経験談 (Keikendan) – Erfahrungsaustausch
Maikurofuto und Senchō kehren zum Frühstück im Hotel Nowgorod ein. Lorudo-dono wirkt heute aufgeregter als sonst, gleichzeitig aber auch voller Tatendrang, aber erst, als wir unser Abteil im Zug, der uns binnen fünf Stunden nach Røros bringen soll, bezogen haben, erzählt er uns von seinem Traum der letzten Nacht. Er war dem Zauberhändler Wag Ryo begegnet, der ihm den Spruch gezeigt hatte, die destruktive Macht des alten Gottes, dessen Namen ich nicht einmal zu denken wage und der nun im Erwachen begriffen war, zu bannen. Der Magier gab ihm weitere Hinweise, die hilfreich bei der Durchführung dieser Aufgabe sein könnten. So hatte er erfahren, dass der Zeitpunkt der Konstellation des Venus-Pentagramm dieses Vorhaben begünstige. Es bleiben uns noch 43 Tage bis zu diesem Ereignis. Lorudo-dono weiß nicht, ob er dieser Aufgabe allein gewachsen sein wird und bittet uns um unsere Unterstützung. Er betont, dass er es niemandem verübeln würde, wenn sich jemand dieser Mission mit ungewissem Ausgang nicht anschließen würde, aber ich habe mehr als nur eine Vorstellung davon, was der Menschheit und diesem Planeten droht, wenn wir gar nichts tun. Wir scheinen die einzigen zu sein, die ahnen, was hier eigentlich wirklich passiert und warum Neuseelands Küsten verstärkt von Stürmen und Fluten heimgesucht werden. Ich sichere Lorudo-dono meine Unterstützung im Rahmen meiner Möglichkeiten zu, Senchō aber stellt eine Bedingung. Er möchte wissen, ob Lorudo-dono im Zweifelsfall und wenn die Situation es erforderlich machen würde, auch bereit wäre, sich von einem oder allen seiner magischen Schätzen – den mysteriösen Portalkugeln – zu trennen. „Selbstverständlich!“ antwortet Lorudo-dono überzeugt, schließlich ginge es hier um das Empire. Ich weiß, dass er vom British Empire spricht und wende ein, dass es nicht nur darum, sondern um das Schicksal der ganzen Welt ginge. „Ja richtig“, bestätigt Lorudo-dono, „wie ich sagte, das Empire.“ Diese Zurschaustellung britischer Überheblichkeit trifft mich jetzt etwas unerwartet. Ich werfe Lorudo-dono einen scharfen Blick zu. ‚Vorsicht, Dono, achte auf deine Zunge‘, denke ich. Er hat mit dieser Bemerkung tatsächlich meinen eigentlich gar nicht mehr so stark ausgeprägten Nationalstolz getroffen. In einer anderen Situation wäre ich womöglich nicht so ruhig geblieben. Doch dann wird mir klar, dass Lorudo-dono ein personifiziertes Relikt eines sterbenden Zeitalters ist – einer der letzten seiner Art. Im Grunde sind wir uns gar nicht so unähnlich…
Er erzählt weiter, dass Wag Ryo auch von einem gelben Buch, das wohl einmal im Besitz eines seiner Freunde gewesen war oder noch ist, und in dem sich weitere Hinweise zur Erhöhung der Erfolgschancen dieses Vorhabens finden ließen, gesprochen hätte. Die Erwähnung dieses Buches scheint bei Maikurofuto Erinnerungen wachzurufen. Er spricht von einem Ort namens Carcosa und einem „König in Gelb“, wo er dieses Buch gehabt und wieder verloren hatte. Von einem solchen Ort habe ich noch nie etwas gehört. Ich frage auch nicht weiter nach.
Maikurofuto berichtet nun von seiner nächtlichen Unternehmung zusammen mit Senchō. Sie waren in das Büro der Thule-Gesellschaft eingedrungen, allerdings scheiterte Maikurofuto an der Öffnung eines Tresors. Zwei der drei Zahlen des Kombinationsschlosses hatte er erschließen können, wenn wir aber den Inhalt dieses Tresors wirklich zu Gesicht bekommen wollen, müssen wir noch einmal dahin.
Um 14:00 erreichen wir den Bahnhof Røros. Senchō hat bereits dafür gesorgt, dass wir in der Pension “ For Malm Gruve“ (das bedeutet „Zur Erzmine“, übersetzt uns Senchō) unterkommen, die von einem netten norwegischen Ehepaar betrieben wird.









