffen sei.
In Princetown angekommen, lässt uns Sergeant Dickenson vor dem Rowe’s Duchy Hotel aussteigen. Auf dem Weg dorthin passieren wir den Pub „The Devil’s Elbow“.
Wir checken im Rowe’s Duchy ein und genehmigen uns ein gutes Frühstück. Ich kann nicht viel essen, fühle mich noch immer geschwächt. Während meine Freunde Ustors Komplizen verfolgen und sich um die Reparatur unserer Automobile kümmern, entschließe ich mich, meinem Körper noch weitere Ruhe zu gönnen. Ich schlafe tief und traumlos und wache erst am späten Nachmittag wieder auf. Ich fühle mich deutlich besser und erholt. Mein Bein schmerzt noch immer, aber die Wunde heilt. Ich wechsle die Verbände, kleide mich an und humple auf meinen Gehstock gestützt in Richtung Hotellobby. Mir ist nach einem kräftigen Drink und suche den Pub, an dem wir bei unserer Anreise vorbei gekommen sind, auf. Dort treffe ich den Lord. Er berichtet, dass er mit dem Bürgermeister von Princetown gesprochen hätte, der uns gerne seine Hilfe angebietet und uns die Werkstatt des Princetown Prison für die Reparatur des Silver Ghost zur Verfügung stellt. Mare ist dort noch mit den Arbeiten beschäftigt.
Später stoßen Carla, Mycroft und Cyril zu uns. Sie setzten uns über die Ergebnisse ihrer Investigationen um Charles Upperton in Kenntnis. Upperton war heute in Peter Werdows General Store gesehen worden, er ist also wohl zu Hause. Vor wenigen Tagen soll er mit einem Taxi aus London zurück gekommen sein. Die Nachbarn beschreiben ihn als seltsam und eigenbrödlerisch. Wenn er sich in Princetown aufhielt, verließ er nur selten das Haus.
Wir schmieden Pläne für unser weiteres Vorgehen. Wir entschließen uns, heute Nacht in das Haus von Upperton einzudringen und den Pergamentdieb dingfest zu machen. Da wir kein offizielles Mandat für die Ermittlungen haben, müssen wir unauffällig agieren.
Gegen neun Uhr am Abend beginnen wir unsere Mission. Nach den Ereignissen, die sich jüngst in London zugetragen haben, sind wir auf alles gefasst. Der Lord, Cyril und ich wollen uns über den Hintereingang Zutritt verschaffen, während Carla und Mycroft über die Vordertür in das Haus eindringen wollen. Mare nimmt nicht an unserer Mission teil. Sie widmet sich weiter der Reparatur des Silverghosts des Lords.
Die Türen von Uppertons Haus sind nicht besonders gut gesichert, so dass sie unserem Begehren nach Einlass schnell nachgeben. Im Innern des Hauses stoßen wir auf Carla und Mycroft. Ein penetranter, überaus unangenehmer aber nicht näher definierbarer Geruch liegt in der Luft. Wir sicher die Räume und dringen weiter vor in Richtung Kaminzimmer. Es herrscht gespenstische Stille.
Vor dem Kamin steht ein großer Ohrensessel. Mycroft und ich gehen mit unseren Waffen im Anschlag voran, um zu sehen, ob jemand in diesem Sessel sitzt. Was wir entdecken, lässt uns beinahe des Blut in den Adern erstarren. In dem Sessel sitzt ein geschmolzener Mann, in den Händen zwei von Carla’s Pergamenten haltend. Ich muss mich konzentrieren, um den Brechreiz, den der Anblick bei mir auslöst, zu unterdrücken. Wir durchsuchen das Haus, doch außer den beiden Pergamenten, die wir an uns nehmen, und ein paar handschriftlichen Notizen zu den Schriften in Uppertons Arbeitszimmer finden wir nichts von Wert oder Interesse.
Wir sind uns einig, dass wir die Spuren unseres Einbruchs und des misslungenen Rituals verwischen müssen.
„Ich werde mich darum kümmern“, versichert Mycroft. Wir anderen gehen zurück zum Devil’s Elbow und warten, bis der Colonel diesen Job erledigt. Gerade wird der Last Call für den heutigen Abend ausgerufen. Die Zeit steuert auf die zehnte Stunde des Abends zu und es nähert sich die Sperrstunde.
Etwa eine halbe Stunde später stößt Mycroft, begleitet von dem Geräusch einer heftigen Explosion zu uns. Uppertons Haus steht in Flammen und helle Aufregung herrscht unter den Bewohnern der Stadt.









