Auf Cthulhus Spur

Gepflegtes Rollenspiel rund um den kriechenden Wahnsinn

禍事 (Maga goto) – Verhängnis

Nach einem zweistündigen Training in meinem Dojo und einem anschließenden ausgiebigen Sentō-Besuch habe ich den Vormittag damit zugebracht, mein Haus zu putzen. Die Post brachte heute Kotayas Antwortschreiben auf meinen Brief vom Montag. Er schreibt, dass die Nihon Yūsen Kaisha, eine der zahlreichen Mitsubishi-Gesellschaften, regelmäßige Frachtfahrten nach Europa durchführen würde. Am 20. November sei der nächste Transport von Tokyo in das Vereinigte Königreich vorgesehen. Es wäre noch Platz an Bord. Der Zielhafen sei London, aber ein Zwischenstop in Southampton ließe sich einrichten. Dem Brief liegt auch eine Auftragsbestätigung und ein auszufüllenden Frachtbrief für die Verschiffung sowie die Adresse der Tokyoter Nihon Yūsen Kaisha Niederlassung bei, wo ich meine Sachen einlagern kann, bis sie verladen werden. Diese suche ich noch am Nachmittag auf, um Einzelheiten zu dem bevorstehenden Transport zu besprechen.

Am Abend gegen 21:00 klingelt das Telefon. Ein Anruf zu so später Stunde? Es ist Maikurofuto. Reichlich angetrunken ruft er von einem öffentlichen Münztelefon aus dem Vergnügungsviertel in Kyoto an.

„Sanjuro, alter Freund“, lallt er in den Telefonhörer, „wir haben es geschafft!“ Maikurofuto scheint zu einem längeren Gespräch aufgelegt. Um seinen Gedanken besser folgen zu können und seinem Wahrnehmungszustand etwas näher zu kommen, schenke ich mir ein Glas Gin ein und proste meinem Freund durch das Telefon zu.

Maikurofuto berichtet ausführlich von ihrem Besuch der Burg Himeji und seiner Begegnung mit dem wütenden Rachegeist der unglücklichen Magd Okiku, vom Inari Schrein in Kyoto, dem Priester Shiro-sama und der Schreinmaid Hitomi, von einer nächtlichen Besteigung des Berg Inari und der Entdeckung einer verborgenen Grab- oder Gedenkstätte, die ihnen den Weg zu jenem verlorenen Katana offenbarte, von dem Erscheinen der Inkarnation des bösen Fuchsgeistes und der Überwindung und Bannung desselben in das alten Schwert, und schließlich vom Erscheinen Inari-o-kamis in Begleitung ihrer spektralen Füchse, die das Gefängnis des Fuchsgeistes in Empfang nahm und aus unserer Welt brachte.

Ob der Fluch nun gebrochen sei, frage ich, was Maikurofuto überzeugend bejat. Aber Tetsuya sei seit dem nächtlichen Ausflug irgendwie verändert, fügt er hinzu. Er hätte sich gestern abend bis zum Umfallen betrunken und sei heute den ganzen Tag nicht aus seinem Zimmer gekommen.

„Ich hatte ihm gesagt, er könnte zurück gehen, als es brenzlig wurde“, rechtfertigt sich Maikurofuto. Ich stelle mir Tetsuya mitten in der Nacht auf dem Gipfel des Berges Inari vor, der vor die Entscheidung gestellt wird, allein zurück in die Stadt zu gehen oder meine Freunden bei ihrem abenteuerlichen Ausflug weiter zu begleiten. Niemals würde er allein durch die Nacht wandern – dafür ist er viel zu abergläubig und ängstlich. Aber Zeuge der Ereignisse auf dem Berg Inari, die Maikurofuto beschrieben hatte, zu sein, dürfte ihn wesentlich mehr mitgenommen haben. Der Junge tut mir ehrlich leid. Ich hoffe sehr, dass er sich wieder fängt und dass nach der Verbannung des bösen Fuchsgeistes auch Tsuki wieder zu sich selbst findet.