Auf Cthulhus Spur

Gepflegtes Rollenspiel rund um den kriechenden Wahnsinn

navalis

Die HMS Victory umrundet Kap Trafalgar bei 36° 10′ 57″ N, 6° 1′ 58″ W.

Um elf Uhr Vormittags beginnt die Zaubervorstellung in der ‘Mainhall’. Magda kündigt den Großen Hanussen an, ‘Er wird Ihnen einen Blick in Ihre Vergangenheit oder Zukunft gewähren. Und Sie anschliessend gemeinsam in eine historische Zeit entführen.’

Das Licht wird gedimmt, Hanussen betritt die Bühne und bittet um Freiwillige.

Mrs Jessob meldet sich, ‘Ich!’ ‘Ich!’. Sie betritt die Bühne und nimmt auf einem Stuhl Platz. Hanussen bittet sie ihm tief in die Augen zu sehen, ihre dann zu schliessen und sich folgendes vorzustellen, ‘Ihr schwebt über einer Wiese wie ein Schmetterling, Ihr seht das weisse Licht. Nach einer weiteren Handbewegung von Hanussen fällt sie in Trance und Mrs Jessob gibt Wortfetzen von sich, ’Auf der See, alle Schiffe sind versunken, auch dieses wird sinken, ein Fluch, mein Vater’ Hanussen antwortet, ’Aber ihr seid doch beschützt durch Euren Vater, diese Wunden müssen geheilt werden’. Sie erwacht und verläßt weinend den Raum.

Nach Ihr melde ich mich. Ich möchte Wissen was an diesen Kräften dran ist. Ich nehme auf dem Stuhl Platz und sehe ihm in die Augen, das hat was, etwas hypnotisches, ich, schliesse meine Augen und bin der Schmetterling über der Wiese. Ich fliege zu einem kleinen schneeweissen Hund und lande sanft auf seiner Schulter. Dann bin ich dieser Hund. Ich rieche, spüre fast wie Indy, nein, der ist nicht reinweiss. Ich sitze am Kai von Southampton, neben mir ein Teil meines Rudels, mein Herrchen verabschiedet gerade seine geliebte Frau. Auch ich bin traurig. In einiger Entfernung rieche ich Aristokratie, unbekannte Gewürze und Autobenzin.

Dann erscheint mir ein Fernrohr und ich als kleiner Hund rieche nicht nur gut sondern sehe auch schärfer: Eine indisch gekleidete Frau. Ein Automobil wird verladen. Und jetzt erkenne ich einen unter Ihnen: Lord Carnarvon! Er hat mir die ganze Zeit verschwiegen das er ebenfalls an Bord der Titanic war!

Ich erwache aus der Trance, feinde Ld Carnarvon an, der stauend im Publikum sitzt. Hanussen beruhigt mich und in der anschliessenden Trance sehe ich noch zwei weitere Personen die ebenfalls mit an Bord der Titanic waren, Mrs Jessob und Sir Crichton. Beide könnten mir helfen meine geliebte Frau zu finden.

Als dritte Freiwillige stellt sich Carla die Fiona den Mächten und möchte in Ihre Zukunft sehen. Als sie der Trance verfallen ist erzählt sie bruchstückhaft von einer Melodie, die es ihr ermöglicht die Naturgewalten zu ändern. Sie erwacht.

Hanussen hält einen Spiegel in der Hand, dessen Rand mit roten Steinen besetzt ist. Er erklärt uns Anwesenden das durch diesen Spiegel von 1804 es möglich sei in der Zeit zurückzureisen und Ereignisse hautnah zu erfahren.

Die Interessierten bilden daraufhin einen Kreis um Hanussen und fassen sich an den Händen. Meine Hände sind eiskalt. Nach einleitenden Worten schliesse ich die Augen.

Schemenhaft sehe ich ihn noch die Gestalt des Magiers als von dem Spiegel regenbogenfarbene Strahlen ausgehen, die Szenerie wird in ein gelbes Licht getaucht und wir Umstehenden in eine Blase gehüllt.

…Überall um mich herum höre ich Kampfeslärm, Schreie. Ich lade meine Muskete und ziele auf das nahe feindliche Schiff. Daneben. Ich will nachladen, doch vor Aufregung verliere ich mein Pulversäckchen und auch die Schrotkugeln fallen zu Boden. ‘Sieh mich an, Idiot’, schreit mir der Wachmann zu. Was für ein Moment! Hastig sammle ich die Reste auf und versuche die Schusswaffe nachzuladen. Der Lauf scheint zu klemmen. Verdammt. Dampf und Rauch verdecken die Sicht. Dann ein beissender Schmerz im linken Bein. Kurz darauf höre ich die Rufe des Kapitäns, ‘Wie werden geentert’. Mir wird schwarz vor Augen.

Zeit ist vergangen, ich liege nach wie vor an der Reeling, Die Schusswunde in meinem linken Bein schmerzt. Neben mir liegen Muskete und neun Schrotkugeln auf Deck. Ich blicke zum Besanmast auf, die Flagge mit dem roten Andreaskreuz wird gehisst. Die Victory wurde anscheinend schwer getroffen und liegt tief, Bilge und Unterdeck sind voll Wasser gelaufen. Aber die Gute Nachricht: Die feindliche Linie wurde erfolgreich durchkreuzt.

In unmittelbarer Nähe befindet sich ein noch seetüchtiges Schiff, die ’Dreadnought’, ein 1st Class Rate Ship, was der Victory ebenbürdig ist und uns abschleppen könnte.

So verfolge ich die Schlacht aus der Sicht dieses unglücklichen Schützen und die Taktik scheint aufzugehen. Der Feind kapituliert.

Dann sehe ich wieder das gelbe Licht, die regenbogenfarbenen Strahlen, sie ziehen sich in den Spiegel zurück, die Gestalt von Hanussen erscheint. Ich höre Applaus.

Die Vision endet und in der Realität sind tatsächlich mehrere Stunden vergangen. Das Erlebte war erstaunlich realistisch, ich höre noch den Kanonendonner und rieche den Schwefel. Was für eine Verschwendung an Wissen, Material und Menschheit denke ich. Krieg war noch nie das Ziel, es geht immer ungut aus. Für beide Seiten. Mrs Jessob sagt, sie hätte uns während der Trance schweben, mit den Füßen strampeln sehen. Und tatsächlich, jetzt wo sie es sagt, spüre ich eine körperliche Erschöpfung und ziehe mich in meine Kajüte zurück.

Nach Sonnenuntergang erhebt sich der Felsen von Gibraltar über die am Fuße gelegene Stadt gleichen Namens. Afrika liegt im Schatten. Meine Taschenuhr zeigt zwanzig Uhr als die HMS Victory in der Rosia Bay ankert. Der Gouverneur von Gibraltar scheint schon zu schlafen oder warum gibt es keinen Empfang? 

Die ersten Passagiere und Mannschaftsmitglieder sind schon von Bord gegangen, da wird mir von einem Diebstahl berichtet. Die Kugeln des Lords sind verschwunden! Es gibt jetzt mehrere Optionen und Verdächtige und daher heisst es nicht lange fackeln. Auf gut Glück gehe ich der ersten Spur nach: Indy und ich folgen Haussen zum Hotel, aber auf halber Strecke geht mir die Puste aus und ich muss gehen. Henry, du wirst alt. Selbstverständlich herrscht in Gibraltar Linksverkehr. Zum Glück ist das ‘Hotel International’ nur 300 m von der Anlegestelle entfernt.

An der Rezeption frage ich nach meinem reservierten Zimmer 137 und gegen ein kleines Entgeld verrät mir der Portier auch die Zimmernummer von Hanusson: 31

Als mich in der Lobby umsehe sehe in an der Bar Mrs Jessob, allein bei einem Drink. Ich setze mich zu ihr und beginne ein Gespräch. Sie erzählt mir von Ihrem Fluch, Ihrem Vater. Ihre Zimmernummer möchte sie nicht preisgeben. Unerwartet tritt Françoise zu uns. ‘Haben sie in letzter Zeit etwas Verdächtiges beobachtet?’, frage ich ihn. Er weiss nicht recht zu antworten. Ich hake nach und nach zehn Minuten bin ich ihn los. Mrs Jessob hat diese Zeit genutzt um sich auf Ihr Zimmer zurückzuziehen.

Gegen 23 Uhr treffen Mrs Carla die Fiona und Mrs Mare de Fleur Abdullah Al Charie ein, beide sind ganz aufgeregt. Sie reden von fünf Verdächtigen und einem Automobil was an der Grenze gestoppt wurde. Ich fasse kurzerhand einen Plan: Ich klopfe an die Zimmertür 132 und lasse mir von Lady Almina ein persönliches Stück von Lord Carnarvon geben, einen Hut in diesem Fall. In der Hotellobby informiere ich Mare und Carla noch schnell über meinen Plan: Ich werde zur Grenze gehen, Indy soll dort der Spur folgen und wenn ich nicht bald zurück bin, bitte eine Nachhut schicken.

Dann breche ich zur Grenze auf. Bei meiner Ausreise gibt es keine Probleme, immerhin bin ich ja Brite. An der Grenze zur spanischen Krone hingegen werde ich schon misstrauischer beobachtet. Was ich den wolle, allein, mit Hund, ‘Na ich bin von einer Kreuzfahrt und möchte kurz spanisches Land schnuppern.’ In halbwegs gutem spanisch kann ich diese Tatsache den Beamten näherbringen und so lassen sie mich passieren.

‘Soweit so gut Henry’, nur was als Nächstes? Der Besuch einer nahegelegen Tapasbar bringt keine neue Erkenntnis. So beobachte ich von einem Versteck aus zunächst die Aktivitäten am spanischen Zollhaus.

Meine Taschenuhr zeigt kurz vor Mitternacht als ein Lastkraftwagen vorfährt, vier Männer absteigen und die vorangegangene Wache ablösen. Ungewöhnlich: Der zuvor stationierte fünfte Beamte bleibt zurück.