Auf Cthulhus Spur

Gepflegtes Rollenspiel rund um den kriechenden Wahnsinn

同居者 (Dokyo sha) – Hausgenossen

Die HMS Scotland läuft in den Hafen von Southampton ein. Henuri-san erwartet uns und winkt uns von der Kaimauer aus zu. Gute sieben Wochen haben wir jetzt auf See verbracht mit einigen Zwischenstopps unter anderem in Perth und in Alexandria. Ich kann mich inzwischen wieder ohne Hilfsmittel bewegen. Die ersten Wochen war ich an den Rollstuhl gebunden, später konnte ich mich dann mit Krücken selbstständig bewegen, was schon eine enorme Erleichterung darstellte. Vor zwei Wochen habe ich bereits wieder mit leichtem Kenjutsu begonnen. 

Maikurofuto und Karura-san wurden auf der Reise von eigens für diese Zwecke engagiertes Pflegepersonal betreut und therapiert. Beiden geht es sichtlich besser.

Der Silver Ghost des Lords ist abfahrbereit in Richtung Highclere Castle. Ich lasse mich auf Curdridge Hill absetzen und kann Senchō überreden, mich zu begleiten. Meine Fracht aus Tokyō dürfte längst gelandet sein und mein Haus wartet darauf, einen neuen Gestaltungsstil zu erfahren. Ich könnte zwei kräftige Arme zur Unterstützung beim Möbelrücken gebrauchen.

Eren-san, den ich telegraphisch über meine Ankunft informiert hatte, erwartet mich bereits. Er heißt mich herzlich willkommen und präsentiert mir nicht ganz ohne Stolz das Ergebnis seiner Arbeit der vergangenen Monate. Der Rosenstock aus der Zucht Carnarvon ist gut angewachsen und blüht in voller Pracht. Das bei meiner Abreise noch ausschließlich aus Rasenflächen bestehende Land ist mittlerweile zu einen wunderschönen und abwechslungsreichen Wandelgarten gewachsen, der zum Entspannen und Meditieren einlädt. Ein kleiner Wasserlauf plätschert quer durch den Garten, gesäumt von einem beschaulicher Hain aus rotem Fächer-Ahorn, Yoshino-Kirschbäumen, Steineiben und Narihira-Bambus. Eren-san scheint wirklich ein gutes Händchen für solche Dinge zu haben. Die Yoshino-Kirschen, die im letzten Herbst gepflanzt wurden, berichtet Eren-san, hätten dieses Jahr schon sogar schon Blüten getragen. 

Ich erkundigen mich nach meiner Fracht aus Japan. Diese sei vor etwa einem halben Jahr angekommen, laut Frachtbrief wohl auch vollständig. Das Foyer meines Hauses ist vollgestellt mit Kisten und Kartons. Ich bitte Eren-san und Senchō mir dabei zu helfen, die Kisten in die entsprechenden Räume zu befördern. Zum Glück habe ich alles gut vorbereitet und kann anhand der Beschriftungen erkennen, was sich in den Kisten befindet. Meine Trainingseinrichtung und -ausrüstung bleibt im Erdgeschoss und findet ihren Weg in mein zukünftiges Dojo (wer braucht schon einen „Drawing Room“), mein privates Schlafzimmer verlagere ich ins Dachgeschoss. Erst jetzt wird mir bewußt, wie groß mein Haus hier eigentlich ist – im Grunde viel zu groß, um hier alleine zu wohnen. Kurzerhand frage ich Senchō, ob er nicht Lust hätte, bei mir einzuziehen – ein Angebot, dass der alte Seebär gerne annimmt.

Ein unerwartetes Geräusch schallt gegen vier Uhr durch die Räume von Curdridge Hill. Es ist das Läuten meines Telefons. Ich habe keine Ahnung, wo der Apparat sich befindet und versuche seines Standortes durch akustische Sondierung kundig zu werden. Das gelingt mir auch nach einer Weile. „Moshi“, rufe ich etwas kurzatmig in den Hörer. Es ist Henuri-san. 

Er lädt uns zu einer Arbeitsgruppe auf Highclere Castle unter der Anleitung eines neuen Therapeuten, eines gewissen Professor Jung, die heute Abend stattfinden soll, ein. Ich rufe quer durch das Haus in den ersten Stock, wo Senchō gerade am werkeln ist und unterrichte ihn von Henuri-sans Einladung. Warum nicht, meint er und ich bitte Henuri-san, Mare vorbei zu schicken, um uns abzuholen. Pünktlich um 6.30 p.m. fährt Lorudo-sans Rolls Royce vor Curdridge Hill vor und bringt uns nach Highclere Castle.