Auf Cthulhus Spur

Gepflegtes Rollenspiel rund um den kriechenden Wahnsinn

* Tiefseewesen im Wohnzimmer

Durch ein zartes Klopfen werde ich aus meinen Träumen gezogen. Nachdem ich mir einen Morgenmantel übergeworfen habe, öffne ich die Tür. Lord Carnarvon steht atemlos vor der Tür, flüstert mir aufgeregt zu:

„Da sind zwei riesige Wesen im Zimmer & durchsuchen den Sekretär von Carla diFiona. Was sollen wir nur tun?“

„Once a moment, please, we got this problem shortly“, eile leise zurück ins Zimmer & greife mir die Schrottflinte sowie den Pistolenhalfter. Als ich zum Flur zurückkehre, steht ein großes

„Und jetzt?“ im Gesicht meines hochadeligen Freundes. Leise rate ich dem Lord, die Wesen zu belauschen, die Situation ist perfekt, mehr über die Vorgänge in Erfahrung zu bringen. Vielsagend nicken uns zu. Mittels Zeichensprache deute ich seine Position an & schleiche mich zu dem Türpfosten mit direkten Blick auf das Geschehen. Als ich lautlos in Schußposition angelangt bin, wage ich einen Blick. Mit einem Schauer nehme ich zwei riesige fischartige Wesen wahr, die sich mit ihren Flossenfinger an dem Sekretär zu schaffen machen. Carlas Wohnzimmer wirkt recht klein, da diese Abnormalitäten geduckt stehen & bis zur Decke ragen. Mir wird etwas schlecht von dem Geruch nach warmen Fischgedärmen. 

Aus der sicheren Deckung visiere ich die beiden an, gehe in Gedanken die Schußfolge mit dem Raum & den Wesen ab. Ich warte – nichts passiert. An der oberen Treppe sehe ich den Lord, er scheint zu meditieren. Plötzlich blickt er auf, schüttel vielsagend den Kopf, sodaß ich mich in den Schatten zurückziehe. Nahezu zeitgleich bewegen sich die Wesen in meine Richtung, um das Haus zu verlassen. Mit fest umklammerter Schrotte harre ich im Dunkeln aus, bis die langsamen klebrigen Schritte & das flatschend fiepsende Geschmatze verstummen. 

Mein Jagdinstinkt erwacht, was für Trophäen! Ich eile zur Tür & sehe Ihre Köpfe im Mondlicht ganz deutlich! Fast gelähmt verstecke ich mich hinter der Tür. Ihre Augen! Sie drehten sich unabhängig von einander! Unmöglich zu sagen, wohin dieses Wesen schaute! Der Anblick der schleimig muschelmustrigen Haut ist ungenehm, sie scheint zu leben & ständig in Bewegung zu sein. Mir dreht sich alles & halte mir selber den Mund zu, um nicht loszubrüllen. Als ich gerade Luft holen zum Angriff, da fasst mich der Lord fest an der Schulter.

Diener von Cthulhu

„Nicht jetzt. Sie wollen wiederkommen!“ Mit Widerwillen wende ich mich von der Jagd & meinem Instinkt ab. LC & ich gehen ins Wohnzimmer & trinken mit zittrigen Händen soviel Gin, bis wir uns laut anlachen. Was für ein Schocker! Es ist früh morgens, sodass wir bald wieder ins Bett gehen. Wir brauchen unsere Kräfte für Wichtigeres! Und gehen wieder zu Bett.

Nach einem kurzen Schlummer erwache ich mit meinem Gewehr im Bett. Steif erhebe ich mich, mache leichtes Tantra & Atemübungen. Nachdem mein Körper geschmeidig geworden ist, gehe ich zum Büffet. Nach & nach erscheinen alle Gefährten. Beim Essen frage ich meinen japanischen Gefährten, ob er Lust auf eine Jagd hätte.

Mycroft reports Visitors

Auf seine Nachfrage erzähle ich ihm grinsend die Umstände unseres nächtlichen Besuchs. Nun entbrennt eine Diskussion um das Für & Wider dieser Jagd. Sanjuro & Mary-Ann sind Feuer & Flamme, doch der Rest ist dagegen. Das Zünglein an der Waage ist der Lord, was mich etwas enttäuscht. Er weiß doch, das lose Enden uns nur schaden.

Aber beim Anblick von Carla, die leichenblass ob der Aussicht auf weiteren Besuch dieser Wesen wird, verstehe ich ihn doch. Wir beschließen, die Schutzzeichen, die wir in Bristol gelernt haben, auch hier anzubringen. Nach dem Frühstück schreiten wir sogleich zur Tat, vollenden das Schutzwerk bis zum Mittag, sodaß professionelle Ghostbuster neidisch geworden wären.

Sichtlich erleichtert schlägt Carla uns vor, die Hügelgräber zu besuchen, wo der Lord bereits beinahe abgestürzt wäre & wir Henry Walton Jones kennengelernt hatten. Auf dem Weg dorthin treffen wir einen Bekannten von unserer Gastgeberin, der zwei wunderschöne & Respekt einflößende schwarze Hunde bei sich hat. Carla führt ein angeregtes Gespräch, wovon ich kein Wort verstehe, doch die Hunde schauen mich durchdringend & intelligent an, was ich sehr wohl verstehe. 

In Sekunden fasse ich beim Anblick dieser stolzen Wesen den Entschluß, mir so ein Tier zuzulegen. Ohnehin muß ich mir für den Sicherheitsauftrag für den Lord auch Hunde suchen, sie sind unersetzbar. Im Gespräch, das mir Carla freundlicherweise dolmescht, erfahre ich, dass sie der Rasse der Dobermänner angehören, ausgezeichnete Wächter- & Spürhunde abgeben. Monsieur Fremont, wie er sich mir vorstellt, ist Hundezüchter. 

Mit Freude nehme ich sein Angebot an, mit zu seinem Hof zu kommen. Er erklärt mir die Bedingungen & Kosten. Ich werde französische Befehle lernen müssen, jeden Tag Sport treiben, Gehorsamübungen & Spieltrieb ausleben. Er zeigt mir seine Tiere, wo ich mir eine schwarze Hundedame aussuche. „In einem halben Jahr lernen wir uns richtig kennen“ flüstere ich ihr ins Ohr, ich glaube, ein Lächeln zu sehen. Zudem muß ich eine Ausbildung zum Hundetrainer absolvieren.

Was für ein guter Zufall, da ich nun Hunde für das Highclere Castle benötige. Dann wird sich niemand mehr einfach so in unserem HC einschleichen!

Doberwoman Cassilda

Zufrieden schlage ich auf den Deal ein. Carla rät mir Monsieur Fremont keine Überzahlung oder dergleichen zu geben, es gilt hier als Beleidigung, was mir fernliegt. Nachdem ich einen Beleg & Urkunde erhalte, vollenden wir unseren Spaziergang, wobei ich total vertieft in Gedanken an diese prachtvollen Tiere – war nicht Henry, mein Onkel, auch Hundenarr? Meine Gedanken wandern zu meiner geerbten Ranch & den Tagebüchern, die Andeutungen von nächtlichen schrecklichen Wesen enthalten – wir kehren zurück zu dem kleinen Gehöft. 

Wir beschließen, sofort nach HC zurückzukehren. Schnell ziehen wir uns um, machen uns reisetauglich. Bei der Verabschiedung von Carla, die mit der roten Baroness & dem Lord mitfliegt, frage ich um Erlaubnis, hier ein & auszukehren, um die Fischwesen zu jagen, falls sie erneut gesichtet werden sowie während der Ausbildung hier nächtigen zu dürfen. Sie schaut mich lange an, bejaht dann beide Anliegen. Mit zwei Martinsyde entheben wir dann in die Lüfte in die Richtungen Croydon & Highclere Castle, England. Die fliegende Apothekerin macht zum Start eine waghalsige Kopfschraube, was ich lachend begrüße. Der Lord & die Diva dürfte das Lachen vergangen sein!

Mycroft & Mary-Ann over France

Gegen 6 pm erreichen Mare, Sanjuro, Ragnar & ich den Aerodrome Croydon. Bei der Ankunft wird unser Gepäck schnell in den Silverghost von Sanjuro verladen. Währenddessen tausch ich mich mit einigen Postangestellten aus. Ich betrachte die Vickers Vimy, schaue mir die neuesten Anpassungen an & bin zufrieden. Mit dieser Maschine sollte man 300 Meilen weiterfliegen.

In kurzer Zeit werden die Menschen die Luft erobern, dessen bin ich mir sicher.

Flughafen Croydon

Wir fahren nach Curdridge Hill. Sichtlich erleichert verschwindet mein Japanischer Gefährte in seinem Schrein. Ich setze mich in den Rollstuhl & trinke Gin. Aus meiner Weste hole ich die gelbe Flöte & spiele gedankenverloren eine fremde Melodie