死んだの船乗 (Shinda no Funanori) – Der tote Seemann
Wir wollen heute nach Fukushima fahren, um die Identität des dort aufgefunden toten Seemanns zu ergründen. Wenn es sich tatsächlich um einen der Matrosen von der Almina handelt, können wir die möglichen Opfer auf zwei Personen einschränken. Die Matrosen Percy van Creuten und Malcolm Barter gelten noch immer als verschollen.
Wir begeben uns zur örtlichen Polizeistation. “Wir sind hier, weil mein britischer Freund einen Angehörigen vermisst. Wir haben in der Zeitung gelesen, dass hier die Leiche eines britischen Seemanns an Land getrieben wurde. Falls die Möglichkeit besteht, würden wir gerne erfahren, ob es sich bei dem Mann um diesen Vermissten handelt. Können Sie uns dazu etwas sagen?” Der Polizeibeamte hört mir nur halb zu. Unentwegt schaut er über meine Schulter zu Mycroft, der sein Gesicht wieder hinter Bandagen verbirgt. Ich gebe dem Mann dezent zu verstehen, dass mein Freund unter einer Kriegsverletzung leidet und weise ihn darauf hin, dass es äußerst unhöflich ist, jemanden derart anzustarren. Der Mann entschuldigt sich nervös und blättert in seinen Akten. “Wie lautet der Name des Vermissten?”, fragt er. “Percy van Creuten”, antworte ich, “vielleicht handelt es sich auch um seinen Kameraden Malcolm Barter.” “Ja”, sagt der Beamte, “wir konnten den Mann als Percy van Creuten identifizieren. Seine Überreste werden in nächster Zeit in seine Heimat überführt. Ihr Verlust tut mir leid.” Bei der Erwähnung des Namen spielt Mycroft den Entsetzten und Fassungslosen. “Oh nein, es stimmt also. Percy…”, jammert er. Ich mache die Scharade mit und lege tröstend meinen Arm um seine Schultern. “Es tut mir leid”, sage ich, während ich ihn von der Polizeistation fort führe, “aber zumindest hast du jetzt Gewissheit.” Wir sind schon einige Meter weiter, als der Beamte uns etwas nachruft. “Warten Sie, ich habe Ihren Pass gar nicht gesehen”, erschallt es hinter uns. Wir tun so, als hätten wir nichts gehört und machen uns zügig aber unauffällig von dannen.
Als wir am frühen Abend wieder in Tōkyō ankommen, erwartet mich dort ein Telegramm aus England. Senchō fragt, ob wir Näheres über das Schiffsunglück vor der Küste von Yokosuka wüssten, in welches die Bombay Star und die USS New Hampshire involviert waren. Ich verfasse eine Antwort:
“Senchō, wir wissen hier auch nicht mehr. Bei Gelegenheit können wir uns darum kümmern.
Die Leiche von Percy van Creuten wurde hier in der Nähe angespült. Sie wird nach England überführt.
Sanjūrō
P.S. Ein gutes neues Jahr.”
Dann beantworte ich Iwasaki Kotayas Einladung und kündige meinen Besuch in naher Zukunft an, wie es die Höflichkeit gebietet.
“Wie wäre es mit einem Übungskampf in einem nahegelegenen Wäldchen”, fragt Mycroft.
Ich muss schmunzeln. “Wir können gerne im Meiji-Park bei Kälte und Dunkelheit trainieren”, antworte ich, “wir können aber auch einfach in mein Dōjō gehen.”
Ich bin nicht ganz bei der Sache. Meine Gedanken driften ab. Ich habe das Gefühl, dass ich nochmals nach Odawara muss. Meine fehlenden Konzentration kommt Mycroft zu Gute. Ich schlage mich heute nicht besonders gut.
“Mein Bein ist ja auch noch nicht ganz in Ordnung”, rede ich mich heraus.
“Ja sicher”, antwortet Mycroft voller Hohn, “soll ich dich massieren?”
“Oh ja, bitte”, höhne nun ich, in der Erwartung, dass er sich irgendwie aus der Affäre ziehen wird. Überraschenderweise bedeutet er mir aber, mich auf die Matte zu legen. Das ist ein Angebot, das ich mir nicht entgehen lasse, doch Mycroft durchknetet meine Waden eher lustlos. Das Ereignis ist weniger zufriedenstellend, als ich erwartete.
“Das hast du aber auch schonmal besser hingekriegt”, murre ich, als ich mich wieder aufsetze. “Ich bin eben etwas aus der Übung”, erwidert er und dabei belassen wir es dann.
Ich unterrichte Mycroft über mein Gefühl Odawara betreffend. “Die Geschichte ist noch nicht zu Ende”, vermute ich, “aber das nächste Mal sollten wir besser vorbereitet sein. Wir sollten uns darauf einrichten, notfalls auf der Burg übernachten zu müssen.” Mycroft bietet an, eine Ausrüstungsliste für unsere Expedition zusammen zu stellen.









