Auf Cthulhus Spur

Gepflegtes Rollenspiel rund um den kriechenden Wahnsinn

立直りとお慰み (Tachi Naori to Onagusami) – Erholung und Unterhaltung

Es war erstaunlich ruhig in den letzten Wochen und Monaten – keine Besuche von außerirdischen Mächten, keine aufreibenden Träume, keine Verpflichtungen. So erholsam die letzten Wochen auch waren, so langsam wächst in mir wieder der Tatendrang.

Heute hat mich ein Brief von einem entfernten Cousin mütterlicherseits erreicht. Taichi schreibt mir, dass er die wunderbare Gelegenheit habe, an einer Expedition teilzunehmen, wo er seine Studien vertiefen könne. Eine Verschwiegenheitsklausel hindere ihn aber daran, mir mehr preiszugeben. Ich frage mich, warum er mir das schreibt, warum er mir überhaupt schreibt. Wir hatten in den letzten Jahren wenig Kontakt. Allerdings hat mein Bruder Yukio sich immer sehr gut mit Taichi verstanden. Vermutlich weht der Wind irgendwo daher. Interessant finde ich, dass Taichi mich auf meine Ernährungsumstellung anspricht. Ich hatte Yukio in meinem letzten Brief geschrieben, dass ich mich in neuen Fleischgerichten ausprobiere, eigentlich eher beiläufig. Interessant worüber die Verwandten in der Ferne sich so austauschen.

Ich beantworte Taichis Brief, teile ihm meine Freude für ihn für seinen Erfolg mit, halte mich ansonsten kurz und gehe nicht wirklich auf seine Frage nach den Gründen für mein verändertes Essverhalten ein.

Spontan entschließe ich mich, meinen Freunden auf Highclere Castle einen Besuch abzustatten. Auf dem Weg dorthin bringe ich den Brief an meinen Cousin zum Postamt. Dort erwarten mich schlechte Nachrichten. Mary-Anns Cousin und Apothekengehilfe wurde getötet. Jemand oder etwas hat ihm den Kopf abgerissen. Mary-Ann hat ihn entdeckt und ist völlig außer sich. Wir versuchen ihr so gut wie möglich zur Seite zu stehen. Gerade, als ich eintreffe, sind meine Freunde im Begriff, nach Exeter zu fahren, um sich selbst ein Bild zu machen. Ich schließe mich ihnen an. Auf dem Weg erzählt mir Mycroft, dass er eine Einladung ins Lucky Touch, eine Amusement-Etablissement der gehobenen Klasse erhalten habe und fragt mich, ob ich ihn begleiten möchte. Er betont, dass er mich gerne als Rückendeckung dabei hätte. Die Einladung stammt von einer gewissen “C“. Es braucht nicht viel, um sich auszurechnen, wer sich hinter diesem Buchstaben verbirgt.

Wir erreichen Exeter und Mary-Anns Apotheke. Ein für leicht gesottene Gemüter wahrscheinlich grauseliger Anblick erwartet uns im Hinterzimmer. Der Einfluss des Lords ermöglicht es uns, den Tatort selbst in Augenschein zu nehmen. Überall ist Blut verteilt. Das Fenster zum Hinterhof hat nur ein kleines Loch, zu klein, als dass eine ganze Person, und wenn, dass nur eine sehr kleine, hindurch gepasst hätte.

Zurück im Hampshire erwarte ich auf Highclere Castle Mycrofts Rückkehr. Nachdem Mary-Ann entschieden hatte, dass ihre Proben in ihrer Apotheke nicht mehr sicher seien, hatte Mycroft angeboten, seinen Tresor in seiner Lagerhalle am Flughafen Croyden zur Verfügung zu stellen.

Am Abend fahren wir nach Portsmouth und betreten das Gebäude in der Half Moon Street 5 mit dem Türschild „Lucky Touch“. In einer kleinen Lobby empfängt uns eine Dame, die sich als Eve vorstellt. Sie fragt nach unsere Wünschen.
„Ist Madame C. im Hause?“ fragt Mycroft. Eve lächelt erfreut.
„Sie werden bereits erwartet“, sagt sie und nennt ihm die Zimmernummer. Dann wendet sie sich mir zu.
„Was kann das Lucky Touch für Sie tun, Sir“, fragt sie lassiv lächelnd.
„Das kommt darauf an, ob Ihr Haus mir das bieten kann, was ich suche“, antworte ich.
„Wir haben Angebote für jeden Geschmack, wie extravagant er auch sein möge“, säuselt Eve, „was schwebt Ihnen vor?“
„Nun, tatsächlich ist es so, dass ich dem weiblichen Geschlecht in Liebesdingen nicht viel abgewinnen kann.“
„Da lässt sich etwas machen“, meint sie, „Thomas ist heute Abend noch frei. Bitte dort entlang. Am Ende des Ganges die Treppen hinauf, Zimmer 142. Ich wünsche Ihnen einen vergnüglichen Abend.“

Ich folge dem Weg wie er mir beschrieben wurde und klopfe an besagte Zimmertür.
„Bitte herein“, ruft eine jugendliche Stimme. Ich öffne die Tür und dort räckelt sich auf Rosenblättern gebettet ein devoter junger Knabe, vielleicht so um die zwanzig, auf einem rüschenreich verzierten Himmelbett. Das Zimmer ist in Pastelltönen gehalten und der Duft von Lavendel und Rosen liegt in der Luft.
„Was soll denn dieser ganze Kitsch“, frage ich etwas gereizt. Das ganze Szenario hat für mich rein gar nichts errengendes.
Thomas richtet sich besorgt auf seinem Bett auf.
„Ist alles in Ordnung, Sir?“, fragt er.
„Ja, ja, keine Sorge“, antworte ich gedanklich etwas abwesend, „das ganze hier ist nur… etwas… weibisch…“.
„Den meisten meiner Kunden gefällt das“, meint Thomas, „es tut mir leid, dass es nicht Ihren Geschmack trifft, aber ich bin mir sicher, dass ich das wieder gut machen kann. Wie wäre es zunächst vielleicht mit einem Glas Sekt oder Wein?“
„Gin“, sage ich. Auch damit kann die kleine Hausbar in Thomas‘ Zimmer aufwarten.

Auch der Gin schafft es nicht, mich über meinen Schatten springen zu lassen. Thomas ist einfach nicht mein Typ – zu jungenhaft, zu weichlich – damit kann ich nichts anfangen. Ich sage ihm das auch genau so, was er mir in keiner Weise übel zu nehmen scheint. Es wird insgesamt noch ein ganz netter Abend. Thomas bietet mir an, mich zu massieren. Während er mich massiert, schwärmt er davon, wie sehr ihn die japanische Kultur faszinieren würde und erzählt mir in blumigen Bildern, wie er schon einmal an einer echten Teezeremonie in einem Museum in London teilgenommen hätte. Ob diese Begeisterung echt ist oder nur vorgegeben, um mir zu schmeicheln, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, aber ich denke, letzteres wird der Fall sein.

In den zwei Stunden, die ich mit Thomas verbringe, werde ich nicht gestört. Nach Ablauf der gebuchten Zeit treffe ich Mycroft vor dem Etablissement. Grinsend erwartet er meinen Bericht, der sich jedoch nur auf ein „ganz in Ordnung“ beschränkt. Er berichtet mir seinerseits von seinem Treffen mit Cassilda. Er soll für sie eine Dokumentenmappe besorgen, die sich auf dem Anwesen Oakley Courts befinden soll. Im Gegenzug soll der Fluch des gelben Königs, das Mal in seinem Gesicht, endgültig von ihm genommen werden.