Tiger City
August 31 1920 Tuesday 5pm Kristiania
8 Stunden dauert die Fahrt in die Stadt, die vor rund 300 Jahren mal Oslo -ausgesprochen Uslu ˈʊslʊ hiess. Ihr Kosename ist Tigerstaden, weil sie vor 50 Jahren in dem Gedicht „Sidste Sang“ von Bjørnstjerne Bjørnson als gefährliche und unbarmherzige Stadt besungen wurde…
Wir checken im Grand Hotel ein und dort gibt es auch eine aktuelle Tageszeitung…
Das Devon, meine Nachbargrafschaft, steht kurz davor, den Notstand wegen Überschwemmung auszurufen…Über Kristiania braut sich ein für den Sommer ungewöhnlicher Wintersturm zusammen…Ein monster cyclon treibt die Fijii Islands in die catastrophy…
Mir schwinden die Sinne…Er weiß immer wo ich bin, Erfindet mich in meinen Träumen…Vor meinen Augen löst sich die Stadt, die Luft, das Licht auf, als bloße materielle Fassade entsagen sie mir nun mehr ihren gewohnten Glanz…Ich erstarre unter der mich tief erschütternden Last der Erkenntnis der Unwirklichkeit meines Daseins…Ich bin allein…Ich kann mich an keine Götter mehr wenden…nur noch gegen Ihn…
…Und ich mache hier Sightseeing in Norwegen…
Eigentlich sind wie hier, um uns die Leiche des am Tempelryk verstorbenen Seemann Snorg anzuschauen. Auf seine Überstellung in das Rykshospitalet nach Kristiania wurde gedrängt, wie wir aus den Papieren der Thule-Gesellschaft wissen. So ohne weiteres werden wir sicherlich nicht dort vorgelassen…
Sanjuro & Me gehen zu “Det Astronomiske Observatorium”, um eventuell unsere Mond- und Sternebeobachtungen fortzusetzen. Ragnar & Mycroft versuchen ihr Glück bei der Pathologie…
Auf dem Weg zum Observatorium nehme ich in der Philateria „Frimaerke Forretnig“ bei Olaf Halvoren für 5£ ein ziemlich aktuelles Norge-Briefmarkenset für meinen König mit.
Das stolze Observatoriet leuchtet in strahlendem Weiß auf einer Anhöhe vor uns auf, !831 – !833 auf einer alten Burg erbaut…
Det Kongelik Astronom Jens Schröter ist vor Ort:

Er zeigt uns gerne das Teleskop…

… und ich kann ihn überreden, uns heute Nacht um 1am einen Blick durch das Teleskop werfen zu lassen. Wir sollen im Nebengebäude, in dem er wohnt, klingeln, aber nur kurz und leise, seiner Kinder wegen…
Septembre 2 1920 Wednesday Short past Midnight
Kurz bevor wir ins Observatorium aufbrechen wollen, treffen die beiden corpse tourists im Grand Hotel ein, sichtlich mitgenommen…
Ragnar hat es geschafft, gegen 10pm von einem Studenten in die Pathologische Abteilung des Rykshospitalet eingelassen zu werden. Der tote Seemann soll fischig und halb durchsichtig ausgesehen haben, der Leichnam soll in die Charité in Berlin überstellt werden. Ragnar schüttelt sich, als er von dem verunstalteten Kollegen berichtet…
Doch sie wurden entdeckt, mussten den Nachtwächter ausknocken und flüchten. Verständlicherweise wollen die beiden sofort aus der Stadt verschwinden und gehen stiften in die Nacht…
Am liebsten wäre ich mitgegangen…
1am Die Stadt ist in Grün getaucht. Wir brauchen gar nicht am Nebengebäude zu klingeln. Jens Schröter erwartet uns vor dem Eingang des Observatoriums: „Die Kinder schlafen schlecht diese Nacht, aber auf die britische Pünktlichkeit ist ja Verlass, wie ich sehe!“
Sanjuro und ich können mal wieder nichts entdecken. Das Teleskop lässt mich auf eine hell erleuchtete, aber stumme und leere Mondoberfläche schauen. Vielleicht nur der falsche Zeitpunkt, kommt mir in den Sinn…
Die Nacht verzehrt mich in einem weiteren Albtraum. Ich sehe wieder Cthulhu, Er ist erwacht. Er hat er sich von seiner Schlafstatt erhoben…Panisch ringe ich auf seinem glitschigen Beckenrand um Halt..
Wieder erwache ich schreiend…Wenn das so weiter geht, verliere ich noch den Verstand, bevor ich Ihm begegnen werde….
Wir nehmen den Morgenzug nach Trondhjem. Ein paar Stationen nach Kristiania steigen Mycroft & Ragnar zu…
4pm In Trondhjem gehe ich direkt auf mein Zimmer, der Rest auf Entenjagd…
Ist ihnen klar, worum es geht..?
Warum zieht sich Ragnar vor mir zurück?
Er blickt mir kaum mehr in die Augen…
Wann komme ich hier weg..?
Ich kann erst ein wenig entspannen, als ich mir vorstelle als neuer Eigner des Dampfschiffs „HMS Euryalus“, ein ausgemustertes norwegisches Kriegschiff der Cressy-Klasse, das es im Tiefwasserhafen Barrow zu kaufen gab – Ragnar riet mir zur Anschaffung dieses bewährten Wellenstampfers, denn nur in 24 Tagen könnten wir mit 200 Mann Besatzung Punkt Nemo erreichen – auf der Brücke zu stehen…
…verkrampft und stumm wie Captain Ahab…












