予備費 (Yobihi) – Rücklagen
Ich lasse mir heute Zeit damit, meinen Tag zu beginnen. Heute müssen wir keinen Zug erwischen und auch sonst haben wir keinen Termindruck. Nach dem Frühstück gehe ich zum Fluss Nidelva, um zu meditieren.
Gegen halb zehn machen wir uns abreisebereit. Unsere drei Flugzeuge werden startklar gemacht. Mare bringt ihr Gepäck an Bord der feuerroten Martinsyde von Mari-chan, Karura-san steigt an Bord von Lorudo-donos Sopwith. Ich fliege selbstverständlich bei Maikurofuto mit und auch Senchō entscheidet sich, seine Sicherheit und sein Leben dem erfahrensten Piloten in unserem Team anzuvertrauen.
Der Start verläuft gut. Schon nach kurzer Zeit kreisen wir über dem Trondheim-Fjord. Mari-chan ist mit ihrer Maschine schon auf Kurs in Richtung England gegangen. Maikurofuto dreht noch eine Ehrenrunde, damit ich Luftaufnahmen vom Tempelrik machen kann und Lorudo-dono schafft es erst gar nicht, seine Maschine zu starten. Es scheint noch irgendein technisches Problem zu geben und die Maschine wird zurück ins Trockendock gehievt. Das könnte eine Weile dauern und so setzen auch wir unseren Flug Richtung Heimat fort.
Maikurofuto feixt. „Der Lord wird wohl heute nicht mehr kommen“, meint er und dass das alles so geplant gewesen sei. Eine Nacht in Zweisamkeit unter dem norwegischen Polarlicht versprach Romantik und die Chance, die Gunst seiner Geliebten zurück zu gewinnen. Jetzt ist mir auch klar, was Lorudo-dono gestern mit dem Mechaniker zu tuscheln hatte.
Gegen 15:00 landen wir in Croyden. Maikurofuto möchte noch zur Bank of England in London, um £ 1.000 in Goldmünzen abzuheben. Morgen Nacht ist Halbmond und wir haben dann die Möglichkeit über Joes Haus in Exeter physikalisch in das Traumland zu reisen. Wir wollen diese Gelegenheit nutzen um Dinge in unser Depot zu bringen, die wir auf dem herkömmlichen, astralen Weg nicht mitnehmen können. Er bittet mich, ihn zu begleiten. Senchō nimmt die Harley und fährt schon einmal voraus in Richtung Curdridge. Bevor er losfährt, bittet er mich, ihm schwarzen Pfeffer und Safran zu besorgen. Wir suchen also noch einen Gewürzhändler auf, bevor wir zur Bank fahren.
Ein bisschen nervös bin ich schon, als wir die Kiste voller Goldmünzen in den Silverghost verfrachten. Immerhin ist es eine überaus beachtliche Summe. Zwei Leute scheinen uns zu beobachten. Sie folgen uns in einem Automobil. Auch Maikurofuto sind unsere Verfolger nicht entgangen. Er entsichert vorsichtshalber seine Pistole und dreht sich immer wieder zu dem uns nach fahrenden Fahrzeug um. ‚Nur nichts überstürzen‘, denke ich. In den Vororten von London biegt das Auto ab, während wir geradeaus weiter fahren. Ich bin deutlich erleichtert, dass die Annahme einer Verfolgung sich hier als falsch erwiesen hat.
Unbehelligt erreichen wir dann gegen 19:00 Curdridge Hill. Dort verfrachten wir das Gold in meinen Tresor. Maikurofuto entschließt sich, heute Nacht auf Curdridge Hill zu verbringen. Der Lord, sagt er, ist sowieso nicht da und außerdem ist er ziemlich erpicht darauf, die jungen Damen, von denen eine demnächst als Haushälterin bei mir einziehen wird und die ich morgen aufzusuchen gedenke, kennen zu lernen. So habe ich auch noch Gelegenheit, Maikurofuto die Situation in meinem Keller zu zeigen. „Es sollte kein Problem sein, die Wand einzureißen“, meint Maikurofuto und holt eine Dynamitstange aus einer seiner zahlreichen Taschen hervor. „Lieber nicht“, wende ich ein, „ich habe eigentlich vor, noch weiter in diesem Haus zu wohnen. Es wäre nicht so schön, wenn alles über mir zusammenbricht. Das sollte sich erstmal ein Fachmann – ein Statiker oder Architekt – ansehen. Ich bin sicher, Lorudo-dono verfügt über entsprechende Kontakte.“ Dieser Einwand leuchtet Maikurofuto ein und er steckt den Sprengstoff wieder weg.
Nachdem die Sonne untergegangen ist, mache ich einen nächtlichen Spaziergang durch meinen Garten und lasse mich am Teich zu einer Meditation nieder. Die Nächte werden langsam kühler – der nahende Winter kündigt bereits mit einem Hauch von Frost im Atem des Windes von seiner baldigen Ankunft.









