Auf Cthulhus Spur

Gepflegtes Rollenspiel rund um den kriechenden Wahnsinn

私の景に入なさい (Watashi no kage ni irunasai)- Tritt ein in meinen Schatten!

Es ist bereits heller Tag, als ich heute erwache. Ein Blick auf die Wanduhr offenbart, dass es 11 Uhr ist. Dr. Monbardeau sieht nach mir, lässt meinen Kopfverband wechseln und legt mir dringend mindestens einen Tag Bettruhe nahe. Ich hätte eine leichte Gehirnerschütterung erlitten, sagt er. Wenn ich mir ein wenig Ruhe gönne, würde ich bald wieder auf den Beinen sein.

Ich halte mich an den ärztlichen Rat und bleibe auf meinem Zimmer. Die mir von Dr. Monbardeau verschrieben Analgetika lindern zum Glück nicht nur meine Schmerzen, sondern machen mich auch ziemlich träge und schläfrig, so dass es mir nicht besonders schwer fällt, die verordnete Bettruhe einzuhalten. Ich verbringe den Tag größtenteils in einem diffusen Dämmerzustand. Mycroft studiert eine Seite aus einem Buch des Lords. Die meiste Zeit ist er damit befasst, das in Altgriechisch verfasste Werk zu übersetzen. In meinen unregelmäßig auftretenden Wachmomenten liest er mir auf meine Bitte hin seine Übersetzungen vor. Was dort geschrieben steht, ist ziemlich unglaublich. Ich kenne diese Geschichte, wenn auch nur aus den Berichten meiner Freunde. Sie hat sich erst vor wenigen Jahren zugetragen und zwar ziemlich genau so, wie es der Ich-Erzähler in diesem sehr alten Buch beschreibt.
“Das ist faszinierend”, bemerke ich, “aber irgendwie auch beängstigend.”

Des Nachts werde ich von einem seltsamen Traum heimgesucht. Ich werde in das Unheimliche Tal gerufen. Aus der Dunkelheit heraus offenbart sich mir ein Bild von sieben Sternen. Die Lichtpunkte sind annähernd triangular angeordnet. Der hellste und größte von ihnen befindet sich in der Mitte am Boden. “Tritt nun ein in meinen Schatten”, höre ich eine vertraute Stimme. Es ist Kuro, die Königin der Nacht. “Laufe! Nur durch Schritte erhältst du den Zauber aufrecht.” Ich erwache mitten in der Nacht allein im Gästezimmer. Mycroft ist nicht da. Die Bilder und Worte aus meinem Traum sind noch deutlich in meinem Bewusstsein. Meine Gedanken formen ein klares Bild: Der Eintritt in den Schatten erfolgt, indem man in einer bestimmte Fußfolge ein Kanji für “Dunkelheit” oder “Schatten” abläuft. Ich springe auf und will das Erfahrene sofort ausprobieren, doch ein schmerzhaftes Pochen in meinem Kopf erinnert mich daran, dass selbst mein Dickschädel einen schweren Schlag nicht so ohne weiteres einstecken kann. ‚Scherzkeks’, denke ich in die Dunkelheit und lasse mich vom Schmerz gepeinigt auf das Bett zurücksinken, ‚ich kann nicht einmal richtig stehen. Wie soll ich in meinem Zustand laufen?’ Katzen haben scheinbar einen eigenartigen Humor.