宛 (Ate) – Spuren
Ich erwache gut erholt. Meine Schussverletzung ist vollständig geheilt. Nicht einmal eine Narbe ist zurückgeblieben. Schade eigentlich.
Nach dem Frühstücks tätige ich einen Anruf nach Highclere Castle. Während ich heute Nacht Heilung in den Traumlanden erfahren habe, wurden meinen Freunden andere Traumbilder gesendet. Sie alle haben das gleiche Bild gesehen: Mycroft in den Fängen des Bhyakhee, um Hilfe rufend. Im Hintergrund hätten sie alle eine Kathedrale gesehen. Der Lord hat diese als die Kathedrale von Salisbury erkannt. Dorthin soll unsere Reise weiter gehen. Wir verabreden uns für den Nachmittag in einem dortigen Hotel, dem „White Hart“.
Die Fahrt nach Salisbury dürfte nicht länger als eine Stunde dauern, daher gönne ich mir am Vormittag noch ein paar Trainingseinheiten. Ich bin etwas eingerostet, aber ich genieße es, endlich wieder voll und ganz Herr meines Körpers zu sein und mich schmerzfrei bewegen zu können.
Zum 5 o’clock Tea sind wir alle im „White Hart“ angekommen und haben eingecheckt. Mary-Ann verkündet ihre Ergebnisse der Untersuchung der Pergamente, die wir uns von Charles Upperton zurückgeholt hatten. Die Schriften sind mit Gulltinte auf Rindsleder verfasst worden. Neue Anhaltspunkte für Mycrofts Verbleib gibt es noch keine, aber einfach nur rumsitzen und warten – darauf hat auch niemand von uns Lust. Auf dem Weg hierher war meinen Freunden ein umgestürzter Baum aufgefallen, hinter dessen Wurzelwerk sich scheinbar ein Eingang in einen dahinterliegenden Hügel befindet. Auch ich hatte den entwurzelten Baumriesen am Straßenrand liegen sehen. Meine Freunde hatte während der Anreise schon an der Stelle angehalten und einen neugierigen Blick riskiert, aber viel hatten sie in der Dunkelheit nicht erkennen können. Der Lord tippt bei diesem Bauwerk auf eine steinzeitliche Grabstätte. Näheren Untersuchungen wollen wir uns nach dem Tee hingeben.
Der umgestürzte Baum hat in der Tag einen Zugang zu einem unterirdischen Raum freigegeben. Ein schmaler und niedriger Gang, der von einer Wand aus schwarzen, feinporigem und außergewöhnlich leichtem Gestein gehalten wird, führt etwa drei Meter in die Tiefe des Hügels hinein und eröffnet dort den Zugang zu einer Grotte, die augenscheinlich natürlichen Ursprungs ist.
Carla entdecket altertümliche Zeichnungen an den Grottenwänden. Sie zeigen Menschen mit Äxten und Speeren bewaffnet neben einigen runden Gebäuden – womöglich Behausungen. Es gibt noch mehr Zeichnungen, die alle zusammen eine Geschichte zu erzählen scheinen. Rechts davon findet sich die Zeichnungen von wespenartigen Wesen, die um ein seltsames Objekt herum schwirren. Eine zweite Szene zeigt die Menschen im Kampf mit diesen Insekten. Sie kämpfen auch gegen andere Menschen, die etwas seltsam aussehen, als wären sie mit diesen Insekten auf seltsame Weise verschmolzen. Auf dem letzten Bild sind die Insekten verschwunden. Es wird gezeigt, wie das seltsame Objekt in einer schwarzen Kiste verstaut und in einer letzten Szene von einem Menschen, der ein Tuch oder einen Umhang trägt, zu einer entfernten dunklen Höhle trägt.
Die Dämmerung setzt langsam ein und wir kehren zurück ins Hotel. Die Traumlande verwehren mir heute Nacht den Zutritt, aber ich träume von Mycroft, einen ganz ähnlichen Traum wie die, die meine Freunde letzte Nacht erfahren haben, nur das nicht die Kathedrale von Salisbury sondern ein anderer Turm, hoch und viel schlanker als der Kirchturm, im Hintergrund zu erkennen ist.









