Hinterhalt in Sakkara
Nachdem wir gestern Abend die Ehre hatte bei Safar – auch begannt unter den Namen „Der Prinz von Kairo“ – zu Gast gebeten worden zu sein, war Howard Carter eine Nachricht zugesteckt worden, die uns zu einem Treffen in Sakkara, dort „wo die Stiere stehen“ bat. In der Annahme, dass es sich um eine Nachricht von Safar handelte, folgten wir der Einladung. Die Herren und Damen aus Europa entschieden sich, die Eisenbahn zu besteigen, um den Weg von Kairo nach Sakkara zu bestreiten. Ich für meinen Teil zog es vor, diese kurze Strecke zu Pferde zurück zu legen.
Das war vermutlich eine recht gute Entscheidung, denn wie sich herausstellte, ist es den Herren Carter und Wigbold ein weiteres glorreiches Mal gelungen, sich in Schwierigkeiten zu bringen. Beide sahen ziemlich lädiert aus, als wir auf dem Bahnhof von Sakkara wieder zusammen kamen. Wie man mir berichtete, waren sie mit dem Variete-Künstler Abu Kir aneinander geraten (oder besser: mit dessen Leibwachen), der wohl auch schon zuvor die Aufmerksamkeit und den Zorn Howard Carters auf sich gezogen hatte.
Im Osten zog ein Sandsturm auf. Wir stockten vor dem Aufbruch in die Ruinen unsere Wasservorräte auf. Wir hatten fast den alten Tempel des Stierkultes erreicht, als wir plötzlich unerwarteten Besuch bekamen, der uns nicht gerade freundlich gesonnen war. Obwohl man bei dem aufziehenden Sandsturm nun kaum mehr die Hand vor den Augen sehen konnte, schossen sie von Nordosten her auf uns. Howard Carter und Ragnar Wigbold – ob ihres Intermezzos mit dem Bühnenzauberer in der Eisenbahn ohnehin noch etwas angeschlagen – holte es schnell von den Beinen.
Aus südwestlicher Richtung stürmte ein weiterer Trupp auf uns zu – doch waren dies – wie sich schnell herausstellen sollte – keine unserer Angreifer, sondern solche, die ebenso wie wir von diesen attackiert wurden. Gemeinsam verschanzten wir uns in den alten Tempelruinen um uns zu verteidigen. Ein bisschen mulmig wurde mir, als Mare auf die Idee kam, unseren Gegnern mit ein paar Ladungen Dynamit zu begegnen.
Unseren Angreifern schien es nichts auszumachen, im Kampf zu sterben – das ist durchaus eine achtenswerte Einstellung, wenngleich ich bei diesen Leuten meine Zweifel habe, was ihre Motive betrifft. Sie huldigten offenbar einer Art Königin, für die sie gerne in den Tod gingen. Der letzte von ihnen, den ich mit meinen Säbel – einem alten Familienerbstück – niederstreckte, griff mich während er starb an meiner Schulter, so dass er mich fast mit niederiss. Er dankte mir für seinen Tod und sagte etwas wie „Ach Meda Kan“ – vielleicht ein Name? Seltsam war auch das grüne Leuchten, dass von ihren Augen ausging.
Die Leuten, die sich uns im Kampf angeschlossen hatten, stellten sich als Safars Brüder und deren Gefolge heraus. Offenbar waren sie in den gleichen Hinterhalt gelockt worden, wie wir. Wir sitzen nun bereits seit zwei Stunden zusammen, trinken Tee, rauchen Tabak und warten auf des Ende des Sandsturmes, der ausserhalb der Tempelruinen wütet.
Safars Brüder berichteten, dass es sich bei unseren Angreifern wahrscheinlich um Anhänger des Nachtschwarzen Kalbes von Nim handelt.









