Unerträgliches Warten im Highclere Castle *
Die Ställe sind nun wieder offen, leider ist kein Lord zu sehen. Auch Spuren, Hinweise oder Informationen von Bediensteten bleiben aus. Dann erfahre ich, daß der Lord sich in der Bibliothek befinden soll. Auch hier werde ich von einem Bediensteten abgewiesen. Dieses Vorgehen sowie das nächtliche Treiben lassen uns einfach nur rätseln. Mary-Anns Frisur sieht irgendwie gruselig aus, aber sie scheint es etwas humorvoll und etwas beschämt aufzunehmen. Darüber reden will sie aber nicht, ein Glück. Ich habe andere Gedanken, die mich mehr bedrängen. Was ist mit dem Lord passiert? Seit dem Erlebnis auf dem Schiff im Sturm erkenne ich ihn nicht wieder. Befürchtungen meinerseits kommen immer wieder auf, dass die Tiere sowie der Lord „Andere“ sind, ein unheimlicher Bewusstseinsaustausch. Anders kann ich mir das Ganze nicht erklären.
Bei unseren gemeinsamen Beraten fallen uns die Schlangenstelen ein, die wir fragen könnten, was die wahren Ursachen sind. Mit der Hoffnung auf Klärung setzen wir uns an die offen Fragen, jeder darf eine Frage stellen, es müssen nur geschlossene Fragen sein. Zu unserer Verwunderung will ein Therapeut dabei sein, wenn wir diesen doch privaten Ausflug ins Moor machen wollen. Leider lässt er sich nicht abwimmeln, sodaß wir mit einem Fremden ein magisches Ritual durchführen müssen. Da der Leidensdruck bei uns so groß ist, lassen wir uns darauf ein. Sicherheitshalber nehme ich das Betäubungsgewehr mit, mit dem ich bereits Mary-Ann sediert habe, zusätzlich zur Sturmpistole, die mein stetiger Begleiter geworden ist.
Auf dem Weg zu dem steinernen Wesen erfahre ich, dass Henry & Ragnar nach Hartland Hall fahren wollen. Es stört mich, lasse mir aber nichts anmerken und wünsche Ihnen gutes Gelingen. Ich hoffe, dass Sir Chrichton die beiden nicht umdreht. Es wäre echt schade um die beiden, sie sind noch so jung. Carla bleibt auf dem Schloß, bei uns sind Sanjuro, Mary-Ann, Mare und ich. Die Fahrt ist angenehm, nur der Therapeut schwafelt unablässig von Konfliktlösungen & Vergangenheitsbewältigung durch Annehmen. Ich konzentriere mich auf das Ritual, schließlich werden die zahlreichen Fragen mich ordentlich beanspruchen. Im Moor angekommen, steigert sich das Gerede von David noch ins Euphorische. Ohne weitere Kommentare gehe ich zielsicher durch das Moor auf die Stele zu. Es ist ein herrlicher Tag für ein Ritual. Ich lege die Jacke ab, höre meine Begleitung hinter mir rascheln. Ich breite meine Arme aus, stimme einen kurzen Gesang an, spreche die magischen Formeln & spüre, wie aus meinem Solar Plexus warme Energie zu dem Wesen fließt. Meine Kameraden umringen mich, um mir Schutz zu bieten und Ihre Neugier zu befriedigen. Mit einem Blitz verschmelzen unsere Gedanken, Bewusstsein. Wie Welt um mich herum scheint sich plötzlich anders zu, alles bewegt sich wahnsinnig schnell oder steht mit einem Male wieder ganz still. Ich spüre kaum mein Atem. Ich konzentriere mich wieder, nicht ablenken lassen! Die einstudierten Fragen lasse ich dem fremdartigen Wesen telepathisch übermitteln;
- Ist der Lord normal & Herr seiner Selbst?
- Ist das Pferd, was wir des nächtens gehört hatten, ein normales irdisches Pferd?
- Benötigt der Lord unsere Hilfe & Unterstützung?
- War in der Nacht / Morgen vom 27.6.1919 ein fremdes männliches Pferd im Stall?
- Hat Lord Carnarvon ein magisches Ritual vollzogen?
- Ist in dem Wirbelsturm die Zeit für uns anders vergangen als für den Lord, die Mannschaft und den Tieren?
- Sind die Tiere intelligenter geworden?
Es blinzelt zum Verständnis kaum merklich. Mein Umfeld ist zu einem grauen Schleier geworden. Rauch umhüllt die Gestalt und verschwindet mit einem Schlag vor meinem Auge. Ich kann mich nicht bewegen – warte – warte -warte – ich verspüre leichte Panik, will atmen, kann nicht – warte – warte – warte – sehe kurz den Therapeuten, wie er stumm vor mir freudig gestikuliert – kann nichts bewegen – warte – warte – warte – warte
Mit plötzlichen Ruck fließt Rauch wieder zurück in die Stele und der Lloigor befindet sich in dem Stein. In meinen Gedanken höre ich die zischelnde verzerrte Stimme des Wesen, das mir folgende Anworten gibt;
- Ja
- Ja
- Ja
- Ja
- Nein
- Nein
- Ja
Damit werde ich aus seiner Sichtweise dieser Welt gestoßen zurück in unsere farbige gleichförmige Umgebung des Moores. Kurz sinke ich in die Knie, mir ist etwas schwach. Ich zücke meinen Flachmann und nehme einige Schlucke vom Gin. Der Therapeut ist völlig außer sich vor Freude, sieht alles als großartigen Gruppenerfolg. Nachdem ich mich erholt habe von der Anstrengung, gehe ich zurück zum Auto, zusehr nervt mich der Seelenklemptner. Er läuft mir hinterher und nervt mich, sodaß ich schließlich diesen Übereifrigen doch sedieren lasse durch einen wohlherzten Schuß aus dem Betäubungsgewehr, gerade als Mary-Ann auf ein Zeichen von mir ihn ablenkt.
Nun tausche ich mein gewonnenes Wissen mit meinem Kameraden aus, kommen aber zu keinem neuen Schluß. Also fahren wir wieder zurück nach Highclere Castle mit dem schnarchenden David.
Gerade angekommen im Schloß des Lords, erhalte ich still einen Zettel von einem Bediensteten;
Erwarte Dich nach deiner Rückkehr in der Bibliothek! LC
Freudig überlasse ich den Anderen das Dilemma mit David und gehe schnurstracks zur Bücherei. Sofort werde ich ohne Fragen durchgelassen. Ich treffe einen äussert aufgeregten & lebendigen Lord an. Er begrüsst mich sogar mit einer Umarmung, unsere erste. Ich bin kurz fassungslos, aber er redet gleich hektisch los: „Ich hatte gestern Nacht Besuch von einem Prinzen von Cairo, Safar ben Safag ibn Said. Es gibt einen triftigen Hinweis auf eine weitere Kugeln. Schau mal hier!“. Mit diesen Worten zeigt er mir die obskuren Pergamente, die wir seit Jahren mit uns tragen und teilweise entschlüsselt haben. Er hat ein weiteres Pergament, anscheinend vom Safar, was nun eine weitere Position auf der Weltkarte kennzeichnet. „Mycroft! Was ich nun von Dir, mein Freund, brauche, ist eine Versorgungstrecke nach Jugos-Slavia. Bitte fahr nach Croydon und richte die Route für mich ein. Ich muss sofort aufbrechen. Anschließend folge mir sofort mit der Almina, ich habe bereits alle Befehle erteilt! Die Zeit drängt!“
Wir reden noch kurz, da mich überzeugen will, dass er wirklich er selbst ist. Ehrlich gesagt beeindruckt mich dieser unternehmungs- & tatkräftige Mann, er scheint 10 Jahre jünger zu sein. Das Jagdfieber steht ihm sehr gut! Ich sage selbstverständlich zu. „Lass uns in Split treffen.. oder? Ja doch, Split ist das Beste. Folge mir nach Split!“ Mit diesen Worten komplimentiert mich der Gute aus der Bibliothek. Ich bin erleichtert, endlich meinen Freund wiedergesehen zu haben & er scheint sogar eine interessante Spur zu verfolgen. Ich gehe unverzüglich zur Rezeption und breche die Therapie ab, unterzeichne die Willenserklärung, gehe auf mein Zimmer und bereiet alles für die Abreise vor. Unter mir im Hof treffen gerade Ragnar, Indie mit Lederhelm und Henry ein. Mit scheint, der Hund will das Steuer der Harley lenken, wovon Henry ihn mühevoll abhält. Ich lache kurz und gehe zu meinen Kameraden. Ebenfalls große Erleichterung & Interesse schlägt sofort bei allen Anwesenden durch, als ich Ihnen von meinem Gespräch mit dem Lord erzähle.
Nun hören wir zeitgleich eine Martinsyde starten, der Lord verliert keine Zeit. Ich mache mich sofort nach Croydon auf, um die Versorgungsstrecke einzurichten. Alle packen Ihre Sachen und begeben sich erneut auf die Almina. Ich besorge mir noch einige Waffen und Ausrüstung sowie 5 komplette Taucheranzüge. Mann kann ja nie wissen. Einige Stunden später brechen wir nach Split auf!












