神と猫 (Kami to neko) – Götter und Katzen
Ich habe mir Mr. Stiffertson Rat zu Herzen genommen und befassen mich mit der Bibel. Ich habe teilweise Probleme, die in Altenglisch verfassten Texte zu verstehen, doch gestern habe ich in der Bibliothek von Bishop’s Waltham, der nächstgelegenen Kleinstadt, eine für Schulkinder konzipierte Ausgabe gefunden, deren Verständnis mir wesentlich leichter fällt.
Die Heilige Schrift der Christen besteht aus zwei Büchern – den Alten und dem Neuen Testament. Das erste Buch erinnert mich an das Kojiki, Wie die „Aufzeichnung alter Geschehnisse“ ist das Alte Testament eine Sammlung von Geschichten und Göttersagen, Überlieferungen von der Entstehung der Welt, von Herrschern und Rebellen, von Weisen und Dummköpfen… Und von einem Gott – einem grausamen und unbarmherzigen Gott.
Das Neue Testament dreht sich um die Geschichte eines gewissermaßen Jesus von Nazareth. Wie König Artus hatte auch er eine Gruppe von Leuten, die ihn bei seiner Idee unterstützten. In der Bibel werden diese Gefährten die „Apostel“ genannt. Es gibt zwölf. Anders als im Alten Testament, in dem ein zorniger Gott die Welt wie ein strenger Vater überwacht, kündet dieser Jesus von einem Gott der Barmherzigkeit und der Vergebung der Sünden. Er opfert sich selbst beziehungsweise läßt sich opfern, um die Menschen von ihren Sünden zu befreien und von ihrer Furcht zu erlösen. So schreibt es zumindest das Buch.
Am Nachmittag lege ich eine Trainingseinheit an der frischen Luft ein. Es gelingt mir heute tatsächlich zum ersten Mal, eine ziemlich komplizierte Figur, die ich schon seit Tagen übe, fehlerfrei zu vollführen. Ich bin über aus zufrieden mit mir und versuche es gleich noch einmal. Dieses Mal klappt es nicht so gut. Kuro ist im Garten aufgetaucht und will sich mit meinen Beinen prügeln. Diese Idee finden ich nicht so gut. Die kleinen spitzen Krallen haben es doch arg in sich. Kuro gibt sich aber auch mit einem Grashalm zufrieden, den ich vor seiner Nase hin und her wedle.
„Night…“, höre ich jemanden vorsichtig rufen. Kuro spitzt die Ohren und schaut aufmerksam in die Richtung, aus der die Rufe kamen. Ein rotbeschopfter Junge – vielleicht acht oder neun Jahre alt – lugt vom Nachbargrundstück zu uns herüber. „Night, komm her!“ ruft der Junge. Er duckt sich ein wenig, als ich in seine Richtung schaue. Kuro stolziert gemächlich auf die Gartenmauer zu. Der Junge freut sich, als sein Kater zurück in seine Arme klettert.
„Oliver! Oliver Harrington, wo steckst du schon wieder!“ Der Junge dreht sich um. „Ich muss gehen“, sagt er und winkt mir zu. „Ich komme, Mutter“, ruft er und verschwindet. Ich fange noch ein paar Gesprächsfetzen vom Nachbargrundstück auf. „Wirklich, Mutter, er sieht aus wie dieser japanische Ritter aus meinem Buch, dieser Samurai“, beharrt Oliver, „und er kämpft auch so. Glaub mir doch.“
„Unsinn!“ , widerspricht seine Mutter, „Ritter sind schon lange ausgestorben. Und wie oft habe ich dir schon gesagt, dass es sich nicht gehört, die Nachbarn auszuspionieren. Ab jetzt ins Haus!“
Ich selbst gehe auch nach drinnen. Ich bin durchschwitzt und will mich noch duschen und umziehen, bevor ich ins Dorf gehe. Ich bin heute noch zu einer Partie Go im „Golden Dear“ , dem Dorf-Pub, verabredet.









