Auf Cthulhus Spur

Gepflegtes Rollenspiel rund um den kriechenden Wahnsinn

* Gestrandet im alten Japan

Räkelnd wache ich von dem scharfen Fauchen der Martinsyde auf. Ich gehe im Morgenmantel zum Flugplatz & ich sehe zu, wie die Maschine vom Lord in die Lüfte entschwebt. Wieder einmal bin stolz auf Mary-Ann, wie meisterlich sie fliegt. Dann bemerke ich, daß ich sicher auf beiden Beinen stehe & meine Wunden nur noch rosa Stellen sind, wie bei einem Neugeborenen. Schnell schleiche ich mich ungesehen wieder ins Bett.

Nach angemessener Ruhe für einen Totkranken lasse ich mir die Verbände von Kare wechseln. Der guten Seele aus Norwegen fallen fast die Augen vor Staunen aus, als sie die wundersame Heilung erkennt.

„Wie kann … wie geht das?“

„Es sind nicht nur Schrecken auf der Spur zu finden, auch Wunder werden wir Zeuge!“

Sie beäugt mich staunend, während ich mir selber neue Verbände anlege.

„Du musst darüber total schweigen & mich weiterhin als Totkranken behandeln. Schaffst Du das?“

Kare & Mycroft

„Ja, natürlich. Gib mir einen Moment!“ Sie hilft mir & holt den Rollstuhl aus der Ecke des Krankenzimmers. Beim Frühstück lachen wir uns an wie Kinder, die ein Geheimnis gemeinsam haben.

Nach dem Essen verabschieden wir uns & ich rolle zurück auf mein Zimmer, mit einiger Lektüre über fremde Kulturen. Da steht der Lord in der Tür, die er eilends schließt. Auch ihm zeige ich die wundersame Heilung, was ihn sichtlich aufmuntert. 

Dann reden wir in Ruhe über verschiedene Vorgänge. Leider immer noch keine Nachricht aus Berlin. Die gelbe Pfeife befindet sich weiterhin im neuen Museum. Mary-Ann fliegt mit Sanjuro nach Kiel, um unser Gepäck zu holen, sie werden am Abend wieder erwartet.

„Und das gelbe Buch hat auch einige Geheimnisse preisgegeben“ & holt es mit diesen Worten heraus. Schauer durchlaufen mich, bin ich doch fast für dieses Buch gestorben. Im Sitzen wiederholen sich die Bilder von Halifax erneut von meinem Innern.

„- der Doktor war als erstes auf der Pyramide – sieht ein gelbliches Flackern – rennt drauf zu – da sitzt oder steht etwas unbeschreibbar Bizzares – es greift sich dehnend zum Doktor – ich renne auf das gelbe Unaussprechliche zu – entreiß dem gelben Ding die Maske – Übelkeit – so viele Augen & kein Gesicht – wegrennen – seh von dem gräßlichen Unding weg – erblicke Dr. Fothergill – wie er das Buch in den Händen blätterte – riesige verrottende Vögel mit Ameisenköpfen fliegen am blitzenden Himmel – schnell immer weiter blätterte – ich schieße panisch blind über meine Schulter – renne weg – von diesem Geschnarre & Gepfeife – sie blätterte fast das ganze gelbe Buch durch, bei der vorletzten Seite löste sich ein Lichtschein zum Portal…“

„Es ist wie beim Buch der Lügen, die vorletzte Seite löst den Zauber aus!“ entfährt es mir lachend. „Verstehe, verstehe. Ich sichere dann besser den Auslöser“

Mit leichten Bedauern denke ich an die Zeit auf Carcosa. Mit dem jetzigen Wissen würde ich bestimmt anders handeln. Gerade unter diesen Bedingungen, wo Cthulhu erwacht ist & uns sich als Ziel ausgesucht hat, könnten wir einen starken Verbündeten gut gebrauchen. Ich schlage dem Lord eine interstellare Reise nach Carcosa vor, um Verhandlungen mit dem gelben König zu führen. Er schaut mich einen langen Moment ernst an.

„DAS sollten wir gut & genau überlegen.“ Stimmen wir überein. „Die Reisemöglichkeiten sollten vorher sicher sein, das Buch funktioniert nur einmal“ stellt der Lord außerdem fest. Recht hat er, ich bin manchmal etwas voreilig.

Nachdem ich den Lord auch davon unterrichte, weiterhin den Totkranken zu mimen, verabschiedet er sich, um zum Schneider zu gehen. Ich lese in der ausgeliehenen Lektüre bis zum Dinner, besuche danach Dr. Passow & unterziehe mich der Krankentherapie. Unter seinen studieren Augen erzähle ich ihm von den neuesten Entwicklungen in meinem Leben, er notiert fleissig. Nochmals betone ich die Wichtigkeit seiner Diskretion, die er mir erneut zusichert.

Pünktlich zum five O’Clock Tea landet eine sichtlich frohe Mary-Ann auf dem Flugplatz von Highclere Castle. Auch Sanjuro ist wohlauf & sehr zufrieden, er trägt bereits wieder sein Schwert. Mir scheint, er ist nun, vereint mit seiner Seelenklinge, wieder der Alte. Ich überprüfe mein Gepäck & kontrolliere sofort mein Remington & bin sehr zufrieden.

Ohne viele Worte wissen wir alle vier, was nun ansteht, wir fahren mit dem Silver Ghost nach Curdridge Hill & betreten den Keller. Sanjuro schreitet stolz mit dem Kirishimo zum Schrein, den ich nun auch zum ersten Male erblicke.

Schrein im Keller

Ich bleibe in der Tür stehen & schaue der Szenerie zu. Nach dem rituellen Klatschen legt er das Schwert auf den Altar, mit dem Griff Richtung dem Zeichen Mond. Die rötliche Flackern der Fackel wird heller, wird bizarr stark von der Wand reflektiert, wie die aufgehende Sonne, die Wände verändern sich, verschwimmen mit einer anderen Welt…

Castle Odawara

Ich befinde mich auf der Burg Odawara, vor mir sitzt mein Lord & Freund, Fürst Hōjō Ujimasa. Mir wird klar, daß er Sanjuro ist & die Beratern der Lord Tanaka Yoshiro & Mary-Ann die Shinto Priesterin Izumi sind. Kleidung, Waffen, ja selbst unser Aussehen haben sich verändert. Mein Name lautet: Fūma Kotarō, Schwertermeister & Ninjaoberhaupt!

Kotaro Fuma

Wir besprechen zusammen die Situation & wissen nicht genau, was als nächstes passiert. Ist das ein früheres Leben? Es ist so real! Sind Sanjuro & ich uns schon in einem früheren Leben begegnet? Oder können wir die Zeit verändern?

Die Lage ist brisant, wir sind seit Monaten von einem feindlichen Heer belagert & unsere Vorräte werden knapp, zwei bis drei Wochen können wir noch ausharren.  Tanaka Yoshiro wird ausgesandt, um strengere Rationen einzuteilen. „Bald wird das Stehlen losgehen“ denke ich mir.

Izumi entfernt sich ebensfalls leise & respektvoll, um nach den einfachen Menschen & Bauern zu schauen. Ujimasa blickt sehr nachdenklich auf die riesige Streitmacht: „wie konnte er nur in so eine Situation gelangen?“ wird er sicherlich denken. Er macht sich schwere Vorwürfe wegen des Versagens seines Sohnes.

„Es war weder eure Sc
huld noch lag es in Eurer Macht. Es gilt nun schlau & weise zu verhandeln.“

Wir sprechen über verschiedene Strategien durch & ich bekomme freie Hand für eventuell mögliche Attentate oder Sabotageakte, doch im Moment sehe ich keine Chance dafür. Uns gehen die Optionen aus, nur die Götter können uns helfen.

Schweigend schauen wir zu dem Heer von Toyotomi Hideyoshi & trinken Tee. Das Mahjong Spiel & der Sake bleiben unberührt…

Hauptsitz Burg Odawara