二日心 (Futsuka Gokoro) – Katerstimmung
Ich wandle durch ein unterirdisches Höhlensystem. Von den Wänden fließt eine bläulich leuchtende Substanz, die die Gänge in ein unwirkliches, diffuses Licht taucht. An manchen Stellen wird diese Substanz in Brunnen aufgefangen und gesammelt. Es ist sehr kalt.
Ich wandere mich wundernd durch die Gänge. Das Ganze erinnert mich an das, was ich über das unterirdische Königreich K’n-yan gelesen habe.
“Sanjūrō?” Dumpf dringt eine ferne Stimme in mein Bewusstsein. “Sanjūrō? Bist du hier?”
Unter meinen Händen spüre ich die rauhe Oberfläche von Reisstrohmatten. Langsam realisiere ich, dass ich auf dem Boden meines Dōjō liege. Wie ich hierhergekommen bin, daran kann ich mich nicht erinnern.
Ich richte mich unter Stöhnen auf, schaffe es aber nur in eine sitzende Haltung. Mein Schädel dröhnt und meine Glieder fühlen sich an, als würden sie zerreißen – die Folgen meiner ausschweifenden Selbstintoxikation, erkenne ich. In diesem Moment steckt Mycroft seinen Kopf durch die Tür. “Ach hier bist du”, sagt er, “du siehst echt elend aus. Ist irgendwas passiert?”
“Ich bin zu alt für solche Exzesse”, antworte ich mürrisch, was ihn zu einem spontanen Lachanfall verleitet. Mich allerdings belustigt das gar nicht.
“Ich mache uns erstmal einen Tee”, sagt er, als er sich beruhigt hat. Das klingt nach einer guten Idee.
Nach der ersten Schale eines starken, schwarzen Tees fühle ich mich schon besser. Ich erzähle Mycroft von meinem Traum und beschreibe ihm die Bilder so detailreich, wie es mir möglich ist. Mycroft hört mir aufmerksam zu. “Das waren die Höhlen, in denen ich den Eiszapper gefunden habe“, erklärt er, „habe ich dir eigentlich schonmal davon erzählt?” Ich verneine. “Es fing vor dreieinhalb Jahren an”, beginnt er, “wir waren mit Hilfe der Portalkugeln von der untergehenden Titanic geflohen, nach Halifax.” Er berichtet weiter von einem Besuch bei einem Künstler, der sich Robert Lander nannte, und der Premiere eines Theaterstücks, seiner ersten Begegnung mit dem, der nicht genannt werden darf, bei der er dem König in Gelb seine Maske vom nicht vorhandenen Gesicht gerissen hatte, von den blauen Kavernen, von dessen Wänden das Orichalcum fließt und wo er diese ungewöhnliche Waffe, den Eiszapper, gefunden hatte. “Irgendwo dort unten liegt auch das Gold der Titanic”, sagt er. Seine Augen blitzen abenteuerlustig unter der Maske.









