IN ITINERE
Meine Taschenuhr zeigt acht Uhr dreissig als die schottische Kartoffelsuppe serviert wird, die ich empfohlen hatte. Mmmh.
Natürlich nicht! Mrs von Humboldt hat sich von den Pilzen verführen lassen. Laut Aussage wurde sie dabei in den Kampf mit einem ‘Gruselhundewolf’ verstrickt, der ein gelbes Hemd trug. Mr Sanjuro wirft ein das ein Angestellter bei Mrs Bancroft ebenfalls ein gelbes Hemd trug. Auch zeigt das Bild aus Boston ja ein wolfsähnliches Wesen. Auffällig viele Parallelen, handelt es sich um einen Werwolf?
Während die anderen in das St Marys Hospital fahren tauschen Mrs Nidelven, Mr Sanjuro und ich uns über Mrs Bancroft aus. Hat sie den Mord veranlasst? Das Gemälde gestohlen? Wir könnten sie mit dem Mord konfrontieren. Aber Mrs Nidelven wirft ein, daß wir uns hier auf sehr dünnem Eis bewegen. Wir haben nur einen Verdacht, keine Beweise. Wir könnten das Gemälde von Mrs Bancroft stehlen. Aber auch diese Idee bleibt erstmal im Hinterkopf. Während des Gespräches fällt mir erneut auf wie still es um Mr Okumura seit seiner Rückkehr geworden ist. Was bedrückt ihn, was für Informationen hält er zurück?
Die Visite ist zurück und berichtet aufgeregt: Mr Blakeley wurde von ‘Freunden’ besucht. Sie haben amphibische Abdrücke, Salzwasser und Seegras hinterlassen. Die Verwandlung ist in einem gefährlichen Stadium; so haben sich Pseudopodien gebildet, deren Opfer fast Mrs von Humboldt geworden wäre, hätte Lord Carnarvon nicht beherzt eingegriffen. Auf der Rückfahrt der nächste Schreck: Mrs von Humboldt wollte bei voller Fahrt plötzlich aussteigen um zum Hospital zurückzulaufen. Sie ruft ununterbrochen: ‘Meine Forschung, Meine Forschung’ und wird vor meinen Augen unvermittelt ruhig gestellt. Sie muss infiziert worden sein, ähnlich wie Mrs Tillstrom oder die Ärzte die den Patienten unmittelbar umgeben.
Nun überlegen wir eines der Bilder tatsächlich zu ‘bereisen’. ‘Schicksal’, so denken wir, währe das Geeignete. Es zeigt keine unserer Orte.
Bevor wir die Reise antreten betrachtet Lord Carnavon es noch einmal genauer und siehe da, es hat sich verändert: Bett und Mr Blakeley sind hinter schwarzem Rauch verborgen. Es stinkt ähnlich wie im Hospital.
Nun gut, Mrs Nidelven, Mrs Abdullah al Charie, Mr Sanjuro und ich bereiten uns schliesslich vor. Ältere Zeichen, Roben, Henkelkreuz und weiteres – alles dabei. Aus meinem magischen Seil legen wir einen Schutzkreis um das Bild. Nicht das wir versehentlich noch ‘etwas’ von unserer Reise mitbringen.
Leider darf ich nicht Lady Almina fragen, ob sie an dieser Expedition teilnehmen möchte. Bestimmt eine interessante Erfahrung für sie und es ist ja auch ihr Bekannter.
Dann geht es los. Und es ist, wie schon beim ersten mal, ‘faszinierend’. Umso länger ich es betrachte umso realer wird es und stehe schließlich in dem Raum. Und außer Robe, Zeichen und Kreuz habe ich nichts an oder bei mir! Aha, anscheinend können nur magische Gegenstände in das Bild reisen. Ob die Zurückgebliebenen uns nun in dem Gemälde sehen?
Aus dem Rauch, der das Bett verhüllt, schwingen bedächtig Pseudopodien. Es tritt beachtlich Protoplasma aus das sich in Pfützen auf dem Boden sammelt. Schatten, die an den Wänden hin und her huschen, machen mir Angst. Ein süßlicher, bestialischer Gestank liegt im Raum.
Was nun? Den Pseudopodien ausweichen und den Schatten entkommen? Wohl eher nicht. So empfehle ich einem Gang zu folgen, der sich hinter uns befindet. Zur Sicherung halten wir uns an den Händen. Ich gehe voran, dann Mr Okumura, dann Mrs Nidelven, Mrs Abdullah al Charie bietet die Nachhut. Meine Güte, die Hand von Mr Okumura, ganz kalt und zittrig!
Es ist der unbeleuchtete Flur eines Hospitals. Beim tasten stelle ich fest, daß sich die seitlich gelegenen Türen nicht öffnen lassen. Zudem scheint sich der Boden zu bewegen. Schließlich fängt der Flur an sich zu winden, steiler zu werden, wir müssen klettern um ihm noch zu folgen. Ich spüre einen Ruck in meinem Arm, jemand hinter mir muss abgerutscht sein. Zum Glück können wir uns gegenseitig halten. Aber nun wird auch für mich der Aufstieg zu steil, ich rutsche ab und dann geht alles ganz schnell. Wir rutschen in den Raum zurück, aus dem Augenwinkel sehe ich wie sich Mr Okumura abrollt, aufrichtet und kampfbereit dasteht. Wau, daß würde auch Indy sagen.
Nun gibt es nur noch den zweiten Weg, das Portal hinter dem Bett erreichen. Ich renne los. Das Ältere Zeichen und meine Robe scheinen etwas zu wirken aber ich bin doch zu langsam. Die Pseudopodien versuchen mich abzufangen, auch ihre Reichweite ist länger als gedacht. Ich bin wie gelähmt als unerwartet eine Hand nach mir greift und mich aus der Gefahrenzone zieht.
Das ‘Portal’ stellt sich als rostige übergroße Eisentür heraus. Ein Riegel muss umgelegt werden um sie zu öffnen. Gemeinsam legen wir Hand an und es gelingt. Aber was für ein Fehler! Als sich die Tür öffnet höre ich Meeresrauschen, eine Szene unter Wasser, am Horizont ein Schatten. Und dann ergiesst sich mit ungeheurem Druck das Wasser in den Raum. Ich höre noch ‘Teleportiert Euch zur Lichtung’, aber wie soll das gehen? Ich drohe zu ertrinken, sehe noch die Sonne durch das Wasser glitzern als ich…
…erwache, ich bin völlig verwirrt, pudelnaß, spucke Salzwasser, liege auf dem Boden vor dem Gemälde. Neugierige Blicke sind auf mich gerichtet. Ist Alles ok. Henry?
Soweit, ich lächle schief,
Mrs Nidelven beschreibt den Unterwasser-Schatten näher: Er sei eine große Masse mit einer Vielzahl feiner Pseudopodien, gekrönt mit dem Haupt von Mr Blakeley. Umgeben ist das Wesen von seinen fischartigen schwarzen Dienern. Und beim betrachten durchfuhr sie das schauerliche Gefühl dieses Monstrum seit Jahren zu kennen.
Interessant, das Mr Blakeley letztendlich sein eigenes Schicksal gemalt hat. Fast wäre es uns auch so ergangen. Mrs Abdullah al Charie schlägt vor das Gemälde unverzüglich zu verbrennen. Ich lehne ab. Lord Carnarvon ergänzt: Es sei derzeit sein Eigentum. Mich durchfährt es siedend heiß – Henry, Du hast deine Schulden noch nicht bezahlt!Umgehend stelle ich ihm einen Scheck aus, als er ihn entgegennimmt sagt er trocken: ’Nun ist es Henrys Eigentum.’
Also, es darf nicht verbrannt werden, es ist nun mein Bild!
Am Mittagstisch ist Mrs Abdullah al Charie sehr aufgeregt und findet unser Vorgehen ‘unsinnig’ und möchte sich, wenn kein vernünftiger Plan gefasst, umgehend in die Pyrenäen zurückziehen. Wird sie eta wahnsinnig?
Apropos Rückzug. Hatte Mr Baldridge nicht erwähnt, daß sich Mr Pickmann nach Halifax zurückgezogen hat? Henry, Du wirst echt vergesslich.
Nach dem Mittagessen machen wir uns bereit das zweite Gemälde zu bereisen. Diesmal bilden Mrs Abdullah al Charie, Mrs di Fiona, Mr Sanjuro und ich das Team. Wir wissen nun, daß nur magisches in das Gemälde wechseln kann. Da das magische Seil bei unserem ersten Besuch nutzlos war nehme ich es ebenfalls mit.
Ausgestattet mit magisch Notwendigstem stehen wir auf einer Anhöhe und blicken auf den Friedhof. Wir erwartet sehen wir die vier Abenteurer, die blitzenden Augen, die langen Schatten zwischen den Gräbern, das kauende Geschöpf. Ja jetzt bin ich mir auch sicher: Es ist definitiv nicht der Arm meiner Frau.
Schnell überqueren wir den Friedhof und gehen in die erleuchtete Stadt. Die Bewohner sind in ihren Bewegungen eingefroren, so hält ein Mann ….
Ich lausche, Mr Pickmann scheint mich zu rufen: Hier Entlang.Ich folge seinem Ruf und gelange in das Armenviertel. Die anderen wollen mich davon abhalten, aber folgen mir schließlich zögerlich.
Mrs die Fiona ruft ’blöder Schotte, falscher Weg’ als plötzlich aus einer Seitengasse ein hundeartiges Wesen springt. Diesem kann ich ausweichen und so greift es Mrs di Fiona an. Mr Okumuras versucht zu helfen, aber seine Kampfkünste versagen komplett, er trifft nicht das Wesen, sondern Mrs di Fiona mitten ins Gesicht. Diese bricht daraufhin zusammen und verschwindet vor meinen Augen? Ich trete noch einmal zu – daneben. In Panik halte ich das Henkelkreuz vor mich. Das Hundeartige erstarrt und grunzt: ‘Wer bist Du?’ – ‘Ich bin Henry.’ – ‘Was willst Du?’ – ‘Mit Pickmann sprechen.’ – ‘Geht zum Friedhof zurück, dies hier ist kein Ort für Euch.’
Zu dritt kehren wir zum Friedhof zurück. Ich halte das Henkelkreuz in die Höhe und rufe lautstark nach Mr Pickmann. Kurz darauf kommt eines der hundeartigen Wesen auf uns zu: ‘Nicht so laut. Du bist Henry?’ – ‘Ja, und wir suchen Mr Pickmann. Ein Freund von ihm benötigt seine Hilfe.’ – ‘Folgt mir!’
Er führt uns zu einer nahe gelegenen Grabstätte. Diese ist frisch ausgehoben. Darin liegt ein Sarg ohne Deckel. Der Sarg selbst hat keinen Boden, stattdessen führt eine Treppe hinab. Ich nehme mir eines der Grablichter.
Beim Einstieg in dieses unterirdische Reich flüstert mir Mr Okumura zu: ‘Henry, ich höre ein Schnuppern hinter mir und habe große Angst.’ Ich denke mir er braucht sofort ein vertrautes Gefühl und nehme ich in bei der Hand. Sie ist ganz kalt und zittrig, wie schon im ersten Gemälde.
Im Verlauf folgen wir dem Wesen, queren dabei einen großer Gang mit ausgemauerten Wänden, einem Durchgang, dann links, stolpern in einem Stollen, dringen tief ein in das unbekannte Gangsystem. Schliesslich öffnet das Wesen eine Tür und wir stehen unter freiem Himmel. Vor uns erstreckt sich ein großer Wald und Hügel. In der Flanke des Hügels ist eine Höhle zu erkennen und unser Anführer steuert zielstrebig darauf zu.
Als wir sie betreten folgen wir zunächst einem gewundenen Gang der leicht abwärts führt. In einer Höhle sitzen einige der Wesen an Tischen, würfeln mit Knochen, geben fipsende Laute von sich und tauschen getrocknete Augen. Anscheinend das hiesige Zahlungsmittel.
Wir kommen in einen weniger belebten Bereich. An den Wänden hängen die Gemälde bekannter Künstler, darunter deren Gräber. So unter anderem van Gogh oder Goya.
Schliesslich folgen wir einem bogenförmigen Gang, erreichen eine große Höhle. Unser Anführer ruft: ‘Pickmann, du hast Besuch!’, dann verzieht er sich.
Dann tritt Mr Pickmann aus dem Dunkel, er ist kein Mensch mehr. Er ist von hundeartiger Gestalt, pelzig, hat Pinsel und Palette zur Hand.
Wir mögen eintreten und wir bitten um Hilfe für seinen Freund Mr Blakeley. ‘Nelson ist zu weit gegangen. Er wollte besonders aufwühlende Motive schaffen, unter anderem einen berühmten Magier porträtieren, ihr kennt ihn’. ‘Ja leider.’ murmelt Mr Okumura. Ich muss lächeln.
Er berichtet uns das nur sein Volk die Wege zwischen den Welten kennt. Ich nehme mal an es handelt sich um die reale und die Traumwelt.
Mrs Abdullah al Charie fragt Mr Pickmann wie wir Ghadamons irdische Geburt verhindern können. ‘Es gibt eine alte böse Frau, ihr würdet sie Hexe nennen. Sie besitzt ein Buch. In dem Buch stehen Rituale betreffend Ghadamon, ihn zu bannen, zu rufen und einiges anderes was ihr nicht lesen solltet. Die Hexe, sie schläft auf einem Friedhof und war in der Lage in den See zu gehen.’
Nachdem ich dankend abgelehnt habe eines seiner Gemälde zu betrachten öffnet Mr Pickmann eine Tür und führt uns zur letzen Stätte der Hexe. Auf dem Weg erzählt er weiter: ‘Mr Blakeley wollte zum sterilen See reisen, darum hat er auch das Gemälde angefangen. Dieser See liegt östlich des Pilzwaldes. In ihm liegt seit Äonen wartend, fressend, wachsend die Larve Ghadamons um schliesslich die Traumlande zu verlassen.’ Und fährt fort: ‘Ghadamon ist ein Halbbruder von Cthulhu.’
Als wir aus dem Gang heraustreten ist es bereits Nacht und wir blicken auf wieder auf einen riesigen Friedhof. In exponierter Lage steht in etwa 800 Metern eine eindrucksvolle Gruft.

Wir queren rasch den in silbrigen Bodennebel gehüllten Ort. Die Grabmäler scheinen ohne Ausnahme aus Obsidian geschaffen und sind mit interessanten Runen versehen. Leider kann ich sie jetzt nicht studieren.
Als wir uns der Gruft nähern sehen wir das die Tür halb offen steht. Nun lasse ich auch Mr Okumuras Hand los, sie ist inzwischen deutlich wärmer und zittert nicht mehr. Aber kurz darauf schaut er mich an: ‘Henry, ich sehe wieder diese Schatten.’
‘Moment’ antworte ich und spähe vorsichtig durch den Türspalt. Kerzenlicht entflammt.
Ich beschreibe die Szene: ‘Ein ca 4 x 6 Meter messender Raum. Ein umlaufender Fries in rund 1.80 Metern Höhe. Auf ihm stehen Messinghalter mit Kerzen. Dazwischen liegen Opfergaben in Form von Knochen und Tierschädeln die in tückischen Hörnern auslaufen. Etwas zurückgesetzt steht ein 1,20 Meter hoher Block, auf dem ein Sarg mit Kristalldeckel liegt. Hinter dem Sarg, auf dem Fries, liegt ein aufgeschlagenes Buch. Das muss es sein.’
Mrs Abdullah al Charie und Mr Okumura empfehlen lieber nicht den Boden der Gruft zu betreten. Dann stelle ich mich in den Türrahmen und per Räuberleiter klettert Mrs Abdullah al Charie auf den Fries. Dieser ist ausreichend stabil um sie zu tragen.
Vorsichtig schleicht sie in Richtung Buch. Aber sie stößt gegen einige Knochen und macht Geräusche. Der Sargdeckel knackt und bekommt Risse. Sie rennt los. Als der Kristalldeckel explodiert stürzt sie und fällt hinter den Block und verschwindet aus meinem Sichtfeld.
Zu allem Übel erhebt sich eine Mumie aus dem Sarg die auf widerlichste Art und Weise die Nacht beschwört. Es wird abrupt dunkel. Ich rufe noch Mrs Abdullah al Charie zu, sie solle das Buch zum Ausgang werfen. Dann werde ich von der Mumie angegriffen, kann aber ihrem Hieb mit der Klaue ausweichen und beginne hilflos über den Friedhof zu stolpern. Aus dem Augenwinkel kann ich sehen wie Mr Okumura von der Mumie gegriffen wurde und kopfüber wie ein Fasan an ihrem ausgestreckten Arm hängt. Ich denke mir. ‘Wach, wach! Wir haben doch das Buch!’
Meine Taschenuhr zeigt sechzehn Uhr als ich verschreckt und verstört das Gemälde verlasse. Das Buch Eibon ist in Mrs Abdullah al Charies Besitz!
Lord Carnarvon lässt Apfelkuchen und heißen Tee servieren. Lord Carnarvon und ich müssen uns das letzte Kuchenstück teilen. ich teile, er wählt. Zu meiner Überraschung überlässt er mir das etwas größere Stück. Nähern sich England und Schottland jetzt weiter an?
Nachdem serviert wurde zeigt uns Mr Sanjuro sein Bein. Die Stelle, an der ihn die Hexe gepackt hat, ist schwarz verfärbt. Deutlich ist der Klauenabdruck zu erkennen. Es tue aber nicht weh wird uns versichert.
Uns wird klar: Mr Blakeley hat sich die Larve von Ghadamon eingefangen.
Mrs di Fiona widmet sich dem Buch Eibon. Aber schnell steht fest das sie beim stöbern irre wird: ‘Ich muss es weiterlesen, es ist so spannend, allwissend, umfangreich das ich nicht davon ablassen kann. Es beschreibt die Welt in ihrer Komplexität’, erschreckend wie wahnsinnig begeistert sie ist. Schliesslich müssen wir ihr das Buch unter Protest wegnehmen.
Da dieses Buch keinen Titel trägt, Mr Pickmann aber von dem Buch ‘Eibon’ gesprochen hat wird klar das es ein und dasselbe sind. Es gab also nie zwei Bücher.
Zum Entsetzen aller wird erst jetzt festgestellt, daß Mrs von Humboldt unbemerkt erwacht und stiften gegangen ist um ihre ‘Forschung’ fortzusetzen. Mrs Nidelven nimmt sofort ein Taxi und folgt Mrs von Humboldt.
‘Henry, Geh nicht weg’ Erneut nehme ich Mr Okumuras Hand, gehe mit ihm in den Salon und biete ihm einen Schnaps an. Kurz überlege ich noch ihn zu einem Tanz aufzufordern, lasse es aber sein.
Keine Zeit auf die Taschenuhr zu schauen, Rege Betriebsamkeit, Hektik, Mrs von Humbold wurde wieder eingefangen. Alles geht drunter und drüber.
Nachdem sich die Lage etwas beruhigt hat konzentrieren wir uns wieder auf das Buch. Als Linguist sollte ich es möglichst schnell überfliegen können. Mrs Abdullah al Charie und Mrs di Fiona beobachten mich dabei und blättern das Buch für mich um, so daß ich mich nicht an einzelnen Stellen festbeisse. Zudem soll ich, soweit möglich, laut vorlesen.
…und schlage es auf: Das Buch ist in einer Traumschrift verfasst, die für jedermann lesbar ist…
Nach einigen Seiten stosse ich auf ein Zauberformel ‘…Erheben der Leichen…’ deren Studium ich überspringe.
Einige Seiten weiter, meine Güte was hier alles steht, stoße ich auf den ersten Abschnitt, der mit Ghadamon, der Larve und unseren bisherigen Ermittlungen übereintreffen. Henry, konzentrieren und vorlesen:

Nur wenige Seiten weiter werde ich wieder fündig und lese vor:

Viele Seiten später lese ich von einen Zauber der in Verbindung mit einem Wesen Namens ‘…Azathoth…’ steht. Schnell weiter.
An dieser Stelle steht etwas über ‘…helfe…’ nein, weiter, weiter.
Die Passage ‘…lebender Stoff….’ klingt sehr spannend, bevor ich mich hier vertiefen kann werde ich am Ohrläppchen gezogen und die Seite wird umgeblättert.
‘…Rückentwicklung…’, dieses Thema wäre eher etwas für Mrs von Humboldt (aus medizinischer Sicht), nicht vertiefen Henry, weiter.
…Skelett auflösen…’ ein unheimlicher Zauber. Nein nicht jetzt, so spannend es auch klingt.
Dann endlich eine weitere Textpassage die unser Bild vervollständigt:

Ich bin wie von Sinnen, allein beim überfliegen der Inhalte. Henry, reiss dich noch etwas zusammen.
‘…Todesliebe…’, nein Danke, meine Liebste ist nicht tot. Bitte weiterblättern.
…Vertreibung des Oneiro. Die Larve des großen Ghadamon…’ – Das ist es! Schnell ein Lesezeichen und das Buch zuschlagen. Ja, faszinierendes und zutiefst unheimliches Buch.
‘Henry, alles o.k’. Ich bin schwer verwirrt und mir gruselt es bei dem Gedanken in nächster Zeit wieder ein Blick hinein zu werfen.
Als Belohnung bekomme ich einen Glückskeks serviert, auf dem Zettel steht:
BREDZIESZ NAGRODZONY PRZEZ
SZCZERA WYNAGRODZENIA
In etwa:
YOU’LL BE REWARD BY SINCERE PAY.
oder
SIE WERDEN DURCH AUFRICHTIGE PAY BELOHNT WERDEN.
Na dann!
Da die Zeit drängt um die Welt England zu retten, beginnt Mrs di Fiona umgehend mit dem Studium des Rituals. Ein Zug durch die Nase und los geht’s. Lord Carnarvon wird sich währenddessen um ihr wohlbefinden kümmern.
Derweil gehe ich, völlig erschöpft, mit Mr Okumura auf sein Zimmer. Ich werde heute Nacht mit ihm in seinem Doppelbett schlafen. Hoffentlich beruhigt er sich dann ein wenig. Beim einschlafen kuschelt er sich an mich. Ja, das war ein sehr sehr langer Tag.









