Røros – Untertage
Um halb sieben bin ich wach und stehe auf. Die Sonne ist vor anderthalb Stunden aufgegangen und es verspricht erneut ein stahlender Tag zu werden. In der Küche begegne ich Isa, die blåbeine putzt, welche Großmutter Ylvie bei Sonnenaufgang einsammelte.
Ich gehe duschen und bringe Feuerholz für die Küchenmaschiene mit. Mycroft ist nun auch auf, habe ihn möglicherweise mit dem Holzspälten um den Schlaf gebracht. Nach einem deftigen Frühstück wartet Björn schon darauf uns zunächst zur Nidelva in den Hafen zu bringen, da Mycroft noch einiges mitzunehmen gedenkt. Im Hotel Nowgorod erwarten uns die Freunde und sind abreisebereit.
Auf nach Røros! Im Zug haben wir genügend Zeit die neuesten Entdeckungen zu berichten und erfahren auch einige „Traumland“-Neuigkeiten des Lords. Dreiundvierzig Tage verbleiben bis zu einer obskuren Venuskonstellation „Pentagramm“. Während der Lord weiteres berichtet, schweifen meine Gedanken ab…ich überschlage: 12450 Seemeilen bis Point Nemo bei 15kn entspricht ungefähr 35 Tage. Ich werde in den Seekarten nach ungünstigen Strömungen sehen müssen, es ist fast nicht zu schaffen …aber bei mehr Knoten …
Mycroft hat mir doch diese Geschichte von den Brüdern Keith und Ross Macpherson Smith erzählt, die seien Ende 1919 mit einer Vimy in 135 Stunden Flugzeit von London nach Darvin, Australien geflogen. Die Stecke war in vier Etappen (Kairo, Kalkutta, Singapur, Darvin), mit mehr als 20 Zwischenaufenthalten, in weniger als vier Wochen, bewältigt worden.
Røros liegt auf 630 Meter Höhe, die einzige Bergstadt des Landes, ich habe ein schmerzendes Knacken in den Ohre und Kopfschmerzen, ich lege mich im zweiten Abteil hin, Berge denke ich und döse ich vor mich hin – bis ich von Mare geweckt werde – kommender Halt Røros. Schnell habe ich den Rucksack zur Hand und sehe uns in die Station Røros einfahren. Von der Bahnstation lasse uns erst einmal an der Pension „For Malm Gruve“ absetzen und ankommen. Ich mache mich derweil auf den Weg zum Ingenieur Halskin, mit dem ich zwar vor ein paar Tagen schon telephonierte, der mir aber noch einige Fragen beantworten kann. Mit Halskin verabrede ich, uns zu 18:30 Uhr am Einstieg der Mine einen Steiger als Führer zur Seite zu stellen. Halskin erklärt mir den Weg zum verunfallten Steiger Handstøm, – zurück zur Hauptstraße und dann das dritte rotfarbige Haus zur Linken. Ein junger Mann an Krücken öffnet mir die Tür, Babygeschrei klingt mir entgegen. Er weiss leider nicht viel mehr zu berichten, als ich schon erfahren habe und doch – er beschreibt, er sah ein gelblich-grünes Leuchten, möglicherweise in der Form eines Sterns. Ich bitte ihn, sich bei Halskin zu melden, falls es Komplikationen gäbe und verabschiede mich dann mit Genesungswünschen. Zurück zur Pension nehme ich eine Droschke und bestelle diese, uns viertel sieben zum Einstieg der Nidelven-Miene zu bringen.
Am Stollenmundloch vier wartet Direktor Halskin schon auf uns. Er erklärt die Mine sei im Norden fast erschlossen, im Süden gerade neu eröffnet und im Osten eingestürzt. Er weist auf das Generatorgebäude und erklärt die Mine sei elektrisch beleuchtet und auch die Pumpen seien elektrisch betrieben. Der Lorenbetrieb unter Tage sei dagegen noch auf „echte“ Horsepower angewiesen. Dann statten uns Halvor, Helge und Ole mit Overalls und Grubenhelmen aus. Nun geht es einen breiten mit Gleisen versehenen, abschüssigen Stollen hinunter. An der ersten Kreuzung biegen wir rechts ein, passieren nach ein paar Metern rechter Hand einen Schachtfahrstuhl und beginnen eine 27o Grad gewundene, stärker abfallende Rampe abzusteigen. Auch diese ist mit Gleisen versehen. Auf halber Strecke begegnet uns ein Lorenpferd auf dem Weg nach oben, sein Name sei „Taurin, das Pferd der Nacht“ erklärt man uns im Vorübergehen. Mycroft will seine, erst kürzlich erworbenen Pferde verkaufen, hat etwa Taurin an diesem Sinneswandel schuld? Mycroft wirkt verunsichert und ist etwas blass um die Nase. Halskin erklärt, hier es sei notwendig Wasser aus der Grube zu bringen. Später im Ostteil, der verschüttete Gang ist unspektakulär und es werde noch etwa vier Tage vor Ort benötigt, einen gesicherten Zugang freizulegen. Also zurück zur Pension.









