申し合わせ (Moshi awase) – Übereinkunft
Ich hätte es kaum für möglich gehalten, doch wir haben es tatsächlich geschafft mit der Martinsyde von England bis nach Japan zu fliegen. Der Weg war recht abenteuerlich – einige der Länder, in denen wir zwischenlandeten, um die Maschine zu betanken und zu warten, waren mir bis dahin völlig unbekannt gewesen. Ich hatte Mycrofts Schätzung, die Strecke innerhalb von weniger als einer Woche zu bewältigen, für sehr optimistisch gehalten und eher mit einer zwei- bis dreiwöchigen Reisezeit gerechnet, doch Susanōs Winde waren uns wohl gut gesonnen und brachten uns zügig voran, so dass wir heute am frühen Nachmittag bereits in Sichtweite der Südküste der japanischen Hauptinsel Honshu kommen.
Mycroft steuert die Martinsyde in Richtung Nagasaki. In den letzten Tagen hatte er mich immer wieder überreden wollen, selbst einmal das Steuer zu übernehmen, aber ich beschränke mich zunächst lieber aufs Beobachten. In Nagasaki hoffe ich auf die Unterstützung meines alten Freundes Iwasaki Koyata. Vor zwei Tagen hatte ich ihn mit der Bitte um Diskretion telegraphisch darüber informiert, dass ich eine Lande- und Unterbringungsmöglichkeit für ein Flugzeug benötige. Gestern ist uns per Funk bestätigt worden, dass im Dock 27 alles für unsere Ankunft vorbereitet sei und wir starteten unsere letzte Etappe von Hongkong nach Nagasaki.
Die Dämmerung hat bereits eingesetzt, als wir die Hafenanlagen der Mitsubishi Shipyards erreichen. Ich nehme per Funk Kontakt mit der Hafenkontrolle auf und leite Mycroft anhand der Funkanweisungen zu unserem Zieldock. Dort helfen uns zwei Dockarbeiter, die Maschine fest zu machen. Mycrofts Erscheinen bereitet ihnen Unbehagen, bemerke ich, und sie beeilen sich, um ihre Arbeit schnell zu erledigen und nicht länger als nötig in der Gegenwart dieses hellhaarigen Maskierten verbringen zu müssen.
Wenig später erscheint Koyata persönlich, um mich zu begrüßen. Er stutzt verwundert, als er Mycrofts verhülltes Gesicht registriert. „Konnichiwa, Iwasaki-san“, begrüße ich ihn, bevor er etwas äußern kann, „erlaube mir, dir meinen Freund Mycroft Winterbottom vorzustellen.“
Mycroft verbeugt sich fast perfekt vor Koyata.
„Hajimemashite, Iwasaki-san. Yoroshiku onegaishimasu.“
Es hat sich gelohnt, diese kleine Vorstellung einzuüben. Koyata zeigt sich beeindruckt von so viel Höflichkeit und lässt darüber seine Skepsis gegenüber dem fremden, verhüllten Mann zunächst fahren.
Er bedauert, dass er heute nicht viel Zeit habe, äußert aber den Wunsch, in naher Zukunft ein längeres Gespräch mit mir zu führen. Gerne möchte ich dem nachkommen, erwidere ich, gebe aber zu bedenken, dass ich nicht wisse, wie lange ich in Japan sein werde und weise auf die Möglichkeit hin, dass ich unter Umständen sehr kurzfristig abreisen können müsste. Koyata nimmt dies zur Kenntnis.
Ich bin erschöpft und lasse mir von Koyata eine gutes Hotel empfehlen. „Mein Sekretär ist angewiesen, eure Belange mit Vorrang zu behandeln und direkt zu an mich weiter zu leiten“, erklärt er zum Abschied, „wenn ihr irgendetwas benötigt, zögert nicht, mein Büro zu kontaktieren.“ Eine Droschke bringt uns zu unserer Unterkunft.









