Auf Cthulhus Spur

Gepflegtes Rollenspiel rund um den kriechenden Wahnsinn

* Verherrender Anschlag aus der Zimmerecke

Tamino & ich stehen wieder gemeinsam auf, frühstücken & beginnen pünktlich das Training. Doch meine Gedanken schweifen ab & das Tier nutzt meine Verträumtheit zum Rangeln. Monseniuer Tremont muß einschreiten & die Bande zur Räson rufen. Das wird noch länger dauern als mir lieb ist. Da kommt Tamino zu mir & fordert mich zum Spielen auf, was ich frohgelaunt eingehe.

Wir toben eine Weile & gehen dann zum Brunch. Es gibt zu den neuen Bewohnern des Schloßes auch neue Regeln. Außer Fritzi,  Indi, Nelson & Tamino dürfen keine weiteren Tiere in das Highclere Castle. Die Tiere werden nur an ihrem Platz gefüttert sowie feste Schlafplätze. Das Verbot für die Garnitur übergeht Fritzi regelmäßig, doch wir überstehen die Unannehmlichkeiten des Zoos mit reichlich Gin.

Nachmittags vertreiben wir unser weiter die Zeit mit Hundetraining & einem Dauerlauf über das gesamte Gelände, diesmal mit Schleppleinen & strengen Kommandos. Diesemal verläuft alles planmässig & lassen als Belohnung das Rudel frei spielen. Ich versuche weiterhin, Taminos Position im Rudel zu erkennen, doch er switch weiterhin, anscheinend gefallen ihm weiterhin alle Positionen. Zudem macht ihm die Verletzung noch zu schaffen, sodaß er bald ins Körbchen muß. Zufrieden schlummert er tief ein. Der Tierarzt bescheinigt mir, er benötige mehr Ruhe. Ich lasse daher das Training für ihn zunächst ausfallen.

Am Abend treffen wir uns in der Bibliothek & Sanjuro plant die Rückreise nach London. Gerade als der Lord zu einer Zusammenfassung ansetzen will, stockt er. Zeitgleich wird es schlagartig kälter, der Atem scheint zu gefrieren. Die Hunde jaulen abrupt auf, springen wie verrückt umher & machen einen riesen Radau.

Doch ich verfolge den Blick meines adeligen Freundes, der mit offenen Mund auf eine Ecke an der Decke schaut. Ich sehe sich aus der Ecke etwas Großes winden, haarig, nein, dünne Tentakel winden sich aus der Ecke & ein riesiges vierbeiniges, fast hundeähnliches Wesen schält sich aus der Ecke, läuft die Schwerkraft verhöhnend an Decke & Wände durch die Bibliothek. Zudem scheint es zu wabbern, zucken, blinken durch die Realität. Ich bin abgestossen & gleichzeitig fasziniert. Meine kryptozoologischer Instanz meines Gehirn notiert sich die Einzelheiten & versucht es gleichzeitig wie irre zu katalogiesieren – ohne Erfolg selbstredend.

Meinen Freunden stockt allen der Atem & verfallen in Stasis. Eine lange schleimige bläuliche Zunge schnellt aus dem Riesenhund heraus & wendet sich windend den Lord zu, abtastet & schnuppert läßt es wieder los. Zuckend hüpft es wieder an die Decke & wandert  schimmernd schwerelos wie ein Gecko in das obere Stockwerk.

Meine Faszination siegt über alle anderen Impulse & ich schleiche dem Wesen hinterher, was im Getöse der Hunde & den Krach aus dem Schlaftrakt bizarr anmuten muß. Als ich oben angelange, sehe ich bereit abgerissene Arme & Beine. Ehemals Bedienstete hat das Wesen so heftig zerrissen, daß sie nun von der Decke tropfen.

Doch irritiernder als dieser Anblick der spielerisch zerrissenen Leiber ist das Wesen, das verzweifelt versucht, den Tresor des Lords im völlig zerstörten Schlafzimmer zu öffnen. Mit seinen Klauen scharbt & kratzt es mit einer imensen Kraft, jedoch ohne den Panzerschrank zu öffnen. Es will hinein oder ran, doch findet es keinen Weg.

DIE GLOBEN!!

durchfährt es mich. Töten! Ich brauche – Mist der Eiszapper ist leer –

Gedanken rasen, ich entscheide mich mein Remington & die M5 Granaten zu holen, da ich maximale Feuerkraft hier benötige. Auf dem Weg zu meinem Waffenschrank treffen meine Kameraden ein. Sie fragen lediglich

„Wo ist der Eindringling?“

„Oben, im Schlafzimmer des Lords. Seht Euch vor, es ist  riesig… greift es an … und wartet auf mich!“

Sie rennen bereits weiter, jeden Raum absichernd, arbeiten sie sich zu dem Ungetüm vor, doch als ich den Waffenschrank endlich entriegelt habe, höre ich bereits Feuergefecht, irre gellendes Hundegebelle & wildes Geballer. Ich rase vor doch, höre ich Schreie, Hundegewinsel & zwei Soldaten fällen nahezu die Treppe hinunter. Torkelnd, taumelnd steuern Sie schreiend an mir vorbei, rufen „Es sind alle tot, es hat sie einfach zerrissen, rettet Euch!“

Der Lord schreit mich aus seinem Sessel heraus an:“ Mycroft mach was! Irgendwas!“ Fassungslos schleiche ich nach oben, doch mein Instinkt rät mir zur Flucht. Mit einigem Mut schaue ich erneut in den bluttriefenden, mit Leichtenteilen übersähten Schlafzimmer des Lord. Was für eine groteske Zurschaustellung sinnlosen Schlachtens!

Das Wesen scheint langsamer zu werden, es schnuppert, es blinkt, dann kratzt es weiter, verbiegt minimal den Tresor weiter.

„Tue was!“ die Schreie des Lords treiben mich an, etwas zu tun. Meine Waffen sind hier zweckslos, das erkenne ich. Ich nehme die Flöte aus meiner Weste & will gerade meinen unheimlichen Verfolger rufen, da dreht das Wesen um & waschelt an mir vorbei, ohne mich weiter zu beachten. Es läuft auf eine Ecke zu & quetscht sich hinein, verdreht sich um Achsen, die nicht da sein dürften, öffnet eine weitere Achse, die nicht da sein dürfte & verschwindet, so schnell es auch gekommen ist…

Leise tropft mir Hundehirn auf meine Instrument. Langsam gehe ich flötereinigend in die Bibliothek. Meine Freunde Mare, Mary-Ann, Sanjuro & der Lord sitzen starr auf ihren Plätzen. Tamino war zum Glück angeleint, er leckt mir glücklich das Gesicht ab.

Der Lord ist völlig fertig, völlig entrückt. Ich reiche ihm einen Gin, was ihn ein wenig wieder in diese Welt holt. Mit offenen Mund & stehenden Haaren stöhnt er mir zittrig zu, alles weitere mit dem Personal & der Polizei zu klären. Ich rufe Dr. Johnny & schaue zu meinem japanischen Freund.

Seine Haut ist nahezu weiß, fast wie bei einem Geist.  Auch ihm wird der Gin gereicht, was ihn wieder Farbe verleiht. Er lobt den guten japanischen Gin & giesst sich sofort zwei weitere Gläser ein, die er eiligst chuckt.

Mare will nur noch in der Werkstatt schlafen, Mary-Ann will ein Wattebäuschen sein. Totalausfall. Ich kümmere mich den Rest des späten Abends um Ruhe, versuche das Personal zu beruhigen & zu trösten. Ich gebe allen frei bis zum Morgen. James Dienste sowie Dr. Johnny werden weiterhin benötigt.

Nach kurzer Zeit klingelt die Polizei. Wir machen eine Tatort Begehung & geben nur wirre Informationen zu Protokoll. Man will uns nicht recht glauben, doch widerlegen oder gar alles erklären kann sich niemand etwas.

„Einfach nur bizarr“ denke ich mir.

Sanjuro fühlt sich nicht gut, ich biete ihm eine schnelle & unkomplizierte Heimfahrt an, die er sehr dankbar annimmt. So rase ich im rasanten Tempo durch Südengland mit meinem Silverghost, als ob dieses Wesen weiter hin uns her ist.

Als wir uns verabschieden, wirkt er etwas gefasster, sein Zuhause bringt ihn wieder ins Lot. Er wird gleich in seinen Schrein gehen & dort seine Mitte finden. Dessen bin ich mir sicher.

Mit rasanten Tempo fahre ich zurück zum Lord. Die Gefahr ist noch nicht gebannt, das war nur der erste Akt!